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Schulstart in Corona-Zeiten : Die Schulzeit beginnt mit Händewaschen

Alles gut verpackt: Erstklässler während der Einschulungsfeier an der Holzhausenschule in Frankfurt Bild: Wonge Bergmann

Diese Einschulung wird den Erstklässlern aus dem Rhein-Main-Gebiet besonders in Erinnerung bleiben. Manche bekamen Besuch vom Ministerpräsidenten.

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          In der Diskussion über eine Maskenpflicht an Hessens Schulen hat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) das Vorgehen der Landesregierung zum Schulbeginn als richtig bezeichnet. Er gestand indes ein, dass eine Maskenpflicht während des Unterrichts „heftig umstritten“ sei. Der Verband der Hausärzte habe die Landesregierung „dringend davor gewarnt“, dies zu tun, sagte er am Dienstag am Rande einer Einschulungsfeier im Taunussteiner Stadtteil Neuhof und ergänzte: „Wir haben uns mit Fachleuten, Experten und Ärzten sehr sorgfältig darüber beraten.“

          Wolfram Ahlers
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.
          Florentine Fritzen
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Landesregierung habe daher entschieden, dass auf dem Schulgelände eine solche Verpflichtung bestehe, die im Ausnahmefall, etwa bei sehr viel Platz auf dem Schulgelände, jedoch ausgesetzt werden könne. Umgekehrt könnten die Schulen bei hohen Infektionszahlen vereinbaren, Masken im Unterricht zu tragen. Dies habe zwar keine rechtsverbindliche Wirkung, sei aber in Ordnung, wenn man sich darauf verständige.

          „Wir müssen uns entscheiden“, sagte Bouffier. „Ich bekomme von den einen gesagt, es sei unverantwortlich, dass ich den Kindern nicht vollständigen Unterricht mit Sport und anderen Fächern anbiete. Die anderen sagen mir, es sei unverantwortlich, dass ihre Kinder einer Gefahr ausgesetzt würden.“ Er könne beide Argumente nachvollziehen, aber dies nütze nichts. „Das ist eine Situation, wie wir sie bisher noch nie hatten, aber wir haben uns sehr sorgfältig vorbereitet“, sagte er. „Wir haben eine Verpflichtung, den Kinder ihr Recht auf Bildung zu gewähren.“ Auf der anderen Seite sei jedoch der Gesundheitsschutz zu beachten. Die vorrangige Aufgabe sei es nun, dies in eine vernünftige Balance zu bringen. „Wir haben keinen Anlass für Angst oder Panik, aber wir haben allen Anlass, sorgfältig und vorsichtig zu bleiben“, so Bouffier.

          Keine generelle Maskenpflicht im Unterricht

          Am Dienstag wurde der erste Corona-Fall im neuen Schuljahr bekannt. Bei einem Schüler der Ernst-Ludwig-Schule in Bad Nauheim war der Test positiv. Alle Klassenkameraden sowie zwei Lehrer müssen daher bis zum 31. August in Quarantäne. Wie die Kreisverwaltung am Dienstag mitteilte, handelt es sich bei dem Infizierten um einen Schüler, der in der vergangenen Woche aus dem Urlaub zurückgekommen war. Er hatte sich am Donnerstag in einer Arztpraxis testen lassen. Das Ergebnis lag wegen „Überlastung der Labore“ allerdings erst am Montagvormittag vor. Gegen Mittag wurde dann die Schulleitung informiert.

          Insgesamt 55.600 Erstklässler werden dieses Jahr in Hessen eingeschult, in der Taunussteiner Sonnenschule werden sich die 28 neuen Schüler sowie ihre Eltern wohl nicht nur wegen der Maskenpflicht ganz besonders an den Tag der Einschulung erinnern. Außer Bouffier waren auch Rheingau-Taunus-Landrat Frank Kilian (parteilos) und der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch in die Aartalhalle gekommen, um mit Eltern und Kindern – maskentragend und auf Abstand bedacht – die Einschulung zu feiern. Der Taunussteiner Bürgermeister Sandro Zehner (CDU) war in einer Doppelfunktion erschienen, denn auch seine Tochter Elena hatte ihren ersten Schultag. „Das wird ein schöner Tag“, sagte Zehner entspannt, auch wenn er es bedauerte, dass nur die Eltern ihre Kinder begleiten durften. Am Taunussteiner Gymnasium müssen die Kinder auch im Unterricht Maske tragen. Für Zehner ist das kein Problem: „Es ist vernünftig, dass die Schulleitung das entscheidet.“ So sah das auch Landrat Kilian. Der Kreis habe derzeit nicht vor, eine generelle Maskenpflicht im Unterricht einzuführen, beobachte das Infektionsgeschehen aber sehr genau.

          Einschulungsfeiern im Freien mit vielen Gästen

          Auch anderswo im Rhein-Main-Gebiet fanden und finden am Dienstag und Mittwoch ungewöhnliche Einschulungsfeiern statt, dank des guten Wetters oft im Freien wie in der Holzhausenschule im Frankfurter Westend. An den fünf Feiern im Innenhof am Dienstagvormittag durften, anders als anderswo, so viele Gäste teilnehmen, wie sich vorher angemeldet hatten. Schulleiterin Josefa Maria Hybner-Kauß sagte: „An so einem Tag muss Oma mit, muss Opa mit, müssen Geschwisterkinder dabei sein.“ Während die neuen Erstklässler jeweils zu zweit auf flachen Holzbänken kauerten und der Geschichte vom Stier Ferdinand lauschen, turnten Geschwister auf den Klettergerüsten zwischen den holzverkleideten Wänden des Neubaus an der Miquelallee herum. Die Schule war im April dorthin umgezogen. Die 1b war um zehn Uhr an der Reihe. Sie heißt auch die „Uno B“, weil sie eine bilinguale Klasse ist. Die 24 Kinder bekommen zwei Klassenlehrinnen: Frau Jutta Kempf und Signora Isa Silvestri. Schüler aus anderen Klassen führten diesmal nichts vor, und Singen war wegen der Pandemie auch nicht möglich. Also erzählten eine Sprechstimme und eine Violine die Geschichte von dem Stier, der lieber Blumen bewundert, als zu kämpfen, und dann wegen eines Hummelstichs für die Arena in Madrid ausgewählt wird. Der Erzähler war Musiklehrer Christoph Gotthardt, Fachberater für kulturelle Bildung am Staatlichen Schulamt; begleitet wurde er von der Geigerin Hagit Halaf.

          Die meisten Kinder trugen nicht nur Masken, sondern während der gesamten Feier auch ihre Ranzen auf dem Rücken. Die abzusetzen wäre erlaubt gewesen, genauso wie auch die Schultüten hätten abgelegt werden dürfen. Aber beides kam für die Kinder offenbar nicht in Frage. Die Eltern saßen auf Klappbänken – oder standen, weil sie so besser filmen konnten. Gleich zur Begrüßung hatte die Schulleiterin den Kindern gesagt: „Jetzt verrate ich euch noch eins: Eure Mamas und Papas sind noch viel aufgeregter als ihr!“

          Am Ende trat jedes Kind durch einen mit Zahlen und Buchstaben geschmückten Bogen – und damit in den neuen Lebensabschnitt ein. Die Kinder meisterten das entspannt, verlegen, scheu oder fröhlich. Als ein Junge mit Fußballerfrisur und Urwald-Schultüte an der Reihe war, gab es besonders viel Jubel. Eine ältere Dame im Publikum sagte wissend zu ihrem Mann: „Italiener!“ Anschließend marschierten die Kinder zur ersten Schulstunde. Die sollte nach den Worten der Schulleiterin beginnen „wie alle Stunden zurzeit: mit Händewaschen“.

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