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Programmierte Öffnungszeiten : Selbstreinigende Toilette als Modell der Zukunft

Trendsetter: Das WC-Häuschen im Holzhausenpark war das erste seiner Art in Frankfurt - im Grüneburgpark soll die Fassade dezenter ausfallen Bild: Stadt Frankfurt

Im Holzhausenpark steht schon ein modernes Toilettenhaus. In Oberrad wird das Modell ebenfalls verwendet, der Grüneburgpark soll folgen. Günstig sind die WC-Anlagen allerdings nicht.

          Im Süden des Grüneburgparks soll nächstes Jahr ein öffentliches WC-Häuschen eingerichtet werden. Das kündigten Vertreter des Grünflächenamts in der Sitzung des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) an. Ein möglicher Standort sei der südliche Parkzugang an der Siesmayerstraße, sagte Carola Bäsler, die für die derzeitige Sanierung des Parks zuständig ist. An dem Zugang sei ausreichend Platz für das Toilettenhaus, das eine Grundfläche von zweieinhalb mal fünf Metern habe. In unmittelbarer Nähe seien auch die von vielen Freizeitsportlern genutzte Südwiese sowie der neugestaltete Wasserspielplatz gelegen.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um Kosten durch Verunreinigungen und mutwillige Zerstörungen zu vermeiden, werde der Bau einer selbstreinigenden WC-Anlage empfohlen. Ein solches Modell wurde dieses Jahr im Holzhausenpark im Nordend installiert. Eine zweite Anlage dieser Art soll diesen Monat auf dem Buchrainplatz in Oberrad in Betrieb genommen werden. Die Flachbauten verfügen über einen zu verschließenden WC-Raum, der nach Gebrauch samt Boden vollautomatisch mit Wasser gereinigt wird. Die Gebühr soll 50 Cent betragen, das im Gebäude gesondert eingerichtete Pissoir soll unentgeltlich zu nutzen sein.

          Öffnungszeiten werden programmiert

          Die Tür zum WC werde sich nach 15 Minuten selbständig entriegeln; so könne ein Missbrauch des Raums, etwa als nächtlicher Schlafplatz, verhindert werden, sagt Bäsler. Die Öffnungszeiten des Toilettenhauses könnten zudem programmiert werden; das habe den Vorteil, dass kein Schließdienst organisiert werden müsse, wie es etwa im Günthersburgpark der Fall sei, wo ein Kioskbetreiber die Toiletten auf- und zuschließe.

          Anders als bei dem Modell im Holzhausenpark, das eine verspiegelte Fassade hat, werde für den Grüneburgpark eine dezente Ausführung gewählt. Das Gebäude erhalte anthrazitfarbene Metallwände, die mit einer Speziallackierung versehen würden, damit Graffiti leichter entfernt werden könnten. Den Standort am südlichen Parkeingang begründete Bäsler auch mit den nötigen Strom-, Frischwasser- und Abwasserleitungen sowie der dort möglichen Zufahrt für den Sattelschlepper, der das Häuschen als Ganzes liefert.

          Die Planerin wies darauf hin, dass im nördlichen Teil der Grünanlage das Parkcafé im Sommer geöffnet habe, dessen Toiletten gegen Gebühr mitgenutzt werden könnten. Das sei mit dem Betreiber der Gastronomie vertraglich vereinbart; künftig wolle die Stadt besser darauf achten, dass das Café zu den vereinbarten Uhrzeiten tatsächlich öffne und somit auch die Toiletten zugänglich seien. Das zusätzliche WC, das wegen der vielen Parkbesucher dringend notwendig sei, werde inklusive Aufstellen rund 100.000 Euro kosten. Für Planung, Architekten, Pflasterung und Anschlüsse sei mit weiteren 50 000 Euro zu rechnen. Für die Wartung der stadtweit dann drei gleichartigen Toilettenanlagen werde eine Frankfurter Firma zuständig sei.

          Die Stadtteilpolitiker begrüßten grundsätzlich die längst überfällige Entscheidung für den Bau der WC-Anlage. Auch die Vertreter der um Pflege, Erhalt und Gestaltung des Grüneburgparks bemühten Bürgerinitiative äußerten sich zustimmend. Mit Blick auf die hohen Kosten sprachen sich einige Ortsvertreter jedoch dafür aus, auch alternative Techniken, wie etwa Komposttoiletten oder Trockentoiletten, zu prüfen, die wohl preiswerter seien. Manche Ortsvertreter sprachen kritisch auch von einer „Luxusausführung“, die nicht notwendig sei. Die Vertreter des Grünflächenamts bestätigten, dass der Auftrag noch nicht ausgeschrieben sei; allerdings seien die Vorteile hinsichtlich Vandalismus, Sauberkeit und Wartung nicht zu unterschätzen. Im Grüneburgpark könnte also eine stadtweite Systementscheidung getroffen werden.

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