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Schulpolitik in Hessen : Fast 100 weitere Klassen für Flüchtlingskinder

Sucht Lehrer für Intensivklassen: Kultusminister Alexander Lorz (CDU) Bild: dpa

Das Land Hessen baut die Sprachförderung für junge Flüchtlinge aus. Der Großteil der Minderjährigen ist noch gar nicht in den Schulen angekommen.

          2 Min.

          Das Land Hessen baut die Sprachförderung für schulpflichtige Flüchtlinge aus. Seit Schuljahresbeginn sind an den hessischen Schulen fast 100 zusätzliche Klassen gebildet worden, in denen junge Migranten Deutsch lernen. Um die Familien zu beraten, um die Kinder und Jugendlichen den Schulen zuzuordnen und sie dort zu unterrichten, hat das Land 104 neue Stellen zur Verfügung gestellt. Das teilte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) auf Anfrage mit.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Aufbau der Plätze und der Stellen folgt schrittweise dem wachsenden Bedarf. Die Maßnahmen reichen von Vorlaufkursen, die auf die Einschulung vorbereiten, über die Deutschförderung in Intensivklassen und -kursen bis zum Programm „Integration und Abschluss“ in den Berufsschulen. An den allgemeinbildenden Schulen wuchs die Zahl der Intensivklassen in den vergangenen zwei Monaten von 399 auf 465, an den Berufsschulen stieg die Zahl der Integrationsklassen von 129 auf 160. Dafür hat das Ministerium 94 Lehrerstellen zugewiesen; hinzu kommen zehn Stellen in den für Flüchtlinge zuständigen Aufnahme- und Beratungszentren der Staatlichen Schulämter.

          Kaum noch qualifizierte Lehrkräfte

          Die Zahlen zeigten, was Kultusverwaltung und Schulen für die Integration der jungen Flüchtlinge leisteten, sagte Lorz. Dabei seien die meisten Minderjährigen, die mit ihren Eltern und manchmal auch allein nach Deutschland geflohen seien, noch gar nicht in den Schulen angekommen. Das liegt unter anderem daran, dass Flüchtlinge in Deutschland erst dann schulpflichtig werden, wenn sie den Städten und Kreisen zugewiesen worden sind.

          Lorz deutete an, dass der Aufwand für Deutschförderung und Integration in den nächsten Monaten noch stark steigen werde. Er verwies auf die Ankündigung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), dass der Landtag in den Beratungen über den Haushalt 2016 über weiteres Geld für die Versorgung, Unterbringung und Beschulung von Flüchtlingen entscheiden werde. Auch Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) habe angekündigt, dass im nächsten Jahr eine beträchtliche Zahl von Stellen für diese Aufgaben geschaffen werde.

          Die Lehrerstellen zu besetzen wird allerdings zunehmend schwierig werden, wie Lorz sagte. Bundesweit steige die Nachfrage nach Fachkräften für „Deutsch als Zweitsprache“. Die Hessische Lehrkräfteakademie werden deshalb ein umfangreiches Fort- und Weiterbildungsprogramm auflegen, und das Land werde eine Kampagne ins Leben rufen, um qualifizierte Kräfte für den Schulbetrieb zu gewinnen.

          „Ungeahnte Dimension“

          Der Kultusminister wirbt um Verständnis dafür, dass es wegen der bisher „ungeahnten Dimension des Zustroms an der einen oder anderen Stelle sicherlich auch zu Schwierigkeiten kommen“ werde. Grundsätzlich seien die hessischen Schulen aber gut auf die Situation vorbereitet, auch wegen ihrer jahrelangen Erfahrungen mit der Sprachförderung von Migrantenkindern.

          Lorz dankte den Schulleitungen und Kollegien für deren „Willkommenskultur und Integrationsbereitschaft“. Das Ministerium stelle für die Sachausstattung von Intensivmaßnahmen und Vorlaufkursen zusätzlich 300.000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung. Das Geld werde den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen durch die Staatlichen Schulämter zugewiesen. Bis zu 20 Prozent davon könnten für Fortbildungen in Deutsch als Zweitsprache und bis zu fünf Prozent für Dolmetscher ausgegeben werden.

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