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Schulalltag für Lehramtsstudenten : Immer Ärger mit Kevin

Auf dem heißen Stuhl: Eine Studentin erlebt im Planspiel, wie es sich anfühlt, Lehrerin zu sein. Bild: Kaufhold, Marcus

Im Psychologischen Institut der Uni Mainz spielen Lehramtsstudenten Situationen aus dem Schulalltag nach. Das soll ihnen helfen, ihre eigenen Gefühle besser zu kontrollieren.

          Dicke Luft in Klasse 8b. Die größte Nervensäge heißt natürlich Kevin. Er streitet heftig mit dem arroganten Martin herum, was die Mitschüler zu ebenso lautem Protest herausfordert: „Hier kann man ja keinen Unterricht machen!“ So sieht das auch Herr Schulz, der Bio-Lehrer. Eigentlich wollte er an diesem Morgen den Ursprung des Lebens durchnehmen, doch er wird ständig von Zankereien unterbrochen. Schließlich ist die Stunde vorbei und Herr Schulz schwer beleidigt. „Schade, dass wir so wenig gelernt haben. Aber einige Unbelehrbare halten es ja für angebracht, den Unterricht zu stören!“ Bevor noch jemand antworten kann, hat der frustrierte Studienrat schon den Raum verlassen.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Susanna Türk steht auf und öffnet das Fenster. Gäbe es diese anstrengende 8b wirklich und wäre das Klassenzimmer tatsächlich ein Klassenzimmer und kein Seminarraum im Psychologischen Institut der Uni Mainz, es brauchte mehr als einen Stoß Sauerstoff, um für Spannungsabbau zu sorgen. Hier aber kann man sicher sein, dass sich Kevin, Martin und Herr Schulz bald wieder gut vertragen werden. Alle drei sind Lehramtsstudenten, ebenso wie die restlichen „Schüler“ und „Lehrer“, die sich an diesem Morgen zum „Planspiel Schulalltag“ getroffen haben. Türk und ihre Kolleginnen vom Institut verfolgen als Gastgeber und Beobachter, wie die angehenden Pädagogen zu Ausbildungszwecken großes Unterrichts-Theater aufführen.

          Unterschiedliche Lehrertypen

          Die Regisseurin ist dazu eigens aus Bamberg angereist. An der dortigen Universität befasst sich Ulrike Starker mit empirischer Bildungsforschung. Zusammen mit ihren Studenten hat sie das Planspiel entwickelt, das den Lehramts-Anwärtern eine neue Möglichkeit bieten soll, ihr Verhalten im Umgang mit Schülern zu reflektieren. Wie wichtig es ist, dass Lehrer lernen, mit den emotionalen Seiten ihres Berufs klarzukommen, weiß Psychologin Türk: Einer Studie zufolge erkranke jeder dritte Pädagoge am Burnout-Syndrom. Das hänge wohl auch damit zusammen, dass viele die Anforderungen des Berufs unterschätzten. „Die denken an ihre eigene Schulzeit und glauben, an der Tafel stehen und ein bisschen was erzählen, das kann ich auch.“ Was passiert, wenn die Schüler den Mann oder die Frau an der Tafel ihren vermeintlich so einfachen Job nicht reibungslos erledigen lassen, soll die Simulation zeigen. Alle Mitspieler haben Rollen zugeteilt bekommen, die auf einem Zettel mit wenigen Sätzen skizziert sind. Es gibt den Streber, den Klassenclown, das krawallsuchende Unterschichtkind und andere Charaktere, die zwar etwas schablonenhaft, aber nach Starkers Worten ohne allzu große Übertreibung gezeichnet sind.

          Auch den Lehrer-Darstellern werden bestimmte Eigenschaften zugeordnet. Da ist zum Beispiel Herr Emminger, der Chemie unterrichtet. Er hat noch sieben Jahre bis zum Ruhestand, kennt seinen Stoff aus dem Effeff und kann hart durchgreifen, wenn es sein muss. In Wirklichkeit heißt Herr Emminger Robert Fritzschl, er studiert im vierten Semester Deutsch und Geschichte und hat von Chemie wenig Ahnung. Trotzdem muss er seiner „Klasse“ nun ohne große Vorbereitung etwas beibringen - schon das ist eine Herausforderung, wie Fritzschl findet. Bei seinen Schüler-Kommilitonen für die nötige Disziplin zu sorgen, sei ihm dagegen nicht so schwergefallen, sagt er nach der ersten Stunde: „Das war ein ganz angenehmes Arbeiten.“

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