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: Selbstbewußte Waldecker mit streitbarem Landrat

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KORBACH. Helmut Eichenlaub (CDU), Landrat des Kreises Waldeck-Frankenberg, polarisiert. Entweder, so scheint es, mögen ihn die Bürger und die anderen Politiker, oder sie lehnen ihn ab. Für ein laues Mittelmaß läßt er offenbar keinen Raum.

          KORBACH. Helmut Eichenlaub (CDU), Landrat des Kreises Waldeck-Frankenberg, polarisiert. Entweder, so scheint es, mögen ihn die Bürger und die anderen Politiker, oder sie lehnen ihn ab. Für ein laues Mittelmaß läßt er offenbar keinen Raum. Selbst Sozialdemokraten loben ihn als "ministrabel". Er habe eine rasche Auffassungsgabe, finde sich sogleich in jede Thematik ein und werde schnell zum Wortführer. Allein, er wolle allzu häufig "mit dem Kopf durch die Wand", fasse Kritik als Angriff auf und halte mit zu großer Härte dagegen. In seinem Wohnort Frankenberg trugen Eichenlaub und sein Nachfolger im Bürgermeisteramt, Rüdiger Heß (CDU), eine Fehde aus, die bei nüchterner Betrachtung nicht nachzuvollziehen war. Eichenlaub nimmt den Namen des Parteifreundes nicht einmal mehr in den Mund, nachdem Heß öffentlich zu verstehen gegeben hatte, unter seinem Vorgänger im Bürgermeisteramt, Eichenlaub, habe sich zuwenig bewegt in der Stadt. "Zwei Sturköppe", heißt es in Frankenberg, seien "aneinandergeraten".

          Die Direktwahl des Landrats im Sommer vor drei Jahren fiel entsprechend aus. Statt eines Ergebnisses von 70 zu 30 Prozent für Eichenlaub, das mancher erwartet haben soll, wurde der Landrat mit 53,9 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Im südlichen, dem historisch fränkischen Kreisteil um Frankenberg, hatte Eichenlaub nach dem Streit bemerkenswert wenige Stimmen erhalten, doch die Waldecker im Norden des Kreises, die historisch den Sachsen zuzuordnen sind und wie die benachbarten Hessen seit der Reformation protestantisch sind, haben Eichenlaub, dem Katholiken von der südlichen Weinstraße, in großer Zahl das Vertrauen ausgesprochen.

          Dieser Landkreis im Nordwesten Hessens hat seine Eigenheiten. Die Kulturgrenze zwischen Franken und Sachsen wirkt bis heute fort. Sie ist ablesbar in der Mundart, im Fachwerk, aber auch im Lebensgefühl. Die Frankenberger sind Hessen, die Waldecker sind evangelische Westfalen. Sie treten selbstbewußter auf als die Hessen, bringen ihre Anliegen klar und unmißverständlich vor. Sie sind stolz auf ihren Landesherrn, der einst sein Fürstentum von Waldeck und Pyrmont regierte, bis es in der Weimarer Zeit in Niedersachsen und Hessen aufging, da es wegen seiner Kleinheit und begrenzten Finanzkraft als eigener Staat nicht mehr lebensfähig war.

          Kommt der Ministerpräsident nach Waldeck, empfangen ihn die Waldecker mit Respekt und Beifall. Zeigt sich aber das Fürstenpaar, dann erhebt sich das Volk und jubelt. Mit dem Waldecker Lied singen die Waldecker jeden Alters bis heute ihre Hymne. Der Fürst domiziliert in seinem Schloß in Arolsen, einer Barockstadt, die eigens als Herrschersitz angelegt wurde. Die größte Stadt im Waldeckschen ist aber Korbach, die am Kreuzungspunkt der Handelsstraßen Köln-Leipzig und Frankfurt-Bremen liegt. 1469 trat Korbach der Hanse bei. Es ist die einzige Hansestadt in Hessen. Es wunderte nicht, wenn die Korbacher den Versuch wagten, statt "KB" als Autokennzeichen "HKB" durchzusetzen, so wie Greifswald (HGW) oder Rostock (HRO) als Hansestädte firmieren.

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