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Schießerei in Frankfurt : Blutige Machtdemonstration am Vatertag

Vor einem Café das Feuer eröffnet: Spurensuche am Himmelfahrtsabend nach der Schießerei auf dem Frankfurter Friedrich-Stoltze-Platz Bild: Bernd Kammerer

Deutsche und türkische Hells Angels kämpfen um die Macht im Milieu. Die jüngste Schießerei in Frankfurt zeigt, dass der Rockerkrieg gerade erst begonnen hat.

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          Auf dem Platz patrouilliert die Polizei. Schwer bewaffnet gehen die Beamten auf und ab, die Maschinenpistole schussbereit. Ab und zu gibt es einen Funkspruch. Sonst aber herrscht Stille auf dem Friedrich-Stoltze-Platz, dabei ist die Schießerei gerade erst eine knappe Stunde her. An der Bleidenstraße, direkt neben dem Platz, steht ein weißer Mercedes-Geländewagen mit geöffnetem Kofferraum. An der Frontscheibe sind Einschusslöcher zu sehen. Es sind viele. Etwa ein Dutzend Mal haben die Täter geschossen. So berichten es Zeugen, die dabei waren, als an diesem Vatertag Mitglieder der Hells Angels aufeinander losgegangen sind.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

          Der Angriff, soviel steht inzwischen fest, war gut geplant. Um zehn vor fünf, als die Cafés an diesem Feiertag gut besucht waren wie lange nicht mehr und die Menschen bei Eis und Cocktail in der Nachmittagssonne sitzen, fährt der weiße Mercedes vor. Als er vor dem „Helium“ hält, einer der In-Kneipen Frankfurts, fallen auch schon die Schüsse. Zwei Männer, die im „Helium“ sitzen und kurz zuvor auf Motorrädern angekommen sind, ziehen Pistolen und durchsieben die Frontscheibe geradezu. Die beiden Insassen steigen aus, wollen flüchten, kommen aber nicht weit, so schwer verletzt sind sie. Einer von ihnen, ein 20 Jahre alter Serbe, bricht auf dem Friedrich-Stoltze-Platz vor der „Bar Celona“ zusammen.

          Polizei: „Wir sind sehr nahe dran“

          Kellner aus den benachbarten Cafés eilen zu ihm, leisten erste Hilfe, rufen die Polizei. Die ist innerhalb von drei Minuten da und sperrt die Straßen ab. Zu diesem Zeitpunkt sind die Schützen schon längst weg. Ein Kellner berichtet später, er sei hinausgelaufen auf die Straße, als die Schüsse gefallen sind. Da kamen ihm schon die Gäste entgegen, Panik in den Gesichtern, einige hätten geschrien. Dann sah er einen Mann blutend auf dem Boden liegen. „Da wusste ich, da ist etwas Schlimmes passiert.“

          Nicht nur am Abend der Tat, sondern auch am nächsten Tag tun sich Polizei und Staatsanwaltschaft schwer mit der Einordnung des Geschehens. Einige Fragen, heißt es, seien schlicht noch ohne Antwort. So zum Beispiel das Motiv – sofern es überhaupt einen konkreten Anlass gab – und auch, wer auf wen wie oft geschossen hat und wem der Anschlag ursprünglich galt. Andere Fragen beantwortet die Polizei bewusst nicht, auch aus der Furcht heraus, der Konflikt könne sich noch weiter verschärfen, wenn detailliert über die Hintergründe berichtet wird. Nur soviel lässt die Polizei am Freitag verlauten: „Wir sind sehr nahe dran und wissen genau, was da jetzt im Umfeld läuft.“

          Das Umfeld, das sind vor allem zwei Gruppen, die sich seit einigen Jahren schon bekriegen bis aufs Blut. Ein interner Machtkampf innerhalb der Hells Angels ist entbrannt, der sich kaum noch befrieden lässt. Auf der einen Seite die deutsche Fraktion, die sogenannten Traditionalisten, rund um den einflussreichen Frankfurter Rocker Walter B. – auch „Schnitzel-Walter“ genannt, der das inzwischen verbotene Frankfurter Charter „Westend“ anführte und vor zwei Jahren als Nachfolger Frank Hanebuths gehandelt wurde. Auf der anderen Seite die türkische Fraktion, die vor allem Zulauf aus der Boxclub-Szene erfährt. Größter Unterstützer sind die „Osmanen“, eine Gruppe, die in Deutschland inzwischen in Hunderterstärke auftritt, vorrangig bestehend aus Türken. Sie haben sich in Frankfurt sukzessive Zugang verschafft zum Türsteher- und Rotlichtmilieu mit dem Ziel, es eines Tages zu dominieren.

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