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Wächtersbach : Achtsamkeit als Bürgerpflicht

  • -Aktualisiert am

Wächtersbach: Demonstranten halten Plakate gegen rechten Terror. Bild: dpa

Vier Wochen nach dem Schuss auf einen Eritreer in Wächtersbach gibt es keine Spuren des Täters, die ins rechtsextreme Milieu führen. Umso mehr ist Aufmerksamkeit bei Sicherheitsbehörden und Bürgern wünschenswert.

          Gut möglich, dass es dabei bleibt. Dass man nichts findet. Roland K., der vor fast vier Wochen in Wächtersbach auf einen Passanten schoss, weil dessen Haut dunkler war als seine, könnte als hasserfüllter Einzeltäter, als vom Leben frustrierter Einzelgänger in die Kriminalgeschichte eingehen. Bisher deutet jedenfalls wenig darauf hin, dass er Kontakte in rechtsextreme Kreise unterhalten hätte oder sogar von diesen gesteuert gewesen wäre.

          Damit, die Ursachen der Tat allerdings irgendwo zwischen Psychose, Alkohol und am Tresen entwickelten Rassismus zu verorten und den Fall dann zu den Akten zu legen, kann es nicht sein Bewenden haben. Das sehen auch die Verantwortlichen in Politik, Polizei und Justiz so. Sie mühen sich zu ergründen, wie es zu dem Gewaltexzess kommen konnte und vor allem ob die Tat in Wächtersbach im Zusammenhang mit dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gesehen werden muss.

          Die gewohnten Kategorien passen in beiden Fällen schlecht. Jedenfalls kaum das auch diesmal bemühte Bild vom „Schläfer“, der sich heimlich radikalisiert hat und irgendwann zuschlägt, wenn ihm die Gelegenheit günstig erscheint. Stephan E., dringend verdächtig, am 2. Juni Lübcke auf der Terrasse von dessen Privathaus erschossen zu haben, hat zwar eine entsprechende Vergangenheit, und er hatte womöglich sogar Kontakte zur Terrorgruppe NSU. Man machte es sich jedoch zu einfach anzunehmen, er sei zehn Jahre, zuletzt getarnt als Familienvater, untergetaucht und habe dann, auf eine Äußerung Lübckes zur Flüchtlingsfrage vor vier Jahren hin, seinen Hass kühl kalkuliert walten lassen.

          Die gewohnten Kategorien passen schlecht

          Solche Leute mag es geben. Ebenso gefährlich, weil kaum einzuschätzen, sind jene, die sich von einer zugespitzten Auseinandersetzung über Migration und ihre Folgen angestachelt sehen, dem „Geschwätz“, wie sie es sehen, Taten folgen zu lassen.

          Mehr Aufmerksamkeit wird daher nötig sein, die Bedrohung zu erkennen, die von diesen irrlichternden Menschen ausgeht. Das fängt bei den Sicherheitsbehörden an. Sie müssen diesen Tätertypus verstärkt im Blick haben, so schwer das ist. Ordnungsämter müssen hinterfragen, wer tatsächlich berechtigt sein soll, Waffen zu besitzen. Und das gilt für jedermann. Nicht wegzuhören, wenn jemandem wegen seiner Herkunft oder seiner Religion der Tod gewünscht wird, ist eine Bürgerpflicht.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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