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Verkehrspolitik : Wie es geht, und wie es nicht geht

Das kommt davon: Weil in Frankfurt die Mainuferstraße gesperrt ist, staut sich der Verkehr in Sachsenhausen. Bild: Wonge Bergmann

Wer Autofahrer zum Umsteigen auf Bus, Bahn oder Fahrrad bewegen möchte, darf sie nicht schikanieren. Vernünftiger ist es, ihnen Angebote zu machen. Beispiele dafür gibt es.

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          Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Das ist eine: Die S-Bahn-Station Gateway Gardens in dem neuen Stadtteil am Frankfurter Flughafen wird wie geplant im Dezember eröffnet, wie in der vergangenen Woche bei einem Besichtigungstermin für die Presse bekräftigt wurde. Eine Baustelle ohne Proteste, den Zeitplan eingehalten, von Kostenüberschreitungen keine Rede: Besser kann es nicht laufen. Und sinnvoll ist die Station auch: Die Anbindung des von Büros und Hotels geprägten Viertels wird dazu führen, dass viele Autofahrten durch solche mit der Bahn ersetzt werden.

          Es ist also in Frankfurt derzeit zu besichtigen, wie das funktioniert: den Verkehr umweltfreundlicher zu machen. Leider lässt sich nur wenige Kilometer weiter auch sehen, wie es nicht geht. Die Sperrung des nördlichen Mainufers für den Autoverkehr erweist sich als übereilt und undurchdacht, die Lasten hat offenbar Sachsenhausen zu tragen.

          Wer darauf verweist, dass der Verkehr dort in den vergangenen Tagen nur deshalb zusammengebrochen ist, weil zugleich wegen des Museumsuferfests auch noch das südliche Mainufer gesperrt war, macht es sich zu einfach. Dadurch ist nur in krasser Weise offenbar geworden, was man sich hätte denken können: Diese Sperrungen führen natürlich nicht dazu, dass Autofahrer massenhaft aufs Fahrrad oder in die S-Bahn umsteigen, sondern verlagern den Verkehr lediglich. Nach der Freigabe des südlichen Mainufers mögen die schlimmen Staus auf der Schweizer Straße ein Ende haben, aber das Verkehrsaufkommen steigt dann eben anderswo. Auch wenn der Verkehr dann nicht gleich wieder steht, weil sich das Aufkommen etwas mehr verteilt: Lärm und Emissionen verlagern sich bloß, durch die verlängerten Reisezeiten werden sie eher erhöht. Gewonnen ist nichts.

          Zwei Beispiele für Verkehrspolitik, ein gutes und ein schlechtes. Was ist daraus zu folgern? Wer möchte, dass der Verkehr umweltfreundlicher organisiert wird, muss entsprechende Angebote schaffen und nicht mit Schikanen und Verboten hantieren. Das S-Bahn-Netz, entwickelt in den angeblich allein in das Auto vernarrten sechziger und siebziger Jahren, ist ein erstklassiger Beitrag dazu. Es verdient den weiteren Ausbau, ebenso wie die Citybahn in Wiesbaden und die Regionaltangente West Unterstützung verdienen. Wenn es auf der Schiene schneller geht als auf der Straße, werden die Autofahrer schon umsteigen. Die große Zahl täglicher Nutzer der Züge in der Region ist der beste Beweis dafür.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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