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AfD in Frankfurt : Schweigsame Aufsteiger

Sonst keiner von der leisen Sorte: AfD-Spitzenkandidat Rahn Bild: Wolfgang Eilmes

Die AfD holt auch bei der Kommunalwahl in Frankfurt ein zweistelliges Ergebnis. Aber am Wahlabend ist von ihr nichts zu sehen und zu hören

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          Der Stadtverordnete Dr. Dr. Rainer Rahn ist sonst keiner von der leisen Sorte. Mit seinen vielen Anfragen traktiert er die Verwaltung seit Jahren, und er hat auch zu allem eine Meinung. Nur zum Abschneiden der AfD bei der Kommunalwahl in Frankfurt nicht. Man muss die Partei als den Wahlsieger schlechthin an diesem Abend bezeichnen mit ihrem zweistelligen Ergebnis, doch der Spitzenkandidat Rahn und auch die anderen, die für die Partei kandidiert haben und nun in größerer Zahl in den Römer einziehen, sind nicht erreichbar.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Rahn gab am Freitag noch an, er werde als Wahlhelfer in Sachsenhausen tätig sein, wollte aber nicht verraten, wo. Eine Wahlparty? Es gebe doch keine Gaststätte mehr, die der AfD einen Raum überlasse, klagte Rahn und fügte eisig hinzu, selbst wenn es dennoch eine solche Party geben würde, dann würde er der Presse nicht sagen, wo. Am Sonntagabend ist er dann nicht einmal auf seinem Handy erreichbar. Die anderen sind schon gar nicht ans Telefon zu bekommen. Die Wahlsieger haben nichts zu sagen.

          „Passt nicht zu unserer Stadt“

          Das ist im Römer etwas anders. Dort zeigt man sich verärgert und schockiert. „Das Abschneiden der AfD passt nicht zu unserer Stadt“, meint Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und lobt die Internationalität Frankfurts. „Schade, dass die Bürger sich nicht die Partei und die Kandidaten angeschaut haben“, sagt Michael zu Löwenstein, der Fraktionsvorsitzende der CDU. Die Menschen hätten einfach nach Gefühl gewählt. Elke Tafel-Stein (FDP) lässt wissen, mit einem solchen hohen Stimmenanteil für die AfD habe sie nicht gerechnet, sie hätte nicht gedacht, „dass im liberalen Frankfurt eine solche rechtspopulistische Partei möglich ist“.

          Wo sie kandidiert, schafft die AfD locker zehn Prozent und mehr
          Wo sie kandidiert, schafft die AfD locker zehn Prozent und mehr : Bild: Wonge Bergmann

          Ratlosigkeit herrscht auch hinsichtlich der Frage, wie mit der neuen Partei in der Stadtverordnetenversammlung umzugehen ist. Keine Zusammenarbeit, aber auch keine Ausgrenzung, das schlägt Tafel-Stein vor. Man müsse über die Themen, die die AfD auf die Tagesordnung setze, schon diskutieren. Auf keinen Fall mit ihr koalieren, sagt Löwenstein. Man werde mit den AfD-Vertretern verfahren, wie es die Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung gebiete.

          Gregor Ammann (SPD) fragt sich, was denn die AfD überhaupt im Römer erreichen wolle: „Das weiß doch kein Mensch.“ Schockierend findet er das beachtliche Abschneiden der jungen Partei.

          Allerdings ist die Frankfurter AfD nicht so unbedarft, wie es bei einer Partei scheint, die erstmals in den Römer einzieht. Spitzenkandidat Rahn, am Wahlabend abtaucht, gehört der Stadtverordnetenversammlung seit 2006 an und war schon Angehöriger mehrerer Fraktionen. Bis 2011 führte er die Flughafenausbaugegner, dann gehörte er gut ein Jahr der FDP-Fraktion an, bevor er drei Jahre Mitglied der „Römer“-Fraktion war. Seit Dezember 2015, als diese Drei-Mann-Truppe zerfiel, ist er fraktionslos.

          Leicht hatte es die AfD im Wahlkampf nicht. Wo ihre Vertreter auch auftauchten, die Gegendemonstranten waren schon da. Noch in der Nacht zu Sonntag wurde vor die Tür zu einem Büro der AfD in Sachsenhausen eine Spanplatte genagelt; die Polizei ermittelt. Das gute Abschneiden der AfD haben solche Proteste nicht verhindern können, doch gesprächiger gemacht hat dieser Belagerungszustand Rahn und seine Mitstreiter eben auch nicht. Keine Stellungnahme am Abend, nirgends.

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