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Schmale Gehwege in Seckbach : Protest mit Poolnudeln

Abstandsgebot: Schaumstoffrollen zeigen, wie groß die Distanz zwischen Fußgängern und Autos sein sollte. Bild: Rainer Wohlfahrt

Mit einer ungewöhnlichen Aktion machen Bürger in Seckbach auf gefährlich schmale Gehwege aufmerksam. Nicht jedem Autofahrer gefällt das.

          Rote, grüne, blaue und graue Schaumstoffstangen ragen an der Wilhelmshöher Straße von den schmalen Bürgersteigen aus in den Fahrweg von Autos und Linienbussen. Gefährlich sind sie aber nicht, die Poolnudeln, die normalerweise Schwimmanfängern helfen, über Wasser zu bleiben. Für Sicherheit sollen sie auch am Freitagnachmittag beim „1. Poolnudel-Lauf durch Seckbach“ sorgen – wenngleich nur symbolisch.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir wollen vorüberfahrenden Autofahrern verdeutlichen, welchen Abstand sie zu Fußgängern einhalten sollen“, sagt Heiko Nickel von der Aktionsgruppe „Verkehrsberuhigung Wilhelmshöher Straße“. Die Straßenverkehrsordnung schreibe einen „ausreichenden Seitenabstand“ beim Überholen von Passanten vor. Gerichte hätten die Mindestdistanz auf einen Meter festgelegt; die gelte sogar für Schrittgeschwindigkeit fahrende Autos, sagt Nickel. Autofahrer müssten immer damit rechnen, dass Fußgänger beim Ausweichen einen Schritt zur Seite machten und auf die Fahrbahn gerieten.

          Alltägliches Risiko

          In Seckbach ist dieses Risiko alltäglich, denn an vielen Stellen im Ortskern sind die Bürgersteige sehr schmal: Fußgänger können einander nur passieren, wenn sie auf die Straße ausweichen. Nicht breiter als ein Badehandtuch sind die Fußwege auf langen Strecken der Wilhelmshöher Straße. Rund 12.000 Autos befahren sie täglich. Doch die Straße ist so eng, dass an manchen Stellen nur sechs Meter zwischen den Häuserfronten liegen.

          „Einen breiteten Laufweg und mehr Platz zu den Autos“ wünscht sich deshalb Lotte. Das fünfjährige Mädchen hat mit rund 70 weiteren Erwachsenen und Kindern am Poolnudel-Lauf teilgenommen. Die Wilhelmshöher Straße sei ihr Weg zum Kindergarten, doch sie könne dort nicht einmal neben ihrer Freundin gehen, sagt Lotte. Auch die zehnjährige Janne fühlt sich unsicher, etwa wenn Linienbusse unterwegs seien. Anwohner Rudolf Kraus moniert, dass der Bürgersteig mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl praktisch nicht zu nutzen sei.

          Autofahrer, die die Kolonne der Demonstranten gestern passierten, mussten vom Gas gehen. Manche versuchten, in die Fahrbahnmitte auszuweichen, soweit dies der Gegenverkehr zuließ. Einzelne Fahrzeuglenker zeigten sich genervt und hupten. Ein Kleinlastwagen verdeutlichte die Gefahr: Weil der Fahrer die Spur hielt, touchierte er etliche der Poolnudeln.

          Die Straße müsse für Fußgänger, vor allem für Kinder, sicher gemacht werden, fordert der Sprecher der Aktionsgruppe Heiko Nickel. Der von der Stadt seit Jahren geplante Umbau der Wilhelmshöher Straße liefere hierfür gute Ansätze. Aufgepflasterte Fahrbahnen und ein Minikreisel mit Zebrastreifen, etwa an der Ecke zur Straße Im Trieb im Ortskern, könnten den Verkehr verlangsamen. Voraussichtlich 2020/21 sollen die Bauarbeiten beginnen. Der erwogene Einsatz von Elektrobussen für die durch Seckbach fahrenden Linien 38 und 43 würde Lärm und Abgase reduzieren. Grundsätzlich müsste aber der öffentliche Nahverkehr im Frankfurter Osten ausgebaut werden, damit der Durchgangsverkehr in Seckbach geringer werde, findet Nickel. Die Initiative werde sich wohl noch die eine oder andere aufsehenerregende Aktion überlegen müssen.

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