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Idyll im Taunus : Urlaub in der Parallelwelt auf der Höhe

Taunus-Idyll: Rund um Schmitten zeigt sich das Mittelgebirge von seiner schönsten Seite. Trotzdem muss auch diese Region um Urlaubsgäste werben. Bild: Jan Eifert

Es schwingt Trotz mit, wenn eine Initiative für Ferien in dem kleinen Ort Schmitten im Taunus wirbt. Über Tourismus am Rand des Ballungsraums in Zeiten von Corona.

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          Der Blick über die bewaldeten Hügel aus der Vogelperspektive geht ja noch durch. Sieht schön aus und ist mit einer Drohne heutzutage kein Teufelswerk mehr. Effektvoll umkreist die Kamera anschließend den Sendeturm auf dem Großen Feldberg. Na schön. Mit der nächsten Szene übertreiben sie es aber: Pferde in fotogener Formation galoppieren über eine Wiese. Sie scheinen als Symbol für Freiheit und Abenteuer eher der Fernseh-Zigarettenwerbung unserer Kindheit zu entstammen. Dabei soll es auf der neuen Internetseite doch um „Ferien in Schmitten 2020“ gehen. Wo die Pferde allerdings durchaus ihren Platz haben, wie sich noch herausstellen wird.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Wer www.schmitten-ferien.de aufruft, merkt sogleich: Da waren Profis am Werk. Selbst mancher Alteingesessene wird sich wundern, in was für einer tollen Gegend er lebt. Eigentlich sind Tourismus und die Werbung dafür in Schmitten nichts Neues. Schon weil in der Gemarkung die höchste Erhebung des Taunus liegt. 1860 öffnete auf dem Feldbergplateau das erste Gasthaus. 23 Jahre später gründete der praktische Arzt Dr. Wieger den Kurverein. Er setzte sich auch für eine Postverbindung nach Oberursel ein. Seit vielen Jahrzehnten ist Schmitten Luftkurort. Gerhard Heere, Geschäftsführer des Tourismus- und Kulturvereins, bereitet gerade die neuen Luftmessungen vor. Spätestens alle zehn Jahre muss das Prädikat bestätigt werden, und bisher hat es immer geklappt.

          Hotel geschlossen, Autokino geöffnet

          Aber der Tourismus ist kein Selbstläufer. In den Ortsteilen schließen Gasthäuser und sogar beliebte Ausflugscafés. „Häufig fehlt es eher am Nachfolger als an der Nachfrage“, sagt Bürgermeister Marcus Kinkel (parteilos). „Da können die Gemeinde und der Tourismus- und Kulturverein nichts machen.“ Jetzt herrschen wegen des Coronavirus noch einmal verschärfte Bedingungen. Sie gaben für Arno Hofmann den Ausschlag, das Naturparkhotel Weilquelle zu schließen. Vor zwölf Jahren hat der Inhaber des Parkhotels Oberursel das ehemalige Posterholungsheim in Oberreifenberg gekauft und daraus ein Hotel gemacht, dessen Generalthema die Lage im Grünen und die Ökologie war. Mit gutem Grund: „Da können Sie den Rehen zusehen“, sagt Hofmann. Weil er es nicht selbst betreiben konnte, waren die Personalkosten hoch. Die nur 34 Zimmer und großen Nebenflächen sorgten für eine knappe Kalkulation. Als jetzt die Seminargäste an Werktagen und die Feiern am Wochenende komplett wegfielen, zog Hofmann die Konsequenz. Er möchte das Haus verkaufen und hat schon mit ersten Interessenten gesprochen.

          Auch anderen Betrieben brachen die Einnahmen weg. Aber machen angeblich wegen der Pandemie nicht alle Urlaub in Deutschland? Zum Beispiel „Ferien in Schmitten 2020“? Im Mai hat sich eine Handvoll örtlicher Akteure unter diesem Namen zusammengeschlossen, um ein Lebenszeichen zu senden. „Wir wollen die Saison 2020 nutzen, um kurzfristig Feriengäste und Kurzurlauber aus Deutschland und der Region anzulocken“, sagt Julia Krügers. Dass sie Bürgermeisterkandidatin der CDU ist, gibt der Sache für manchen womöglich einen Beigeschmack. Aber Krügers ist auch stellvertretende Vorsitzende des Tourismus- und Kulturvereins und dort schon lange aktiv. Und es blieb nicht bei schönen Worten.

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