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Schlecker-Insolvenz : „Für mich heißt es ab morgen Arbeitsamt“

Alles muss raus: Kunden bei Schlecker. Bild: dpa

Mit Nachlässen von bis zu 50 Prozent hat bei Schlecker der Abverkauf begonnen. Für die Mitarbeiter ist es der letzte bittere Akt im verlorenen Kampf um den Arbeitsplatz.

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          Der Laden ist voller als sonst am Morgen, sehr viel voller. Abverkauf bei Schlecker, der Bestand wird mit großen Preisnachlässen geräumt, und diesmal ist Schlecker tatsächlich einmal billiger als alle Konkurrenten. Früher hielt dieser Ruf einer Prüfung oft nicht stand. Ob die Filiale der insolventen Drogeriemarktkette auch am nächsten Tag noch geöffnet sein wird, kann die Frau an der Kasse bei Schlecker an der Frankfurter Frankenallee am Freitagmorgen nicht sagen. „Wir wissen leider gar nichts. Für mich heißt es ab morgen Arbeitsamt“, sagt sie. Und für einen Moment weicht der herzliche Ton der Anfangsvierzigerin der Mischung aus Sorge und Bitternis, die derzeit viele der Schlecker-Beschäftigten fest im Griff hat. Denn nun sind die letzten verbliebenen 2800 Dependancen, zehn Prozent davon in Hessen, dran. Der Großteil des Schlecker-Filialnetzes ist schon vor Wochen abgewickelt worden.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Wie gut die Chancen der Frauen auf dem Arbeitsmarkt sind, lässt sich nicht sicher sagen. Der Einzelhandel sucht, ja. Dabei handelt es sich allerdings in vielen Fällen um 400-Euro-Jobs. Von den 776 zurzeit als arbeitssuchend registrierten Schlecker-Mitarbeitern in Hessen waren aber gut 400 Vollzeitarbeitskräfte und 340 in Teilzeitstellen tätig mit häufig mindestens 20 Wochenstunden. Oft sind sie diejenigen gewesen, die für das Familieneinkommen gesorgt haben.

          Es sind eher jüngere Frauen

          Die Annahme, das bei Schlecker viele Frauen nur ein paar Euro dazuverdient haben, trifft zumindest für Hessen auf das Gros nicht zu, sagt eine Sprecherin der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit.

          Zum Glück bewahrheitet sich auch die Vermutung nicht, dass es vor allem Frauen deutlich jenseits der 50 Jahre und ohne Berufsausbildung sind. Die größte Gruppe der nun arbeitssuchend gemeldeten Frauen, 514, fallen vielmehr in die Altersgruppe von 25 bis 49 Jahre. Gleichwohl ist die Riege derjenigen zwischen 50 und 54 Jahren mit 123 auch nicht klein. Wie die Arbeitsagentur weiter wissen lässt, verfügen die meisten Schlecker-Mitarbeiter, die in Hessen nun als arbeitssuchend gezählt werden, über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Frau jenseits der 54 Jahre, ohne Berufsausbildung und ortsgebunden, gibt es auch, aber sie gehört eben nicht zur Mehrheit.

          Von den 776 als arbeitssuchend Registrierten sind keineswegs alle auch tatsächlich arbeitslos, das sind lediglich 523, wie die Arbeitsagentur weiter wissen lässt. Die gerade diskutierte Idee, Schlecker-Mitarbeiter in der Betreuung von kleinen Kindern und alten Menschen einzusetzen, sieht die Arbeitsagentur insofern positiv, als man dort tatsächlich einen Mangel an Fachkräften zu bewältigen habe. Allerdings weist die Sprecherin darauf hin, dass für diese Berufe eine anspruchsvolle Ausbildung von drei Jahren zu absolvieren und ein besonderes Interesse Voraussetzung sei.

          Darauf weist auch der Deutsche Bundesverband für Pflegeberufe hin. Eine Sprecherin berichtet von sehr guten Erfahrungen mit Quereinsteigerinnen, die Berufs- und Lebenserfahrung wirkten sich ausgesprochen positiv aus. Eine zusätzliche Belastung der im Beruf stehenden Pflegefachkräfte sei aber dann zu befürchten, wenn noch mehr un- oder angelernte Kräfte angestellt würden, um formale Vorgaben zu erfüllen. Wenn aber jemand in der Pflege einen neuen beruflichen Weg entdecke und eine qualifizierte Ausbildung anstrebe, dann sei nicht nur eine ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin herzlich willkommen, heißt es weiter.

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