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Allergiesaison 2014 : Schniefen, Niesen, Weinen

  • -Aktualisiert am

Dieses Jahr früh dran: blühende Birke Bild: dpa

Der Winter war mild, die Birken blühen besonders stark – keine guten Nachrichten für Pollenallergiker.

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          Ob in der S-Bahn oder im Büro, im Ausflugslokal oder im Theater – lautes Schneuzen, Niesen und tränende Augen sind allgegenwärtig. Pollenallergiker, deren Immunsystem sich besonders gegen die Frühblüher wehrt, leiden aktuell massiv.

          Dass es den Heuschnupfenpatienten dieses Jahr besonders schlecht gehe, habe vermutlich zwei Gründe, sagt Wolfgang Pfützner, Dermatologe am Universitätsklinikum Marburg und Sprecher des Allergie-Zentrums Hessen. Zum einen sei der milde Winter dafür verantwortlich, dass der Pollenflug früher als sonst begonnen habe. Zum anderen blühten die Birken intensiver als in den vergangenen zwei Jahren.

          Prick-Test zur Diagnose

          Auf dem Dach der Hautklinik des Marburger Universitätsklinikums werde in einer kleinen Station der Pollenflug registriert. Binnen weniger Tage habe sich dort Mitte März die Zahl der Birkenpollen um einen hohen Wert vervielfacht. Leidet ein Patient unter typischen Heuschnupfensymptomen, greifen Mediziner auf verschiedene Tests zurück, um die Allergie zu diagnostizieren. Für den verbreiteten Prick-Test werden Lösungen mit häufig allergieauslösenden Stoffen auf den Arm getropft. Danach wird die Haut oberflächlich eingeritzt, damit die Allergene in die Haut gelangen können. Bilden sich Rötungen oder kleine Quaddeln, steckt vermutlich eine Allergie dahinter.

          In mehr als 90Prozent der Fälle reicht der Prick-Test zur Diagnose schon aus, wie Pfützner sagt. Manche Heuschnupfen-Patienten haben aber eine lokale Allergie, bei ihnen reagiert nur die Nasenschleimhaut auf die Pollen. Da sich die lokale Allergie mit dem Prick-Test nicht nachweisen lässt, verordnen die Mediziner in Verdachtsfällen einen „Nasalen Provokationstest“. Dabei wird das Allergen direkt auf die Nasenschleimhaut aufgebracht und die Reaktion beobachtet.

          Jeder fünfte Deutsche leidet nach Pfützners Angaben unter Heuschnupfen, aber nur wenige Pollenallergiker haben fast das ganze Jahr über Symptome. Von Ende Februar bis Ende April lösen Frühblüher wie die Birke allergische Reaktionen aus. Von Mai bis Juli sind mit den Gräserpollen die Mittelblüher in der Luft. Zum Saisonende ist der Beifuß unterwegs. Die ursprünglich aus Amerika stammende Ambrosia-Pflanze, ebenfalls ein Spätblüher und von Allergikern gefürchtet, sei in Deutschland zwar schon vorhanden, habe aber noch keine klinische Relevanz, sagt Pfützner.

          Um den Heuschnupfen langfristig zu bekämpfen, kann der Patient sich einer dreijährigen Immuntherapie unterziehen. Der Aufwand lohne sich, rund 75 Prozent der Patienten profitierten von der Behandlung, deren Kosten die Krankenkassen übernehme, sagt der Oberarzt. Außerdem empfehle er Nasensprays mit einer Wirkstoffkombination aus einem Antihistaminikum und Cortison. Das Cortison werde damit nur lokal angewendet – ein Vorteil gegenüber Cortisonspritzen.

          Kein Spaß

          Der Offenbacher Apotheker Hans Rudolf Diefenbach verkauft aktuell viele Antihistaminika an Allergiker aller Altersgruppen. Die Präparate unterdrücken Abwehrreaktionen des Körpers wie das Niesen und die Schniefnase. Weil sie je nach Stoffwechsel recht müde machen, empfiehlt er die Einnahme am Abend, wie der stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbands weiter sagt. Außerdem soll der Heuschnupfen-Patient für eine gute Befeuchtung der Nasenschleimhäute sorgen, dafür gibt es spezielle Nasensprays. Auch eine regelmäßige Nasendusche sei hilfreich, sagt Diefenbach.

          In seine Apotheke kommen viele Heuschnupfen-Patienten ohne Rezept, manche sind wegen der Allergie noch nie beim Arzt gewesen, wie er festgestellt hat. Er versuche dann zwar, akut zu helfen, rate dem Kunden aber, noch einen Arzt aufzusuchen: „Mit dem Heuschnupfen ist schließlich nicht zu spaßen. Wenn er nicht richtig behandelt wird, kann er zu asthmatischen Erkrankungen führen.“

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