https://www.faz.net/-gzg-81ftu

Schnelles Internet für Firmen : Noch ein paar Online-Baustellen

Untergrundbahnen: Ist in einen Kanaldeckel ein solches Schild eingelassen, befinden sich darunter Glasfaserstränge, in diesem Fall vom Netzbetreiber Colt. Bild: Wolfgang Eilmes

In den Gewerbegebieten der Internethauptstadt Frankfurt sind schnelle Online-Zugänge schon grundsätzlich verfügbar, wie die IHK ermittelt hat. Das freut die Stadt. Doch hat die digitale Wirtschaft noch Wünsche an die Stadtverwaltung.

          3 Min.

          Ein Unternehmen braucht einen Internetanschluss. Ob es Waren handelt oder Produkte herstellt. Ohne eigene Homepage ist eine Firma im modernen Wirtschaftsleben fast nicht existent, das zeigen Aussagen selbst aus Branchen wie den Autozulieferern, die vom Endkunden weit entfernt sind. Bevor ein potentieller Kunde zum Telefonhörer greife, schaue er sich die Internetseite desjenigen an, für dessen Angebot er sich interessiere, heißt es. Allerdings kommt es mittlerweile nicht mehr nur auf das Ob an, sondern auch auf das Wie. Auch für Frankfurt stellt sich die Frage: Steht allen Gewerbebetrieben schnelles Internet zur Verfügung, also 50 Megabit je Sekunde, so wie es die Bundesregierung in einer Anzeigenkampagne als Ziel ausgibt? Oder muss in der einen oder anderen Firma noch eine Gedenkminute einlegen, wer online ein Datenblatt oder eine Grafik einsehen will?

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die IHK Frankfurt und die Handwerkskammer Rhein-Main sind diesen Fragen nachgegangen. Ihre Umfrage förderte zutage, dass nur etwa 30 Unternehmen in Frankfurt sich unterversorgt fühlten, also ein Bruchteil der Firmen in der Stadt. In einem weiteren Schritt hat die IHK Anbieter von Telekommunikationsdiensten befragt und ist zum Ergebnis gekommen: „Unternehmen können in den meisten Gewerbegebieten der Stadt Glasfaser-Anschlüsse ohne zusätzliche Kosten bekommen.“ Das sagt IHK-Präsident Mathias Müller.

          Kaum weiße Flecken im Gewerbegebiet

          In verschiedenen Dezernaten der Stadtverwaltung freut man über diese Aussage und sieht die eigene Politik bestätigt. Netzbetreiber und der Verein Digital Hub, der die digitale Wirtschaft in Stadt und Region vertritt, sehen gleichwohl noch Verbesserungsbedarf. Das Angebot an Zugängen zum schnellem Internet ist über die Bedeutung für die Betriebe hinaus für den Standort Frankfurt auch symbolisch wichtig. Darf sich die Stadt doch nicht zuletzt dank des Internetknotens De-Cix und der nach wie vor rasch wachsenden Branche der Rechenzentrums-Betreiber als Europas Internethauptstadt feiern lassen. Als Grundlage gilt der auf einen Vorstoß der Stadt in den neunziger Jahren zurückgehende Ausbau der Glasfaserkabel, die Daten per Licht-Impulsen von einem Computer zum anderen weiterleiten. Mehr als 6000 Kilometer Glasfaserkabel und Strecken mit Leerrohren, die mit Glasfasern gefüllt werden können, liegen nach Angaben der Industrie- und Handelskammer im Boden der Stadt. Das Stromleitungsnetz ist 2000 Kilometer länger, das Gasleitungsnetz 1600 Kilometer kürzer.

          Doch steckt der Teufel bekanntlich im Detail. Auf das Internet übertragen stellt sich etwa die Frage, wie viele weiße Flecken es auf der Stadtkarte mit schnellen Internetanschlüssen für Gewerbegebiete noch gibt. Nach Erkenntnissen der IHK sind es nicht mehr allzu viele. Die meisten Standorte von Unternehmen sind demnach schon mit schnellem Internet versorgt, andere liegen nicht weit entfernt von Glasfasersträngen, das sind vergleichbar leistungsfähige Angebote der Kabelfernsehbetreiber oder Leerrohren. Sie könnten bei Bedarf rasch angeschlossen werden. Laut IHK ist dabei besonders vorteilhaft, dass einige Netzanbieter für die Erschließungskosten selbst aufkämen und die Kunden nur in geringem Umfang oder gar nicht heranzögen.

          Stadt sieht Entwicklung positiv

          Allerdings haben schnelle Zugänge ins Internet durchaus ihren Preis: Je höher die gebuchte Datenübertragungsrate ist, desto mehr muss der Kunde zahlen. Das gilt für Privatleute wie für Betriebe. Für kleinere und mittlere Unternehmen halten aber manche Anbieter laut IHK schon Standardangebote vor. Frankfurts Reform-Dezernent Jan Schneider (CDU) ist froh, dass der privatwirtschaftliche Ausbau des Glasfasernetzes so weit vorangeschritten sei, da schnelle Online-Verbindungen für Unternehmen unverzichtbar seien. Das Dezernat prüft dessen ungeachtet die Prozesse von Genehmigungsverfahren dahingehend, ob sie beschleunigt werden können, wie ein Sprecher ergänzt.

          Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) sieht in dem IHK-Vorstoß einen konstruktiven Beitrag zum Masterplan Industrie, den der Magistrat im Spätsommer vorlegen will. Dieser Masterplan werde auch die Übertragungsgeschwindigkeiten ausweisen, kündigt Frank an. Laut Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) erkennt die Stadt das Potential der digitalen Entwicklung der Wirtschaft an. Außerdem ermögliche sie Betrieben in Gewerbegebieten Glasfaseranschlüsse mit der gebotenen Priorität.

          50 Megabit je Sekunde sollen die Glasfaserstränge an Übertragungsraten möglich machen.

          Amsterdam als Vorbild angesehen

          Dies nimmt die digitale Wirtschaft gerne zur Kenntnis, doch formuliert etwa der Digital Hub noch weitergehende Wünsche. Schon im vergangenen Juli ist der Vereinsvorsitzende Bernhard Pussel mit der Aussage an die Öffentlichkeit gegangen, in Amsterdam brauche ein Netzbetreiber keine Genehmigung mehr, wenn er den Boden aufgraben, also etwa Glasfaserkabel verlegen wolle. Diese unbürokratische Vorgehensweise sei ein Grund, weshalb die digitale Wirtschaft in Amsterdam mittlerweile noch rascher wachse als am Main. Pussel weiß, wovon er spricht, arbeitet er doch hauptberuflich in leitender Position für den Netzbetreiber Colt in Frankfurt. Andere Stimmen aus der digitalen Wirtschaft meinen, die Stadt sonne sich noch zu sehr in ihren Leistungen zum Aufbau des Glasfasernetzes vor der Jahrtausendwende.

          In der Stadtverwaltung wird allerdings bisher nicht darüber diskutiert, Netzbetreiber ohne Genehmigung graben zu lassen, wie der Sprecher von Reform-Dezernent Schneider sagt. Im Verkehrsdezernat heißt es dazu, ohne eine Genehmigung gehe es schon angesichts der regen Bautätigkeit nicht. Die Stadt müsse den Überblick behalten. Zumal es sonst passieren könnte, dass eine Firma beim Verlegen von Glasfasern die Kabel anderer Unternehmen beschädige. Es sei aber unzweifelhaft der Wille vorhanden, Genehmigungen schneller zu erteilen; dazu baue man auch Personal auf. Dafür brauche die Stadt aber genaue Angaben. Aber nicht jeder Antragssteller liefert, wie es weiter heißt, auch umgehend entsprechend präzise Vorlagen.

          Weitere Themen

          Börsenglocke zum Geburtstag Video-Seite öffnen

          F.A.Z. wird 70 : Börsenglocke zum Geburtstag

          Nein, die F.A.Z. geht nicht an die Börse. Dass Werner D'Inka, seine Mit-Herausgeber und die Geschäftsführer die Eröffnungsglocke auf dem Frankfurter Parkett läuten durften, war ein Geschenk der Deutschen Börse zum 70. Geburtstag.

          Topmeldungen

          Der umstrittene Tesla-Gründer Elon Musk am Dienstagabend in Berlin, als er überraschend zur Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ auftauchte.

          Auch Design und Entwicklung : Musk verspricht Berlin eine Tesla-Fabrik

          Jetzt ist es raus: Elon Musk wird seine nächste „Gigafactory“ nahe Berlin bauen. Mehr Details ließ er sich nicht entlocken. Fest steht, dass dort nicht nur produziert, sondern auch entwickelt und entworfen wird.

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.