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Selbst Holz schlagen : Brennstoff aus heimischen Wäldern

  • -Aktualisiert am

Günstiger als Öl: Brennholz aus der Region. Bild: Eilmes, Wolfgang

Viele Bürger schlagen ihr Holz selbst, denn damit sparen sie Geld. Aber der Beitrag des Forstes zur Energiewende ist kaum noch steigerbar.

          3 Min.

          Das schrille Kreischen der Motorsägen im Wald wird in den nächsten Wochen wieder weithin zu hören sein. Allein im Bezirk des Forstamts Bad Schwalbach schwärmen bis ins Frühjahr hinein rund 1500Bürger aus den zu Aarbergen, Heidenrod, Hohenstein, Hünstetten und Bad Schwalbach gehörenden Dörfern in die umliegenden Forstreviere, um Buchenkronen und Buchenstämme für den heimischen Kamin oder Holzofen in passende Stücke zu sägen und abzutransportieren. Eine schweißtreibende Arbeit, die trotz der Mühsal in den vergangenen Jahren einen Boom mit der Folge deutlicher Preiserhöhungen erlebt hat.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Vor sechs Jahren waren es weniger als 700 Bürger, die für wohlige Wärme zu Hause bereit waren, im Wald zu schwitzen. Danach wurden Forstämter wie Bad Schwalbach geradezu überrannt. Inzwischen hat sich die Zahl der sogenannten Selbstwerber auf hohem Niveau stabilisiert, eine weitere Zunahme wäre kaum verkraftbar. „Wir sind im Prinzip ausverkauft“, sagt Forstamtsleiter Karsten Schulze, der allenfalls bei den von den Bürgern für den Holzofen nicht so begehrten Nadelhölzern Spielräume für weiteres Wachstum sieht.

          Ein lukratives Geschäft

          Um die Nachfrage stillen zu können, hat Schulze den fünf von ihm betreuten Untertaunus-Kommunen mit Erfolg vorgeschlagen, sich auf moderate Preiserhöhungen und einheitliche Holzpreise einzulassen sowie die haushaltsübliche Menge von bisher 20 auf 15 Raummeter je Selbstwerber und Jahr zu begrenzen. Das ist immer noch mehr als genug, um auch in einem harten Winter den Kamin anwerfen zu können, aber zu wenig, um eine Zentralheizung samt Warmwasserbereitung für ein schlecht gedämmtes Haus am Laufen zu halten. Wer das will, muss für Mehrmengen einen Aufschlag von 25 Prozent zahlen.

          Die Brennholzgewinnung ist für das Forstamt und die Bürger ein lukratives Geschäft und überdies gut für die Umwelt, weil bei der Verbrennung nicht mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, als wenn das Holz im Wald ungenutzt verrotten würde. Die Vorteile des Energieträgers Holz sind beachtlich. Der Energiegehalt eines Raummeters Buchenholz, das sind etwa 0,7 Kubikmeter Holzmasse, entspricht dem von 190 Litern Heizöl. Der durchschnittliche Selbstwerber kauft jährlich 11,5 Raummeter zum Preis von 20Euro je Raummeter, woraus sich Kosten von 230 Euro errechnen. Um die gleiche Energiemenge aus Heizöl zu gewinnen, müsste der Selbstwerber rund 1800 Euro aufwenden.

          Insgesamt haben die Bürger im vergangenen Jahr rund 12.000 Kubikmeter Holz geholt

          Zerkleinert er dickes Kronenholz, ist der Preis wegen des Aufwands mit 18Euro je Raummeter geringer, als wenn er ganze, zwischen sieben und 30 Zentimeter dicke Stämme in ofenfertige Scheite verwandelt. Die Bäume fällen nach der Vorauswahl durch den Revierförster aus Sicherheitsgründen erfahrene Waldarbeiter und legen sie zum Zerkleinern bereit. Spätestens bis Mai müssen die Bürger dieses Geschäft im Wald erledigt haben. Anschließend sollte das Holz mindestens ein Jahr gespalten, gut belüftet und gegen Nässe geschützt gelagert werden. Dann hat jedes Scheit die Hälfte seines Gewichts verloren. Der Feuchtigkeitsgehalt liegt unter 20 Prozent, und der Heizwert ist mit vier Kilowattstunden je Kilogramm nahezu optimal.

          Insgesamt haben die Bürger im vergangenen Jahr rund 12.000 Kubikmeter Holz aus dem Wald des Forstamts geholt und verfeuert. Hinzu kommen rund 2800 Kubikmeter, die professionelle Holzhändler abnehmen, was dem Forstamt zusammen einen Gesamtumsatz von 366.000 Euro einbrachte und einer Heizölmenge von drei Millionen Litern entspricht. Vor fünf Jahren waren es nur 79.000 Euro. Weitere 2000 Kubikmeter werden als Holzhackschnitzel zur Befeuerung öffentlicher Gebäude benötigt.

          Die Rolle des Waldes bei der Energiewende sei schon weitgehend ausgefüllt

          Den Boom bei der Brennholzgewinnung hat der Landesbetrieb Hessenforst mitbefeuert, indem er „Bioenergieförster“ wie Andreas Wennemann angestellt hat, die Kommunen und Bürger beraten, wie sie auf Holz als Energiequelle setzen können. Auch in Kloster Eberbach wird auf Wennemanns Anregung derzeit überlegt, wie Holz aus den umliegenden Wäldern Teil eines Energiekonzepts werden kann.

          Gemessen am Gesamteinschlag des Forstamtes von 90.000 Kubikmeter Laub- und Nadelholz, hat das Brennholz einen Anteil von 20 Prozent erreicht. Der Löwenanteil ist nach wie vor Rund- und Stammholz, das mit hoher Wertschöpfung zu Möbeln, Parkett, Furnierhölzern oder Bauholz verarbeitet wird. Die Nutzung des Waldes nähert sich damit aber ihren Grenzen. Forstamtsleiter Schulze nimmt anderslautende Potentialstudien, die dem Wald eine bedeutsamere Rolle bei der Energiewende zumessen, mit Skepsis zur Kenntnis. Viele Angaben seien wenig realistisch.

          Die Rolle des Waldes bei der Energiewende sei schon weitgehend ausgefüllt, sagt Schulze, denn im Forst solle auch Totholz verbleiben. Verrottende Blätter, Zweige und dünne Äste sind wichtig für die Vitalität der Waldböden. Für den Aufbau eines privaten Bioenergiekraftwerks bei Heidenrod-Kemel im Untertaunus, wo nach der Aufstellung von Sonnenkollektoren und Windrädern ein Biomassekraftwerk der nächste Schritt ist, hat Schulze gleichwohl zugesagt, bis zu 10.000 Tonnen Biomasse zu liefern, das bei Pflegearbeiten anfällt. Viel mehr sei aber nicht möglich, wenn die Grenzen der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft nicht überschritten werden sollten: „Wir können nicht noch mehr draufsatteln.“

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