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Schwimmbäder in Hessen : Alarmrufe wegen Bädersterben

  • -Aktualisiert am

Ab ins Wasser: Nur 50 Prozent der Grundschüler könnten richtig schwimmen, schätzt die DLRG (Symbolbild). Bild: dpa

In den vergangenen acht Jahren wurden in Hessen 46 Schwimmbäder geschlossen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft kritisiert, dass der Schwimmunterricht für viele Grundschüler ausfällt, immer weniger könnten richtig schwimmen.

          Die sinkende Zahl von Schwimmbädern in Hessen treibt die Opposition im Landtag auf die Barrikaden. Die Tatsache, dass nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in den vergangenen acht Jahren 46 Bäder geschlossen wurden, ist aus Sicht der SPD-Landtagsabgeordneten Karin Hartmann „erschreckend“. Ihre Fraktion habe wegen des „Bädersterbens“ schon vor einigen Monaten einen vom Land aufgelegten Schwimmbadfonds angeregt, wie ihn auch der Landessportbund fordere.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Es kann nicht sein, dass das schwarz-grüne kommunale Spardiktat auf Kosten der Erreichbarkeit von Bädern geht“, kritisierte Hartmann. Die Zahl der Kinder, die schwimmen könnten, gehe kontinuierlich zurück, und wenn nach der Schließung von 46 Schwimmbädern nun offenbar 62 weitere von der Schließung bedroht seien, gerate eine wichtige Grundlage des Schulsports in Gefahr. Aus Sicht der SPD sei es von herausragender Bedeutung, dass Kinder spätestens im Grundschulalter schwimmen lernten.

          Sparpolititk zerstört öffentliche Infrastruktur

          Für den Linken-Landesvorsitzenden Jan Schalauske machen die Bäderschließungen deutlich, wie die Sparpolitik der von CDU und Grünen gestellten Landesregierung die öffentliche Infrastruktur in vielen Kommunen zerstöre. Immer mehr Menschen müssten auf öffentliche Einrichtungen wie Bäder, Stadtteilbibliotheken oder Jugendzentren verzichten. Die Lösung sei eine gerechtere Steuerpolitik, mit der „Superreiche, Banken und Konzerne“ zur Kasse gebeten würden, um öffentliche Aufgaben zu finanzieren.

          Nach Angaben der Initiative „Pro-Bad“, einer Vereinigung aus DLRG, Deutschem Schwimmverband und weiteren Interessengruppen, gab es in Hessen im Jahr 2002 noch mehr als 560 öffentliche Hallen-, Frei- und Naturbäder, heute seien es nur noch knapp 480, ein Rückgang um fast 20 Prozent. Allerdings müsse man bei dem Vergleich bedenken, dass einige Hallen- und Freibäder nach dem Motto „Aus zwei mach eins“, durch sogenannte Kombibäder ersetzt worden seien. Diese Einrichtungen bieten sowohl überdachte Becken als auch Pools im Freien. Wenn man diese Entwicklung berücksichtige, habe Hessen aber dennoch heute knapp zehn Prozent weniger Schwimmbäder als vor 13 Jahren.

          Viele Grundschulen ohne Zugang zu einem Schwimmbad

          Die DLRG teilte mit, dass in den vergangenen acht Jahren 46 Bäder in Hessen geschlossen worden seien, 62 weitere stünden vor dem Aus. Zwischen dem 1.Juli 2007 und dem 30. September dieses Jahres seien nur in Nordrhein-Westfalen (102) und Bayern (48) mehr Bäder geschlossen worden. Bundesweit seien es 371 Bäder gewesen, darunter 223 Hallenbäder.

          Aus Sicht des Hessischen Städtetages ist die Hauptursache für den Verzicht auf Schwimmbäder der Geldmangel der Kommunen. Eine Sanierung sei in vielen Fällen zu teuer, stattdessen werde die Einrichtung lieber geschlossen. Die DLRG kritisiert, dass 25 Prozent der Grundschulen keine Möglichkeit mehr hätten, ein Schwimmbad zu nutzen. Die Zahl der Grundschulabgänger, die schwimmfähig seien, gehe stetig zurück. „50 Prozent sind keine sicheren Schwimmer mehr.“

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