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Prozess um Körperverletzung : „Ich wollte einfach, dass alles aufhört“

  • -Aktualisiert am

Schwere Körperverletzung: Sechs Monate Jugendstrafe auf Bewährung für geständigen Täter (Symbolbild) Bild: Wolfgang Eilmes

Wegen der schweren Körperverletzung seiner damaligen Freundin ist ein 19 Jahre alter Mann zu sechs Monaten Jugendstrafe verurteilt worden. Der Angeklagte gestand seine Tat und entschuldigte sich bei seinem Opfer.

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          Weil er seine damalige Freundin kurz nach der Geburt des gemeinsamen Kindes getreten und geschlagen hat, ist ein 19 Jahre alter Mann zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Die Anklagepunkte vor dem Amtsgericht Frankfurt waren gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung, einfache Körperverletzung und Leistungserschleichung in drei Fällen. Der Angeklagte, der bereits mit anderen Delikten in Erscheinung getreten war, gestand seine Schuld umfassend ein und entschuldigte sich.

          Am 18. Februar dieses Jahres hatte er seine damalige Freundin ins Klinikum Hanau begleitet, wo sie zwei Wochen nach der Geburt des gemeinsamen Kindes wegen einer Entzündung im Unterleib behandelt werden sollte. Im Krankenhaus gerieten die beiden in heftigen Streit, wobei es auch um das Kind ging, welches vom Jugendamt in Obhut genommen worden war. Der Angeklagte wurde der Station verwiesen.

          Laut Staatsanwaltschaft verließ die Frau anschließend das Krankenhaus mit einer Freundin, um sich etwas zu Essen zu kaufen. Vor einem nahe gelegen Drogeriemarkt kam es abermals zum Streit mit dem Angeklagten. Seiner Aussage nach ist seine Freundin ihm nachgelaufen. Im Streit schubste er sie zu Boden, trat ihr in den Bauch und schlug ihren Kopf gegen das Schaufenster. Später packte er sie außerdem am Hals. Vor Gericht sagte er: „Ich wollte einfach, dass sie aufhört, mich zu beleidigen – ich wollte einfach, dass alles aufhört.“ Er habe einen totalen „Blackout“ gehabt und nicht gewusst, was er tue. Er habe sich bei seiner damaligen Freundin entschuldigt. Was geschehen ist, tue ihm schrecklich leid.

          Keine besonders schwere Schuld festgestellt

          Die Frau, die als Zeugin vernommen wurde, scheint ihm mittlerweile verziehen zu haben. Ihrer Aussage nach hat sie keine Folgeschäden davongetragen. Sie wohnt mit dem gemeinsamen Kind in einem Mutter-Kind-Heim und wünscht sich eine gute Beziehung zwischen ihrem Kind und seinem Vater. Er hat zum jetzigen Zeitpunkt kein Umgangsrecht mit dem Kind.

          Die Vorsitzende Richterin stellte keine besondere Schwere der Schuld fest, sprach aber von einer schädlichen Neigung des Angeklagten, der in der Vergangenheit mit diversen Delikten wie Einbruchsdiebstahl und Leistungserschleichung aufgefallen war. Erst im vergangenen Jahr war er zu vier Wochen Jugendarrest verurteilt worden. Die Richterin sprach von völlig desolaten persönlichen Umständen des Mannes.

          Nach einer psychischen Erkrankung seiner Mutter lebte der Angeklagte zeitweise in einer Pflegefamilie sowie in Einrichtungen der Jugendhilfe. Er hat keinen Schulabschluss und konsumierte seit seinem 16. Lebensjahr nach eigenen Angaben regelmäßig Cannabis. Mit achtzehn habe er fast aufgehört, nach dem Streit mit seiner Freundin sei es mit den Drogen aber „wieder bergauf gegangen“, sagte der Angeklagte – was die Richterin mit „wohl eher bergab“ kommentierte. Eine feste Anschrift hat der Mann nicht, seit 2017 lebt er wieder bei seiner Mutter, die ihre Wohnung aber zum Ende des Jahres verlassen muss.

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