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Schließung der Max Bahr Baumärkte : Abverkauf vor dem Neubeginn

Schluss bei Max Bahr: Ein Mitarbeiter der Insolvenzverwaltung tackert Hinweisschilder an Ausstellungsstücke. „Alles muss raus“, lautet die Losung. Bild: Finger, Stefan

Bei der insolventen Baumarktkette Max Bahr läuft der Abverkauf, es herrscht Endzeitstimmung. Auch im Markt in Mainz-Mombach ist das nicht anders. Doch dort wird im Sommer Bauhaus einen neuen Markt eröffnen.

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          Von zwei Türen am Portal funktioniert nur noch eine, die Regale sind nur noch halb gefüllt oder schon ganz leer, Restbestände einst exakt sortierter Ware türmen sich wirr auf Paletten. Mit schwarzer Schrift auf rote Schilder gekrakelte Preisnachlässe von bis zu 70 Prozent sollen den Abverkauf befeuern. Kunden streifen eher durch die Gänge nach billiger Beute, als dass sie zielstrebig etwas suchen. Endzeit bei Max Bahr in Mainz-Mombach.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Andernorts ist schon Ende Januar Schluss, hier spätestens am 28. Februar. Vorläufig jedenfalls. Denn anders als die beiden anderen Max-Bahr-Märkte im Rhein-Main-Gebiet, in Eschborn und auch in Mainaschaff (siehe Karte), hat der Mombacher Markt eine Zukunft unter dem Dach der Baumarktkette Bauhaus. Das in Mannheim gegründete und inzwischen in der Schweiz ansässige Unternehmen hat 24 der zuletzt 125 Max-Bahr-Standorte übernommen. Und es hat zugesagt, die Mitarbeiter dieser Baumärkte mindestens zu den Bedingungen neu anzustellen, zu denen sie bei Max Bahr ihren Lebensunterhalt verdient haben. Insofern könnten die rund 60 Beschäftigten des Mombacher Marktes mit etwas mehr Hoffnung ins neue Jahr gehen als viele ihrer Kollegen andernorts.

          Angst der Mitarbeiter um Übernahme

          Doch ganz so einfach ist auch ihre Lage nicht. Denn mit dem Ende des Abverkaufs enden auch Arbeitsvertrag und Bezahlung, wie der Sprecher der Max-Bahr-Insolvenzverwalter berichtet. Der Bauhaus-Markt wird dem Vernehmen nach aber erst vier Monate später eröffnen, weil zunächst umfangreiche Umbau- und Reparaturarbeiten am Gebäude anstehen. Und vor dem Neustart wird Bauhaus das Beschäftigungsversprechen kaum einlösen. „Es heißt zwar, dass wir übernommen werden, schwarz auf weiß hat es aber bisher keiner von uns“, berichtet ein Mann im gelb-blauen Max-Bahr-Hemd, der gerade Fliesen stapelt. Eine Kollegin aus der Elektroabteilung bestätigt die mündliche Zusage. Ganz glauben könne sie das nach dem „schlimmen Jahr 2013“ aber erst, wenn sie einen Arbeitsvertrag in Hände halte. Eine ihrer Kolleginnen ist zuversichtlicher. Einen so guten zweiten Standort in Mainz könne sich Bauhaus nicht entgehen lassen. Zusammen mit dem Markt in Mainzer Vorort Weisenau könne man die Landeshauptstadt, das Hinterland, Wiesbaden und den Rheingau bestens beackern.

          Platz auf der Rangliste sichern

          Mit der Vertriebslinie Max Bahr, ursprünglich eine eigenständige Hamburger Baumarktkette, wollte sich die Praktiker AG aus einer Schieflage befreien. Doch es misslang der Versuch, wenigstens einen Teil der unter dem Billig-Image leidenden Praktiker-Märkte mit neuem Namen rentabel zu machen. Am Ende mussten nicht nur die verbliebenen Praktiker-Märkte schließen, sondern auch die ursprünglich als gesund geltenden Max-Bahr-Märkte in die Insolvenz gehen. Von den zuletzt 3600 Beschäftigten will Bauhaus 1300 übernehmen. Doch beispielsweise den Mainzer Mitarbeitern ist, sofern sie nicht gleich einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben, nichts anders übriggeblieben, als sich arbeitssuchend zu melden. Denn nur so sind die Fristen für Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung gewahrt.

          Mit dem Zukauf will Bauhaus den zweiten Platz in der Umsatzrangliste der Baumärkte sichern. Mit 2,7 Milliarden Euro Umsatz lag das Unternehmen 2012 hinter Marktführer Obi mit 3,8 Milliarden Euro. Auf Platz drei folgte damals noch die Baumarktkette Praktiker inklusive Max Bahr mit 2,6 Milliarden Euro. Inzwischen ist Praktiker nur mehr Teil der Wirtschaftsgeschichte. Und Max Bahr wird es bald sein.

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