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Schulen : Uniformen und Vereinbarungen sollen Identität stiften

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"Ein Zeichen gegen den Markenterror setzen" wollte vor zwei Jahren der Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Karl Eyerkaufer (SPD), weshalb er mit viel Aplomb für Schuluniformen warb. An der Kreisrealschule in Bad Orb wurde die Idee diskutiert, mit Begeisterung und Energie, wie Schulleiterin Ute Lehmann sagt. "Und dann haben wir uns doch dagegen entschieden." Viele Nachmittage und Elternabende lang sei über die Einheitskleidung gesprochen worden - sollen alle sie tragen oder nur ein Jahrgang? Wie soll sie aussehen? Was darf sie kosten? Am Ende, so Lehmann, "wäre das, was allen gefallen hätte, so teuer gekommen, daß mit der Anschaffung der Sinn des Ganzen verfehlt worden wäre". Angefangen Schulkleidung zu tragen und bald wieder damit aufgehört haben vor zwei Jahren eine zehnte Klasse der Albrecht-Dürer-Realschule in Wiesbaden und eine sechste Klasse des Elly-Heuss-Gymnasiums. "Schulkleidung bleibt halt etwas Äußerliches", sagt Helmut Deckert, "für viele ist der Reiz des Neuen dann schnell weg." Deckert hält Schulordnungen, in denen Verhaltensnormen festgelegt sind, für geeigneter als Uniformen, ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen.

Korpsgeist und Verantwortungsbewußtsein - hier aber vor allem der Eltern - sollen auch die sogenannten Erziehungsverträge wecken. In einer "Wiesbadener Erklärung" haben Kultusministerin und Landeselternbeirat, ebenfalls 2001, dafür plädiert, daß bis 2006 an allen hessischen Schulen solche Verträge formuliert werden. Eltern sollen sich unter anderem verpflichten, sich um die schulischen Belange ihrer Kinder und deren körperliches und seelisches Wohl zu kümmern.

Weil das manchem stark nach verordneter Regulierung von Familienangelegenheiten riecht, ist das Erziehungsvertragsmodell, obwohl in Hessen noch kaum über das Stadium der Ankündigung hinaus, oft kritisiert worden, am schärfsten von der Vorsitzenden des Bundeselternbeirats Renate Hendricks. Karin Wolff, die scheidende Präsidentin der Kultusministerkonferenz, will am 3.Dezember bei einer Veranstaltung in Bonn noch einmal laut für die Erziehungsverträge werben. Hendricks bekräftigt im Gespräch mit dieser Zeitung ihre Skepsis. "Solche Verträge sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind, sie sind ja nicht einklagbar", sagt sie. Selbst für Brennpunkt-Schulen, die häufig unter mangelndem Interesse der Eltern am Schulgeschehen litten, seien "vorgefertige Papiere" wenig sinnvoll, wenn nicht gleichzeitig in die Elternarbeit investiert werde, meint sie. "Man kann nicht die Landschaft mit Verträgen zupflastern und meinen, jetzt ist das Problem gelöst." Jacqueline Vogt

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