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Schulen : Bald Fortbildungspflicht und Turbo-Abitur

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"Wir bohren hier dicke und harte Bretter zugleich." Mit diesem Satz haben Kultusministerin Karin Wolff und Wissenschaftsminister Udo Corts (beide CDU) ihr Vorhaben zusammengefaßt, als sie am Dienstag ...

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          "Wir bohren hier dicke und harte Bretter zugleich." Mit diesem Satz haben Kultusministerin Karin Wolff und Wissenschaftsminister Udo Corts (beide CDU) ihr Vorhaben zusammengefaßt, als sie am Dienstag in Wiesbaden ihre gemeinsamen Gesetzespläne vorstellten: Vorgenommen haben sie sich eine Neuordnung der Lehrerausbildung und eine Verbesserung der Unterrichtsqualität an den Schulen des Landes. Die Opposition hat den Gesetzentwurf in Teilen kritisch bewertet.

          Die von Corts und Wolff beabsichtigte Qualitätsverbesserung des Unterrichts soll es ermöglichen, die Schulzeit bis zum Abitur von derzeit 13 auf zwölf Jahre zu verkürzen, und zwar in zwei Etappen 2005 und 2006. Die Reform der Lehrerausbildung steht unter der Devise: Mehr und früherer Praxisbezug. Durch Änderungen des Schulgesetzes und des Hochschulgesetzes soll sichergestellt werden, daß sich nicht nur das Lehramtsstudium und das anschließende Referendariat, sondern auch die berufsbegleitende Weiterbildung stärker an den Bedürfnissen der Schüler und der Schulen orientiert. Damit dies auch wirklich geschieht, wird der Staat in Zukunft klar festlegen, was im Studium, im Referendariat und in der Fortbildung zu bewältigen ist. In Kraft treten sollen die Gesetzesnovellierungen am 1. Januar 2005.

          Wie schwierig eine Reform der Lehrerausbildung ist, zeigte sich für Corts und Wolff schon dadurch, daß sie es nicht schafften, ihren Terminplan einzuhalten und bereits im Sommer 2003 die entsprechenden Gesetze vorzulegen. Die Universitäten legten sich bei dem ursprünglichen Vorhaben, eigene Fachbereiche für die Lehrerausbildung zu schaffen, quer, die Kontroverse verzögerte das Projekt. Ministerin Wolff räumte am Dienstag ein, daß die ursprünglich geplanten Fachbereiche wohl auch zu groß geworden wären. Jetzt soll das Studium eine "modulare Struktur" erhalten: Elemente der Fachwissenschaft werden mit Didaktik und Erziehungswissenschaft kombiniert. Künftig reicht es nicht mehr, "im Studium einfach Scheine aufzuhäufen und sich damit irgendwann zur Prüfung anzumelden", sagte Wolff.

          Zur Verbindung von Berufsorientierung und Fachwissenschaft gehören auch vier Praktika, darunter ein erstes vierwöchiges "Orientierungspraktikum" nach Möglichkeit schon vor dem ersten Semester, damit Lehramtsstudenten rasch feststellen, ob der Lehrerberuf für sie überhaupt das Richtige ist. Um sicherzustellen, daß das Lehramtsstudium sich mehr an der späteren Berufspraxis orientiert, sollen die bestehenden "Zentren der Lehrerbildung" an den Universitäten mehr Einfluß erhalten, zum Beispiel bei der Berufung von Professoren und bei der Reform der Studiengänge. Auch die zweite Phase der Lehrerbildung, das Referendariat, wird in einzelne Module gegliedert und an Standards, also an festgelegten Leistungsanforderungen, ausgerichtet.

          Mit der Änderung des Schulgesetzes werden die rechtlichen Voraussetzungen für die geplante Verkürzung der Gymnasialschulzeit geschaffen. Die Kultusministerin versicherte, daß dies keinen Qualitätsverlust bedeuten werde. Durch Aufstockung der Unterrichtsstunden in der Grundschule und in der Sekundarstufe I bleibt nach ihrer Darstellung die Anzahl der Unterrichtsstunden bis zum Abitur "vergleichbar". Auch die Anschlußfähigkeit bleibe erhalten: Befähigte Schüler von Realschulen und Gesamtschulen mit guten Leistungen könnten nach wie vor in die dreijährige gymnasiale Oberstufe wechseln. Die Einführung des "Landesabiturs", das aus schulspezifischen und landeseinheitlichen Prüfungselementen bestehen soll, ist für das Schuljahr 2005/2006 vorgesehen. In diesen Zusammenhang gehört ein neues "Institut für Qualitätsentwicklung", das sich mit den landeseinheitlichen Abschlußprüfungen und Vergleichsarbeiten befaßt. Aufgelöst wird dafür das bestehende Hessische Landesinstitut für Pädagogik.

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