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Gegen Folgen des Klimawandels : Ein Rasenmäher, der U-Bahn-Gleise lackiert

  • -Aktualisiert am

Die Weißmacher: Die VGF-Mitarbeiter Dieter Lach, Nicola Heimbücher und Kurt Landau (von links) haben eine leichte Lackiermaschine für Schienen gebaut. Bild: Aders, Hannah

Weißer Lack verhindert, dass die Frankfurter U-Bahn-Gleise durch die Sonne beschädigt werden. Durch die Erfindung eines Schlossers muss er nicht länger per Hand aufgetragen werden.

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          Seit mehr als dreißig Jahren schon arbeitet der Schlosser Kurt Landau bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Als er in der Weihnachtszeit nicht viel zu tun hatte, dachte er über ein Problem nach, das die Betriebsgesellschaft der U- und Straßenbahnen schon länger beschäftigt: Heiße Sonnenstrahlen können die Gleise an einigen Stellen derart erhitzen, dass sie sich dadurch zu stark ausdehnen.

          Eigentlich gibt es dafür schon eine Lösung: Mitarbeiter streichen an den gefährdeten Stellen die Gleise einfach weiß. Doch Kurt Landau störte sich daran, dass seine Kollegen sich beim Lackieren immer bücken mussten. Also beschloss er, eine Maschine zu bauen, die das Lackieren vereinfacht.

          Weiße Farbe schützt vor Überhitzung

          Bei starker Sonneneinstrahlung dehnen sich die Schienen aus und die Gleise fangen an, sich zu wellen, sagt Tim Schwartz, Ingenieur im technischen Dienst der VGF. Manche Gleisabschnitte können dabei bis zu 60 Grad heiß werden. Es komme zu Spannungen auf den Gleisen, die von Experten als „Gleisverdrückungen“ bezeichnet werden. Diese können im schlimmsten Fall zu Entgleisungen führen. Um eine Überhitzung zu vermeiden, werde die weiße Farbe aufgetragen, sagt Schwartz. Der Lack führe dazu, dass die Schienen das Sonnenlicht reflektieren. Tests haben gezeigt, dass die weiße Farbe die Gleise um vier bis fünf Grad herunterkühle, sagt Schwartz.

          Schutzschicht: Weiße Acrylfarbe wird in das Spritzgerät eingefüllt.

          Er habe bisher nur einen Deckelheber entwickelt und auf der Arbeit einige Stellen ausgebessert, sagt der 54 Jahre alte Landau. In der Weihnachtszeit vergangenen Jahres habe er aber angefangen, die Skizzen für die Lackiermaschine zu entwerfen. Landau legte die Zeichnungen seinen Vorgesetzten vor, die sein Projekt genehmigten. Einige Monate habe anschließend noch die Entwicklung gedauert, erzählt Landau. Doch als er die Entwürfe schließlich fertiggestellt habe, habe er mit seinen Kollegen innerhalb von nur zwei Wochen die Maschine zusammengebaut.

          Klimafreundliche, leise und leichte Maschine

          Die Deutsche Bahn und die Österreichische Bundesbahnen lackieren im Hochsommer ihre Gleise bereits maschinell mit weißer Farbe. Die Besonderheit in Landaus Maschine liegt aber in ihrem Gewicht: Sie wiegt nur rund zwanzig Kilogramm. Somit kann das Gerät wie ein Rasenmäher von einer Person über die Schienen geschoben werden. Zu zweit lasse sich die Maschine einfach von den Gleisen heben, sagt Landau. Andere Lackiermaschinen benötigten zudem ein Stromkabel, während seine mit einem Akku laufe. Das mache die Maschine klimafreundlicher und leiser.

          Landaus Konstruktion besteht aus einem selbst geschweißten Metallrahmen. Darin ist ein Spritzgerät eingebaut, das die weiße Acrylfarbe auf eine Schienenseite sprüht. Der Schienenkopf, also die obere Seite der Schiene, bleibt frei, da die Züge bei der Durchfahrt die weiße Farbe verschmieren würde. In die Spritzmaschine passe rund ein Liter Farbe, damit können rund 50 bis 60 Meter Gleisabschnitt besprüht werden. Wie lange sich die Farbe hält, werden Landau und seine Kollegen im Laufe des Sommers erfahren.

          Maschine soll im gesamten Netz eingesetzt werden

          Derzeit wird die Maschine im Betriebshof Ost der VGF getestet. Eine Unternehmenssprecherin betont dabei, dass die Maschine noch ein Prototyp sei. Der Fokus liege jetzt darin, die Maschine zu verbessern. Bald soll sie für Gleisabschnitte eingesetzt werden, die der Hitze besonders ausgesetzt seien. Das langfristige Ziel sei es, die Maschine im gesamten Netz einzusetzen.

          Landau betrachtet seine Maschine nicht als Erfindung. Er habe weder die Spritzpistole noch den Lack erfunden, sondern beide Dinge einfach kombiniert, sagt er. Er sehe noch viele „Kinderkrankheiten“, die ausgebessert werden müssen. So wolle er die Lackiermaschine durch ein Aluminiumgestell ersetzen, bisher bestehe sie aus Stahlrohren. Dadurch werde die Maschine leichter, sagt er. Eine weitere Hoffnung sei es, dass die Maschine von selbst fährt. Vom autonomen Lackieren sei er aber noch weit entfernt.

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