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Sebastian Kienle : Der Triathlon-Schattenmann

Wieder Zweiter und rundum glücklich: Sebastian Kienle kommt in Roth unter acht Stunden ins Ziel. Bild: picture alliance / dpa

Der Badener Sebastian Kienle hat in den vergangenen zwei Jahren zweimal die Marke von acht Stunden unterboten. Jetzt will er beim Ironman in Frankfurt ganz vorne sein.

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          Von Knittlingen und Karlsruhe über Frankfurt nach Hawaii. Doch nicht der Klassiker im Pazifik, sondern der Ironman am Main soll für Sebastian Kienle der Höhepunkt des Jahres sein. „Der Druck, gleich im ersten Jahr auf Hawaii zu starten und dort etwas zu reißen, ist viel zu groß“, sagte der 27 Jahre alte Profitriathlet. Kienle, aufgewachsen in der Idylle von Knittlingen bei Pforzheim, wohnhaft in Mühlacker und seinem Studienort Karlsruhe, begegnet dem größten und wichtigsten aller Ironmanrennen mit gebührendem Respekt. „Es werden die alten Haudegen sein, die dort das Rennen machen.“ Experten wie Titelverteidiger Craig Alexander, mit drei Siegen in Kona einer der ganz Großen der Szene. Oder Chris McCormack. Oder Andreas Raelert. Oder Timo Bracht. Oder vielleicht sogar Lance Armstrong?

          Zu dem siebenmaligen Tour-Champion Armstrong hat Kienle ein gespaltenes Verhältnis. „Das hat der Triathlon doch überhaupt nicht nötig“, sagte der Badener am Donnerstag als Premierengast des 1. Frankfurter Rundschau-Sporttalks. „Hier in Frankfurt gibt es einen massiven Kampf gegen Doping, und in Amerika vollziehen sie jetzt eine 180-Grad-Wende. In Sachen Armstrong ist zwar nichts einwandfrei erwiesen“, sagte Kienle, „aber jeder kennt doch die Indizien.“ Armstrong, ein möglicher Siegkandidat für den Ironman am 13. Oktober auf Big Island? „Man muss ihn auf jeden Fall auf der Rechnung haben“, empfahl Kienle. „Ein gewisses Charisma kann man ihm ja nicht absprechen. Aber mit vierzig ist er schon ein älterer Mann und wird nur noch ein, zwei Chancen bekommen, dort zu gewinnen.“

          Immer schön dabei sein

          Wenn sich einige der Langstreckenstars wie Andreas Raelert und Marino Vanhoenacker am 8. Juli in Frankfurt treffen, um bei der Ironman-Europameisterschaft nach einem neuen Champion zu suchen, wird auch Sebastian Kienle zum engsten Favoritenkreis gehören. „Aber der größte Konkurrent von Andreas, das bin ich nicht. Ich sehe Marino noch vor mir.“ Jenen Belgier, der sechsmal in Folge beim Ironman Austria in Klagenfurt am Wörther See die Konkurrenz nach Belieben dominierte und zwischenzeitlich sogar im Besitz der (inoffiziellen) Weltbestzeit gewesen ist. Eine Marke, der die Vergleichbarkeit fehlt, denn jedes Ironmanrennen hat seine eigene Topographie. Über jene 7:45:58 Stunden, aufgestellt am 3. Juli 2011, konnte sich Vanhoenacker übrigens nur kurz freuen. Schon eine Woche später, beim famosen Rekordtag in Roth, stellten nicht nur die außergewöhnliche Engländerin Chrissie Wellington, sondern auch der Rostocker Andreas Raelert neue, kaum für möglich gehaltene Bestmarken auf. 7:41:33 Stunden - die Schlagzeilen gehörten Raelert. Dabei gab es einen in seinem Schlepptau, der nicht minder famos ins Ziel kam: Sebastian Kienle. Mit 7:57:06 Stunden blieb er bei der Rother Challenge binnen Jahresfrist zum zweiten Mal in Folge unter der magischen Achtstundenbarriere - und doch waren es andere, die jeweils im Blickpunkt standen. In Frankfurt könnte sich das ändern.

          Zwei Tage vor dem Spektakel am 8. Juli, das morgens um 6.45 Uhr mit dem 3,8 Kilometer langen Schwimmen im Langener Waldsee beginnt, die Athleten auf ihren Rennrädern danach über 180 Kilometer durch Frankfurt und die Wetterau führt, ehe zum Schluss noch für ein Marathonlauf am Mainufer entlang die letzten Reserven mobilisiert werden müssen, wird Kienle 28 Jahre alt. Damit ist der Physikstudent, der neben seinem zeitintensiven Sport immerhin schon sechs Semester absolviert und das Vordiplom geschafft hat, immer noch um einiges jünger als die Siegläufer Raelert und Vanhoenacker, die beide im Sommer 36 werden. Dass Kienle den schnellsten Eisenmännern der Welt dicht auf den Fersen ist, weiß er. Und das Rennen in Frankfurt, „für mich der Jahreshöhepunkt“, hat er auch deshalb mit Bedacht ausgewählt, „weil ich genau dort starten will, wo es wirklich abgeht. Was nützt mir ein Sieg bei einem Rennen in Asien, wo kein Guter am Start ist“, sagte er. „Ich will dort sein, wo man nur mit einer super Leistung gewinnen kann. Und schwieriger als 2012 in Frankfurt kann es nun wirklich nicht sein.“

          Kienles Strategie für den möglichen Tag der Tage: Immer schön dabei sein, auch bei seiner schwächsten Teildisziplin Schwimmen, und vor allem auf dem Rad seine Stärken ausspielen. „Und wenn sich die zwei dann gegenseitig kaputtgemacht haben, kann ich die Teile auflesen.“ Und vielleicht gewinnen. Ob Ironman wirklich so einfach sein kann? Der Mann aus Knittlingen kann in Frankfurt zeigen, ob die monatelangen Trainingsaufenthalte in Arizona beim Leistungsaufbau hilfreich gewesen sind.

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