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Schutz vor Hochwasser : Rechen und größere Becken

Wiederholungsfall: Auch im Juni 2007 mussten nach einem Hochwasser in Bad Soden die Folgen der Flut beseitigt werden. Bild: Wonge Bergmann

Wo die Bäche zusammenfließen, wird es eng: Nach dem Hochwasser vor zwei Jahren investiert Bad Soden in Rechenanlagen, Retentionsbecken und Renaturierung.

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          Nur ungern erinnern sich viele Bad Sodener an den 14. August 2020. Damals gingen in nur neunzig Minuten 120 Liter pro Quadratmeter nieder, das Wasser schoss aus den Tälern in die Altstadt und überflutete Keller, die Supermarkt-Tiefgarage voller parkender Autos und das Schwimmbad. Die Leiterin des Bades habe ihn nachts noch angerufen, erinnert sich Bürgermeister Frank Blasch (CDU), sie könne am nächsten Tag nicht öffnen. Da war noch nicht klar, dass der gesamte Keller mit der Technik vollgelaufen war und die Reparaturen den ganzen Winter dauern würden. Allein an öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen gab es durch die Flut Schäden für etwa eine halbe Million Euro.

          „Eine Schwachstelle, die wir ausgemerzt haben“

          Andrea Diener
          Korrespondentin im Main-Taunus-Kreis

          Nun sei Fahrt in die Sache Hochwasserschutz gekommen, sagt Blasch. Aktuell wird am Sulzbach gearbeitet, am Ende der Dachbergstraße, bevor der kleine Fluss in einem Rohr am Schwimmbad vorbeifließt. Eine neue Rechenanlage wurde installiert, die man sich ungefähr wie einen breit gefächerten Laubrechen vorstellen kann. „Wir hatten damals das Problem, dass mit den Wassermassen aus dem Altenhainer Tal Geröll angespült wurde“, berichtet Stefan Perleth, Leiter Tiefbau und Heilquellen. Dadurch habe sich das Wasser aufgestaut. Die neue Anlage sei so berechnet, dass sie ein HQ100 fasst, also ein Starkregenereignis, wie es statistisch alle hundert Jahre einmal vorkommt. Außerdem fließt das Wasser nun unter dem Geröll hindurch, wenn welches angeschwemmt wird. Das Ufer wurde mit Rasensteinen befestigt, sodass die Feuerwehr heranfahren und das aufgelaufene Geröll mit einem Greifer leicht entfernen kann.

          Auch ausgetauscht wurde der Sandfang, der kleinere Partikel auffängt und einmal im Jahr durchgesaugt werden kann. Die Verbreiterung der Stelle und die Erhöhung der Ufer wirken als kleines Retentionsbecken. Die 145.000 Euro, die die Arbeiten bisher gekostet haben, werden durch das Land und den Kreisinvestitionsfonds Main-Taunus gefördert. „Der Sulzbach war eine Schwachstelle, die wir ausgemerzt haben“, fasst Stefan Perleth zusammen. Sportplatz und Schwimmbad sind künftig nicht mehr in so großer Gefahr.

          Weitere Verbesserungen geplant

          In der Stadt selbst gibt es ein Nadelöhr an der Alleestraße, Ecke Königsteiner Straße, wo die Bäche aus dem Altenhainer und Neuenhainer Tal zusammenfließen. Mitten in der Altstadt kann man wenig tun, deshalb müssen die Maßnahmen schon davor in den Tälern getroffen werden. Und da ist noch einiges geplant: In Richtung Altenhain ist schon länger ein neues Regenrückhaltebecken geplant, aber das umliegende Naturschutzgebiet sei „eine besondere Herausforderung“, so Perleth. Das zu kleine Rückhaltebecken Niederdorfsbach, derzeit auf mickrige HQ15 ausgelegt, soll erweitert werden. Es ist erst dreißig Jahre alt und schon dreimal übergelaufen. Das fällt in das Verantwortungsgebiet des Abwasserverbandes, der in den Zweitausenderjahren die Aufgabe des überörtlichen Hochwasserschutzes übernahm. Das ist auch sinnvoll, denn oft liegen die Projekte, die der einen Stadt nützen, auf dem Gebiet einer anderen.

          Was lokalen Nutzen hat, übernehmen weiterhin die Kommunen. Und Bad Soden hat in ihrem eigenen Interesse noch einiges geplant. Am weiteren Verlauf des Sulzbachs sieht die Stadt beispielsweise noch Potential zur Verbesserung. Derzeit läuft das Flüsschen zwischen Dachbergstraße und Talstraße über Privatgelände auf das Hundertwasserhaus zu, was die anliegenden Häuser zum Überschwemmungsgebiet macht. Der Verlauf ist dahin gehend nicht besonders praktisch, als dass bei jeder Beschneidung des Randbewuchses sich die Gärtner erst Zutritt zu den Privatgärten verschaffen müssen. Deshalb soll der Sulzbach über die Rohrwiese, den Grünstreifen südlich der Talstraße, laufen und dort renaturiert werden.

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