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Streit zwischen Großfamilien? : Schießerei in Rüsselsheim gibt Rätsel auf

  • -Aktualisiert am

Schießerei in Rüsselsheim: Es bleiben viele Fragen offen. Bild: dpa

In einem Prozess soll geklärt werden, wie es zu einer Schießerei in Rüsselsheim im vergangenen Jahr kommen konnte. Der Verdacht fällt auf einen Streit zwischen zwei Großfamilien.

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          Was war los am 27. April 2019 in Rüsselsheim? Laut einem 25 Jahre alten Angeklagten offenbar nichts, worüber man reden müsste, schon gar nicht vor Gericht. Name, Alter, Wohnanschrift und seinen Beruf, den er mit „nichts“ angibt, nennt der junge Mann zwar noch, doch dann ist Schluss. Sein Mandant werde nun „vollumfänglich schweigen“, sagt Verteidiger Axel Küster zu Prozessbeginn.

          Der Vorwurf, dem sich der Angeklagte seit gestern vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Darmstadt stellen muss, wiegt schwer: versuchter Mord. Der junge Mann soll am Tattag gegen vier Uhr morgens in einem Streit eine Waffe gezogen und mehrfach auf seinen Gegner sowie dessen Bruder geschossen haben. Tatort war ein Café am Bahnhofsplatz in der Rüsselsheimer Innenstadt. Die beiden Männer, auf die geschossen worden sein soll, entkamen, und auch der Schütze soll das Weite gesucht haben. Das steht fest. Doch dann wird es undurchsichtig. Warum geschossen wurde, was danach geschah und wie die Hintergründe zu dem Fall sind, ist auch neun Monate nach den Geschehnissen unklar. Denn nicht nur der Angeklagte schweigt, auch die mutmaßlichen Opfer sagen nichts.

          Zwei Rüsselsheimer Großfamilien

          Beteiligt an der Auseinandersetzung waren Mitglieder zweier Rüsselsheimer Großfamilien. Zwar ist aktuell nur der Schuss des fünfundzwanzigjährigen Mitglieds der einen Sippe angeklagt. Das Spurenbild, das zu Prozessbeginn vor Gericht dargelegt wurde, lässt allerdings vermuten, dass sich die Gegenseite zu wehren wusste. Vor dem Wohnhaus des Angeklagten, nahe des Cafés in der Innenstadt gelegen, weisen zahlreiche Patronenhülsen und Schmauchspuren an Fensterrahmen, Säulen und Scheiben auf einen Schusswechsel hin. Zudem haben sowohl das mutmaßliche Opfer, das vor Gericht als Nebenkläger auftritt, als auch dessen Bruder eine Aussage verweigert – und sich dabei auf Paragraph55 der Strafprozessordnung berufen. Schweigen darf demnach, wer sich selbst oder einen nahen Angehörigen der Gefahr der Strafverfolgung aussetzt. Kurz gesagt: Wer sich selbst oder einen engen Verwandten belasten würde, muss nichts sagen.

          Zwar liegt der Verdacht nahe, dass nach den Schüssen am Café die Mitglieder der einen Familie auf das Haus der anderen Sippe geschossen haben. Beweise dafür, dass es sich tatsächlich so zugetragen hat, gibt es aber offenbar nicht. Ermittlungen in diese Richtung wurden eingestellt. Neun Sachverständige, darunter Spuren- und Schusswaffenexperten des hessischen Landeskriminalamts und ein psychiatrischer Gutachter, sollen nun vor Gericht Licht ins Dunkle bringen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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