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Frankfurter Schirn : Bilder von Afrika

Endlose Weiten: Wilhelm Kuhnerts „Krieger auf dem Pfad vor dem Kibo“ 1917, Öl auf Leinwand, 100 × 163 cm Bild: Kunst-Kompetenz-Petra Kern, Heidelberg

Die Arbeiten des Berliner Malers Wilhelm Kuhnert haben wesentlich die Vorstellungen geprägt, die wir von Afrika haben. Die Frankfurter Schirn widmet seinen Werken bis Ende Januar eine Ausstellung.

          Dieses unglaubliche Gefühl von Freiheit und Weite, auch von Abenteuer und den Mysterien, die fremde Länder versprechen, müssen viele im wilhelminischen Deutschland gehabt haben, die vor Wilhelm Kuhnerts Bildern standen. Menschen, die es nicht gewagt haben oder es sich nicht zutrauten, nicht leisten konnten, auf den Schwarzen Kontinent zu reisen. Wo Deutschland etwa die Kolonie Ostafrika besaß. Löwen, Elefanten, Giraffen zeichnete der Künstler an Ort und Stelle, um sie nach diesen Skizzen zu Hause in seinem Berliner Atelier detailliert und naturalistisch mit Ölfarbe auf Leinwand zu malen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Schirn Kunsthalle widmet dem Maler derzeit eine Ausstellung mit dem Titel „König der Tiere. Wilhelm Kuhnert und das Bild von Afrika“. Sie führt dem Publikum vor Augen, dass es manchmal einzelne Maler sind, die Teile unserer Vorstellungswelt beherrschen. Denn das ist besonders frappierend an dieser Präsentation: Sie zeigt, dass Kuhnert ganz wesentlich für das Afrika-Bild, das wir in Europa, aber auch in Amerika haben, verantwortlich ist. Er hat es geprägt. Seine Tierdarstellungen waren omnipräsent. Selbst auf Schokoladenpackungen fanden sie sich. Sie zierten als Illustrationen zoologische Bücher wie „Brehms Tierleben“ oder wurden als Schaubilder in den Schulen im Biologieunterricht eingesetzt. Etliche Sammler versorgten sich mit Originalen aus der Hand des Malers, der zwischen 1865 und 1926 lebte. Noch heute sind seine Bilder bei Sammlern gesucht. So gehört er zu den großen unbekannten Bekannten der modernen Kunst. Dem wird jetzt abgeholfen.

          Kolonialismus und Exotismus der Werke

          Mit etwa 120 Werken gibt die Schirn erstmals einen umfassenden Einblick in sein OEuvre. Nicht nur Kuhnerts monumentale und wahrlich malerische Gemälde sind zu sehen, sondern auch Studien, Druckgraphiken, Prospekte und Publikationen mit Abbildungen seiner Werke. Dass auch der zeithistorische Hintergrund beleuchtet wird, versteht sich von selbst. Das Werk Kuhnerts ist in der Epoche des Kolonialismus entstanden. Und der Exotismus, der sich darin spiegelt, umfasst auch die Menschenbilder, die der Maler geliefert hat.

          Dass er auch bei der Darstellung von Einheimischen akribisch einen Verismus verfolgte, der zunächst einmal nichts anderes als dokumentieren wollte, steht in einem gewissen Widerspruch zu der pathetischen und auch distanzierten Haltung, mit der er ihnen malerisch begegnete. Derlei Porträts sind allerdings in seinem Werk die Ausnahme. Charakteristisch für ihn ist die Symbolkraft, die bei aller Naturtreue in seinen Bildern steckt. Sie sind ein Malerei gewordener Ruf nach Freiheit. Tiere und Landschaften werden zu Projektionsflächen europäischer Sehnsüchte und eskapistischer Hoffnungen.

          In der Epoche des Kolonialismus entstanden: Askari von Wilhelm Kuhnert. Bilderstrecke

          KÖNIG DER TIERE. WILHELM KUHNERT UND DAS BILD VON AFRIKA bis 27. Januar. Schirn Kunsthalle Frankfurt. Öffnungszeiten: dienstags sowie freitags bis sonntags 10 bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags 10 bis 22 Uhr. Neujahr 11 bis 19 Uhr.

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