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Selbstverteidigung Krav Maga : Kämpfen wie die Bodyguards

  • -Aktualisiert am

Zupacken, wegdrücken: Trainer Raphael Wildemann zeigt, wie ein Sturmgewehr seinen Schrecken verlieren kann. Bild: Michael Kretzer

Was hilft gegen Angst? Vielleicht das Wissen, sich notfalls verteidigen zu können, mit der israelischen Verteidigungstechnik Krav Maga zum Beispiel.

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          Es gibt viele Arten, sich selbst zu verteidigen, und noch mehr Kurse, in denen man es lernen kann. Warum also schwören manche Leute auf Krav Maga? „Die Technik basiert auf natürlichen Instinkten“, sagt Raphael Wildemann. „Man kann sie vergleichsweise einfach und schnell erlernen.“ Anfängern ergehe es wie Führerschein-Anwärtern in der ersten Fahrstunde, wenn jeder damit überfordert sei, zu schalten, zu lenken und den Blinker zu setzen. Und nach wenigen Einheiten deutlich sicherer sei.

          In Mainz, in der Turnhalle einer Grundschule, blickt Raphael Wildemann jetzt in den Lauf einer Kalaschnikow. Langsam hebt er die Hände über den Kopf. Dann geht alles sehr schnell. Wildemann macht einen Schritt nach vorn, ergreift mit der linken Hand den Lauf des Maschinengewehres, drückt ihn von sich weg. Mit dem rechten Handballen versetzt er dem Angreifer einen Schlag ins Gesicht. Während der rückwärts taumelt, ergreift Wildemann den Kolben der Waffe und entreißt sie ihm. Dann macht er drei schnelle Schritte nach hinten - die Kalaschnikow richtet sich nun auf den Gegner.

          Auch Polizisten nutzen die Technik

          Der Angreifer ist Wildemanns Assistent, das Gewehr eine Attrappe. Wildemann ist Trainer für die israelische Selbstverteidigungstechnik Krav Maga. An einem Samstagvormittag hat er rund 40 Männer und einige Frauen in der kleinen, stickigen Halle um sich versammelt. „Umgang mit Schusswaffenbedrohung“ lautet der Titel des Seminars, für das die Teilnehmer 50 Euro gezahlt haben und bestätigen mussten, dass sie keinen Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis haben.

          Wer bunte Sportkleidung trägt, fällt auf. Olivgrün und Weiß gehören schon zu den Farbtupfern zwischen schwarzen und grauen T-Shirts. Auf vielen prangt die Aufschrift „Krav Maga Global“. Das ist der Dachverband mit weltweit rund 100 000 Aktiven, dem auch Wildemann angehört. Krav Maga wurde ursprünglich für das Militär entwickelt. Längst wenden aber auch Polizisten, Personenschützer und Zivilisten die Technik an. Zwar können an dem Seminar in Mainz Anfänger in Sachen Krav Maga teilnehmen, aber die meisten haben Erfahrung. Die Entwaffnung von Angreifern mit Sturmgewehren ist eine fortgeschrittene Methode; in der Regel lernen Interessierte zuerst, wie sie Angriffe abwehren könne, die mit Fäusten, Steinen oder Messern verübt werden. Einem Kneipenschläger begegnet man eben eher als einem Terroristen.

          Grundsatz: Lauf weg und verstecke dich

          Die Abfolgen von Griffen, Schlägen und Tritten, die Wildemann und sein Assistent vorführen, unterscheiden sich danach, aus welcher Richtung die Waffe auf das Opfer gerichtet wird und ob es steht oder niederkniet. Mindestens 20 Minuten haben die Teilnehmer nach jeder Demonstration Zeit, die Kombinationen zu üben. „Es ist wichtig, dass die Abläufe automatisiert sind“, sagt Wildemann, der seit 2005 Krav Maga lehrt und das Niveau „Expert 2“ erreicht hat, was sich mit einem schwarzen Gürtel in Karate vergleichen lässt.

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