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Schutz bei Gewitter : Bei Blitz und Donner nie hoch hinaus

In Blitzen lauern bisweilen tödliche Gefahren Bild: dpa

Vier Frauen sterben bei einem schweren Gewitter. Das Unglück auf einem Golfplatz am Edersee zeigt, wie gefährlich Blitze für Menschen in freier Landschaft sind. So kann man sich schützen.

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          Der Unterstand aus Holz stand unglücklicherweise an exponierter Stelle und hatte keinen Blitzableiter. Die vier Frauen, die darin bei einem schweren Gewitter am vergangenen Freitag Schutz suchten, taten instinktiv das Falsche und starben infolge eines Blitzeinschlags. Drei Frauen waren an Ort und Stelle tot, eine vierte Golfspielerin, die den Blitzschlag zunächst überlebt hatte, erlag Anfang der Woche ihren schweren Verletzungen.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erhöhte Lagen und Hügelkuppen bei Gewitter meiden - so lautet einer von vielen Ratschlägen, den der Deutsche Golfverband in Wiesbaden erst kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Elektrotechnik-Verband (VDE) und dessen Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung in einem mehrseitigen Merkblatt und auf Plakaten zusammengestellt hat. An anderer Stelle heißt es dort allerdings auch, Golfspieler sollten sich sofort in Sicherheit begeben, zum Beispiel ein Clubhaus oder eine Schutzhütte mit Blitzschutzanlage aufsuchen. Eine Empfehlung an die Golfplatzbetreiber lautet, die Eignung der Schutzhütten von einer Blitzschutzfachkraft untersuchen zu lassen.

          „Ein unglaubliches Zusammentreffen“

          Merkblatt und Plakate waren erst wenige Tage vor dem Unglück am Edersee an alle 780 Golfanlagen in Deutschland, davon 53 in Hessen, verschickt worden - „ein unglaubliches Zusammentreffen“, wie Alexander Klose, Vorstand für Recht und Regularien beim Golfverband, sagt. Alle seien sehr bestürzt über den Vorfall. Klose bezeichnet ihn als einmalig innerhalb der „letzten Jahrzehnte“.

          Nach Angaben des VDE zählen Golfplätze aufgrund des Geländeprofils, der einzeln stehenden Bäume und Baumgruppen ebenso wegen der metallenen Golfstangen und der Metallschläger bei Gewitter „zu den gefährlichsten Orten“. In den Vereinigten Staaten ereigne sich etwa jeder fünfte Blitzunfall mit verletzten oder getöteten Personen auf Golfplätzen, heißt es. Nach Angaben eines VDE-Sprechers hätte das Unglück in Nordhessen vermieden werden können, wenn der Unterstand, in dem die Golfspielerinnen Schutz suchten, einen Blitzableiter gehabt hätte. Ein Blitz hatte sich am Dach des Unterstands entladen und sich über die Holzkonstruktion auf die Körper übertragen.

          Wie man sich gegen Blitzeinwirkung schützen kann, hat der VDE in einer sehr informativen Broschüre zusammengestellt, die auch Nichtmitglieder im Internet gratis herunterladen können. Hier finden nicht nur Golfer, sondern auch Camper, Konzertbesucher, Jäger und Wassersportler die passenden Verhaltensregeln.

          Grundsätzlich gilt: Personen, die sich bei einem Gewitter unter Bäumen, neben Masten oder in der Nähe von Außenwänden befinden, sind besonders gefährdet - dies auch bei einem Blitz der sich in einiger Entfernung im Boden entlädt und zwischen den Füßen eine gefährliche „Schrittspannung“ verusachen kann. Wer sich bei Gewitter nicht mehr in Sicherheit bringen kann, sollte sich im Freien unbedingt in die Hocke setzen, die Knie mit beiden Armen umfassen und die Füße eng nebeneinanderstellen, um die Schrittspannung so klein wie möglich zu halten. Auf keinen Fall sollte man sich gestreckt hinlegen.

          Weniger sicher sind Cabriolets

          Sicheren Schutz bieten laut VDE Gebäude mit Blitzschutzsystemen und auch alle Räume mit Metallkarosserie, das sind Autos, Flugzeuge, Eisenbahn- und Campingwagen, ja selbst die Metallkabinen von Seilbahnen, da der Blitz durch das Metall hindurchfließt (Faradaysche Käfig). Weniger sicher sind Cabriolets ohne Dachgerüst und ohne Überrollbügel aus Metall. Zweiradfahrer sollten Motorrad oder Fahrrad abstellen und sich mindestens drei Meter davon entfernen.

          Überhaupt ist Abstand zu Menschen, und Gegenständen (Metallzäune, Gitter, Wände) wichtig. Mindestens einen halben Meter zur anderen Person empfiehlt der VDE. „Lehnen Sie sich nicht an Wände“, heißt es an einer Stelle. In Scheunen, Holz- oder Steinhütten ohne Blitzschutz sollte sich ein Mensch in der Mitte des Gebäudes aufhalten, in besagter Hockstellung. Im Inneren eines Waldes mit gleichmäßigem Baumbestand sind Menschen bei Gewitter sicherer als am Waldrand oder in der Nähe besonders hoher Bäume. Drei Meter Mindestabstand von Baumstamm und Astspitzen lautet hier die Empfehlung. Es sei im Übrigen ein Irrglaube, dass Buchen weniger einschlaggefährdet seien als andere Bäume.

          Technischer Blitzschutz Blitzableiter fangen über metallene Leitungen auf dem Dach Blitzeinschläge ein und leiten den Blitzstrom zur Erde ab, um so Schäden am Gebäude zu vermeiden. In Deutschland sind Blitzableiter nach Angaben des Verbandes Deutscher Blitzschutzfirmen nur für Amtsgebäude mit Publikumsverkehr vorgeschrieben. Bei Neubauten von Privathäusern werde aber in der Regel vorgesorgt, das sei günstiger als der nachträgliche Einbau. Überspannungsableiter oder Blitzstromableiter sorgen für den Blitzschutz im Haus. Sie werden am Hausanschlusskasten oder Stromzähler installiert, um zu verhindern, dass bei Blitzeinschlägen in der Nähe eines Gebäudes Überspannungen im Stromnetz entstehen, die elektrische Geräte lahmlegen. Die Kosten für ein Einfamilienhaus liegen laut Stiftung Warentest bei 1000 Euro. Überspannungsschäden kommen viel häufiger vor als Blitzeinschläge, sind aber in der Regel nicht über die Hausrat- und Gebäudeversicherung mitversichert. Verbraucherschützer empfehlen, die Bedingungen daraufhin zu prüfen und die Überspannung als Gefahr gegebenenfalls mit in den Vertrag aufzunehmen. (hoff.)

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