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Schulen in Offenbach : Digitale Aufholjagd

Digitalisierung der Schulen in Offenbach: Es sind bei weitem nicht alle Schüler zufrieden (Symbolbild). Bild: dpa

Auf den ersten Blick scheint Offenbach in Sachen Digitalisierung der Schulen weit vorne zu liegen. Doch im Austausch mit den Schülern zeichnet sich häufig ein anderes Bild ab.

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          Es ist erfreulich, dass gerade Offenbach in der Frage der Digitalisierung der Schulen zumindest im nationalen Vergleich recht weit vorne zu liegen scheint. Und es ist ebenso erfreulich, dass die Stadt und der Kreis auf ein Medienzentrum zurückgreifen können, das offensichtlich mit großem Engagement und einem umfassenden Angebot Lehrerinnen und Lehrern hilft, sich in Fragen eines digitalbasierten Unterrichts weiterzubilden. Die Covid-19-Pandemie und die daraus folgenden Schulschließungen haben gezeigt, wie wichtig es im Ernstfall ist, dass Schulen und Lehrkräfte in der Lage sind, eine professionelle Wissensvermittlung auf digitaler Basis zu betreiben.

          Doch im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern aus Offenbach ergibt sich ein durchwachsenes – freilich nicht repräsentatives – Bild der Praxis. Von einzelnen Lehrern ist die Rede, die die Schüler mit viel Engagement online unterstützen. Mindestens ebenso häufig berichten Jugendliche aber von Aufgaben, die sie ohne jede Begleitung und Hilfestellung per Mail bekommen haben und nun irgendwie lösen sollen.

          Scheinbar keine Einzelfälle

          Wie gesagt, das ist nicht repräsentativ und gewiss auch kein auf Offenbach beschränktes Problem. Außergewöhnliche Einzelfälle scheinen es aber auch nicht zu sein: Experten wie der Psychologe und Direktor des Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel, Olaf Köller, warnen, dass die Zeit geschlossener Schulen in Deutschland womöglich erhebliche Lernrückstände verursacht hat, weil Deutschland eben nicht wie etwa Dänemark seine Schulen schon vor Jahren konsequent digitalisierte.

          Auch die Unternehmensberatung McKinsey diagnostiziert einen fatalen digitalen Rückstand in den Schulen und sieht vor allem Schüler aus Familien mit wenig Geld in der Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Die Berichte der Schüler und die Urteile der Experten deuten eher auf ein systematisches Versagen in Sachen Digitalisierung hin. Posten zu besetzen reicht nicht. Man muss im Interesse der Kinder und Jugendlichen in Offenbach und anderswo hoffen, das die Bildungspolitiker in Hessen und im Bund – auch durch die Covid-19-Krise – endlich den Schuss gehört haben. Denn auch noch so engagierte Kommunen können aus eigener Kraft nicht auf die Schnelle richten, was das politische Personal auf anderen Ebenen seit Jahren versäumt hat.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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