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Schönheitschirurg : Der Körperformer

  • -Aktualisiert am

Gerne draußen, wenn er nicht im Operationssaal steht: Gerhard Sattler Bild: Eilmes, Wolfgang

Er ist selbst nicht eitel, aber die Eitelkeit ist sein Geschäft. Gerhard Sattler betreibt eine private Klinik für ästhetische Medizin. Er sieht sein Haus vor allem als Unternehmen und sein Gewerbe als Dienstleistung.

          Es zählen vor allem die inneren Werte. Das sagt man sich so vor einem Treffen mit Gerhard Sattler. Sie zählen nicht mehr ganz so viel wie gerade eben noch, denkt man, wenn man dem Chef der Rosenpark-Klinik in Darmstadt dann gegenübersitzt. Das Spezialgebiet des 57 Jahre alten Mediziners und seiner Mitarbeiter ist die „Optimierung der Körpersilhouette“ und Anverwandtes von Faltenglättung bis zur neuen Nase. Sattler ist nicht der einzigen Arzt in der Region mit diesem Arbeitsschwerpunkt. Aber er ist der bekannteste, spätestens seit die Klinik ihre Operationsräume dem Fernsehen geöffnet hat. Sattler ist höflich und ein guter Redner, gerne wird er in Zeitschriften zitiert, wenn es um das Für und Wider ästhetischer Eingriffe geht.

          Was sieht so ein Mann wohl in einem, wenn man ihm gegenübersitzt? Lauter Katastrophengebiete? Handlungsbedarf? Solche Gedanken legen sich, wenn man mit dem gebürtigen Darmstädter ins Gespräch kommt und dabei den Eindruck gewinnt, dass vor allem eines der Überarbeitung bedarf: das Klischee vom Schönheits-Chirurgen, der ein mit Botox & Co bewaffneter Steigbügelhalter für die Diktatur der Oberfläche ist.

          Bescheidenheit hat bei den Sattlers Tradition

          Sattler selbst ist nicht eitel, eine gewisse Bescheidenheit hat Familientradition. „Mein Vater war Handelsvertreter und der zweite Mann meiner Mutter. Der erste war noch in den letzten Kriegstagen gefallen. Aus dieser Ehe stammt mein älterer Halbbruder.“ Sein Vater sei mit Leib und Seele Dienstleister gewesen, sagt der Sohn. „Da liegen meine Wurzeln.“ Was er in der Klinik anbiete, sei ja auch Dienstleistung. Seiner Mutter verdanke er, sagt der Nachtmensch, der oft bis tief in den Abend hinein arbeitet, die Energie und das, was seine Frau Sonja als Kümmerer-Instinkt bezeichne.

          Mit 15 Jahren gründet der Gymnasiast Gerhard Sattler mit Freunden die Band „Pacific 231“, benannt nach einer legendären Lokomotive. Sattler spielt damals Bass-gitarre. Noch vor seiner Führerscheinprüfung ersteigert er für eine Tournee der Band einen alten Postbus, für 350 Mark. „Das waren bewegte Jahre. Eine wirklich gute Zeit.“ Medizin steht noch längst nicht auf seinem Lebensplan. Bis er im Alter von 18 Jahren schwer an Krebs erkrankt und eine nach heutigen Maßstäben wohl deutlich überdimensionierte Strahlentherapie über sich ergehen lassen muss. Ebenso drei Jahre später, als es gilt, ein Rezidiv zu bekämpfen.

          „Wenn ein Thema Relevanz besitzt, dann ist es die Medizin“

          In dieser schweren Zeit, sagt Sattler, sei ihm sehr bewusst geworden, wie kurz das Leben sein kann und wie wichtig es sei, jeden Moment zu genießen. „Ohne das wäre mein Leben sicher ganz anders verlaufen.“ Durch seine Erkrankung habe er nämlich auch die Erfahrung gemacht: „Wenn ein Thema Relevanz besitzt, dann ist es die Medizin.“ Wer sich in ihr auskenne, habe „einfach einen besseren Einblick“, könne auch „seiner Familie schneller helfen“.

          Das Studienfach war also klar, das Geld für die Ausbildung verdiente Sattler in den Semesterferien, als Techniker bei getanzten Modenschauen, die wie ein Tourneetheater durch Deutschland tingelten. Die Studienjahre, sagt er, hätten „aus 365 Arbeitstagen“ bestanden. „Wenn die Semesterferien begannen, haben die Tourneen angefangen, wenn sie aufhörten, ging das Studium wieder los.“ Aber finanziell geht es ihm dadurch zu der Zeit schon gut, und bei einer der Shows lernt er seine erste Frau kennen, eine Australierin.

          Sattler gehört zu einer seltenen Spezies Mann

          Das Paar bekommt zwei Söhne, trennt sich. Sattlers Privatleben ist turbulent. Er beginnt eine weitere Beziehung, wird noch einmal Vater, ehe er 1993 seiner jetzigen Frau Sonja - damals Rosenkranz - begegnet. Die Umstände, sagt er, waren nicht ideal. „Ich war noch verheiratet, hatte Kinder und steckte in einer neuen, sehr schwierigen Partnerschaft. Sonja war Medizinerin in Ausbildung, und ich war ihr Oberarzt.“ Viele innere Konflikte habe er durchlebt, „aber ich wusste auch, dass es wirklich um mich geschehen war.“

          Ein Gefühl, das bald auf sehr viel Gegenliebe stößt. Und nicht nur, weil Sattler zu einer seltenen Spezies Mann gehört: Er geht liebend gern shoppen, auch mit seiner Frau. Er findet, dass im Schrank nie genug schöne Kleidung hängen, hält Jimmy Choo nicht für einen asiatischen Kampfsport, er kocht gerne und liebt gutes und gesundes Essen.

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