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Schulstart in einer Pandemie : Schule nach Plan A

Diskutierter Schulstart: Ein Mädchen trägt seine Schultüte. Bild: dpa

Am Montag geht es wieder los. Mit Masken, manchmal auch mit Tablets. Die Schüler aber beschäftigt oft etwas ganz anderes.

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          Die Briefe sind wieder da. Seit der Schulschließung Mitte März haben Politiker, Schulleiter, Lehrer und Eltern zu keiner Zeit so viel Post verschickt wie in den Tagen vor dem Schulbeginn am Montag. Fast alle Briefe beginnen damit, dass das alte Schuljahr und die Sommerferien anders waren als sonst – und dass auch das neue Schuljahr mit Sicherheit ein außergewöhnliches wird.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Trotzdem soll alles „wieder weitgehend im Normalbetrieb“ laufen, wie es in dem Brief von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) an die hessischen Eltern heißt. „Normal“ ist im Corona-Jahr aber relativ. Die Rückkehr zum vollständigen Stundenplan und zu kompletten Klassen ist nur möglich, wenn Schüler und Lehrer Masken tragen, wenigstens auf dem Hof und in den Fluren.

          Schulleiter, die das Absetzen des Mundschutzes am eigenen Platz in kleinen Räumen nicht verantworten wollen, gehen aber über die hessische Maskenpflicht hinaus: An ihren Schulen müssen Schüler und Lehrer die Maske auch im Klassenzimmer tragen. Im Brief des Leiters eines Frankfurter Gymnasiums an die Eltern heißt es, die Entscheidung für den Präsenzunterricht zwinge ihn zu dieser „einschneidenden Entscheidung“. Die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) erinnert daran, dass auch Visiere erlaubt seien. Das könne Kindern helfen, die schlecht hörten und auf das Lippenlesen angewiesen seien. Gegen Masken auf dem Pausenhof ist der Verein „Familien in der Krise“, der ebenfalls ein Schreiben zum Schulbeginn verschickt hat. Insbesondere an Grundschulen, wo Kinder viel toben, seien Masken „unzumutbar und gesundheitsschädigend“.

          Kein Konzept für Unterricht auf Distanz

          Denn auch Grundschüler, die in den letzten beiden Wochen vor den Ferien Unterricht fast ohne Einschränkungen hatten, müssen nun auf dem Weg zu ihrem Platz einen Mundschutz aufsetzen. So schreiben es Rektorinnen in ihren Briefen – und außerdem einen Satz, der viele Eltern vor dem Herbst aufatmen lassen dürfte: „Schnupfen ohne weitere Krankheitszeichen ist ausdrücklich kein Ausschlussgrund.“

          Lorz schreibt nicht nur selbst, er bekommt auch Post. Zum Beispiel von den Elternbeiräten aus Frankfurt, Hanau, Wiesbaden, Limburg-Weilburg, dem Kreis Offenbach, dem Hochtaunus- und dem Wetteraukreis. Die Eltern sorgen sich angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen und verweisen auf Verschärfungen anderswo im öffentlichen Raum. Im Gegensatz dazu halte Lorz am Regelbetrieb fest: „Ein ,Plan B‘ wurde bisher nicht veröffentlicht.“

          Gemeint ist ein Konzept für Unterricht auf Distanz. Lorz kündigte am Freitag abermals an, das hessische Schulportal auszubauen, „so dass alle Schulen im Laufe des ersten Schulhalbjahrs die wesentlichen Funktionen der Plattform nutzen können“.

          Unterschiede beim digitalen Unterricht sind erheblich

          Außerdem beklagen die Eltern, dass es in vielen Schulen noch kein W-Lan gibt. In Frankfurt ist das geplant, die Stadtverordnetenversammlung hat Bildungsdezernentin Weber ermächtigt, Geld aus dem Digitalpakt dafür zu beantragen. Hessen stellt gemeinsam mit dem Bund 50 Millionen Euro zur Verfügung. Bis alle Schulen angeschlossen sind, wird es aber noch Jahre dauern. Weber hat 9000 Laptops bestellt, die sich Schüler leihen können, die zu Hause keinen Computer haben. Die Stadträtin kündigte Ende der Woche außerdem eine Lösung auch für Schüler an, die daheim kein Internet haben. Eine einheitliches Konzept für Videokonferenzen an Frankfurter Schulen will sie bis zum Ende des Jahres vorstellen.

          Die Unterschiede zwischen den Schulen und auch einzelnen Lehrern beim digitalen Unterricht sind erheblich. Während manche Schulen in ihren Briefen an die Eltern erst jetzt ankündigen, dass die Schüler demnächst den Umgang mit dem Schulportal einüben werden, arbeiten andere schon ganz selbstverständlich damit. Die Praxis zeigt auch, dass einzelne Schulen und Gruppen schon recht gut mit Online-Unterricht klarkommen.

          Wer mit Schülern spricht, merkt hingegen schnell, dass sie in diesen letzten Ferientagen ganz andere Dinge beschäftigen als Online-Unterricht und Maskenpflicht. Nämlich: die Klassenkameraden wiederzusehen. Vielleicht auch die Frage: Haben wir wieder normal Sport? Gibt es eine Chor-AG? Was ist mit dem Schulorchester? Vor allem aber: Ist jetzt alles wieder so wie früher, oder wird die Schule bald wieder wegen Corona geschlossen?

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