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Schnapsbrenner Arno Dirker : Nase, Gaumen, Hirn

Hat in 30 Jahren einen Betrieb mit 14 Mitarbeiter aufgebaut: Dirker vor seiner Destille. Bild: Rainer Wohlfahrt

Geruch und Geschmack in einem einzigen intensiven Moment: Edelbrenner Arno Dirker bringt Obst, Nüsse und Kräuter in Flaschen.

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          Falls der liebe Gott Orte sucht, an die er Menschen schicken kann, um ihnen in die Nase steigen zu lassen, was die Schöpfung für Köstlichkeiten bereithält, und wenn er dabei ein Auge zudrücken wollte, weil diese Köstlichkeiten schon ein wenig bearbeitet worden sind, in Mömbris wäre so ein Ort. Auf einem Hof, auf dem die Luft geschwängert ist von Kräuterduft und dem Geruch nach Früchten. Wo einer maischt, einlegt, kocht, destilliert, in Fässern lagert und später abfüllt, was immer ihm dazu geeignet scheint, von der Hermann-Birne bis zur Tahiti-Limette, von der Mirabelle bis zu Kümmel und Dill, vom Jona-Gold-Apfel bis zum Zitronenthymian. Es wäre die Brennerei von Arno Dirker mit ihrem kupfernen Destilliergerät, das in einem der vielen Gebäude auf dem Grundstück verborgen ist und aussieht wie ein großer, spitzer Zauberhut.

          Jacqueline Vogt
          Ressortleiterin der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Im Hofladen mit seiner Probiertheke sind die Wände aprikosenfarben und die Holzregale, in denen die Flaschen stehen, in einem dunklen Meerblau gestrichen. Dirker greift nach einem Himbeergeist. Als er die helle Flüssigkeit langsam in ein Glas laufen lässt, läutet eine Glocke. Die Kapelle, in der sie hängt, steht auf dem Hof. 2009 hat Dirker sie bauen lassen. Dass er das tun werde, hatte er sich Jahre vorher selbst versprochen für den Fall, dass er siegreich aus einem Streit hervorgehe, in dessen Verlauf sein Name zuletzt den Ministerpräsidenten in Hessen und Bayern gut bekannt wurde.

          Die Liste der Destillate wächst und wächst

          Es ist das Jahr 1986, als Arno Dirker bei einem Freund zum ersten Mal Zwetschgen von der elterlichen Obstwiese brennt. Für Dirker, einen Schreiner, ist das der Einstieg in einen neuen Beruf und der Auftakt zu einer neuen Ausrichtung des elterlichen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetriebs. Die Familie baut Früchte an, tut das auch weiterhin, vermarktet sie jetzt aber nicht mehr als Tafelobst.

          Was auf den Wiesen der Dirkers wächst, verarbeitet der Sohn nun, ob es Äpfel sind oder Kirschen, ob es Brombeeren sind oder Birnen. Er fährt auf Messen, gewinnt Auszeichnungen. Er bietet Quittenbrand an und Schattenmorellenwasser. Ein paar Jahre nach der Gründung seiner Brennerei umfasst das Angebot 50 Brände und zehn verschiedene Geiste, Destillate aus Früchten und Pflanzen mit gar keinem oder wenig Zucker, die zunächst in Fremdalkohol eingelegt werden, damit sie Geschmack abgeben. Heute, drei Jahrzehnte nach seinem ersten Selbstgebrannten, bietet er 140 Spirituosen aus Obst und Kräutern an, er macht außerdem Likör und Fruchtschaumweine und Gin und Whisky und neuerdings, nach einer Jamaika-Reise, stellt er auch Rum her.

          Noch auf dem Feld direkt in den Alkohol

          Zur Brennerei gehören jetzt 140 Hektar Obstwiesen. Der Betrieb, in dem jedes Jahr rund 60.000 Flaschen abgefüllt werden und von Hand verkorkt, braucht große Mengen Früchte, die größtenteils gewaschen und in der Passiermaschine zerkleinert werden, bevor sie unter Zusatz von Hefe zu gären beginnen. „Von 1000 Kilogramm Birnen bleiben, wenn sie passiert sind, 45 Kilogramm Abfall“, sagt Dirker. Von 4000 Kilogramm Aprikosen bleibt aber nicht die vierfache Menge übrig, sondern es entstehen 500 Kilogramm Abfall, der Steine wegen.

          Nicht alles, was er verarbeitet, baut Dirker selbst an. Himbeeren zum Beispiel, kauft er zu. Dann lässt er einen Lkw mit blauen Plastiktonnen beladen, in denen jeweils 20 Liter reiner Trinkbranntwein mit einem Alkoholgehalt von 96 Volumenprozent sind. Der Lkw fährt zu einem Obstbauern, der befüllt jedes Fass mit 80 Kilogramm frisch gepflückter Beeren. Würden sie verladen und nicht abgeholt, „wäre der Aromenverlust zu groß“, sagt Dirker.

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