https://www.faz.net/-gzg-8grgl

Schießerei in Frankfurt : Blutige Machtdemonstration am Vatertag

  • -Aktualisiert am

2014 gab es schon einmal eine Schießerei

Anführer der Türken ist Aygün M. Der Rocker war einst Supporter bei den „Traditionalisten“, dann hat er sich hochgearbeitet, irgendwann wollte er sich komplett abspalten mit einem eigenen Charter. Da begann der Krieg. M. gilt als kompromisslos, wenn es darum geht, Geschäfte der „Traditionalisten“ zu übernehmen. Inzwischen hat er sein eigenes Clubhaus in Gießen. Dafür hat der Rocker lange gekämpft.

Im Juli 2014 kam es in Frankfurt schon einmal zu einer Schießerei. Damals hatten etwa 40 türkische Hells Angels den Katana Club im Bankenviertel gestürmt. Auch Aygün M. war dabei. Sie schlugen erst den Türsteher nieder, dann stürmten die Männer auf Jürgen F. zu, ein Mitglied der „Schnitzel“-Walter-Fraktion. F. zog daraufhin seine Waffe, Kaliber neun Millimeter, und schoss mehrere Male. Er verletzte vier Männer schwer. Auch Aygün M. Die Kugel traf ihn an der Schulter.

Opfer im Krankenhaus werden schwer bewacht

Seitdem ist die Polizei auf der Hut. Aus Ermittlerkreisen heißt es, man müsse sich darauf einstellen, dass die Konflikte künftig auf der Straße ausgetragen werden. Mit „Straße“ meint die Polizei nicht Hinterhöfe, sondern, so wie am Donnerstag, öffentliche Plätze mit Publikumsverkehr. Die Rocker wollen provozieren, sagen Beobachter. Es geht ihnen allein um die Demonstration der Macht. Wie viel Kalkül in der jüngsten Tat mitschwang, das wird sich wohl erst in einigen Tagen, wenn nicht Wochen klären. Die Polizei fahndete auch am Freitag nach den Schützen, die nach ersten Erkenntnissen zur deutschen Fraktion der Rocker gehören. In der Nacht zum Freitag gab es zahlreiche Durchsuchungen. Nach der Tat ließen die Schützen ihre Helme und Motorräder zurück. Das zeugt nicht gerade von Nervenstärke, sondern lässt eher vermuten, dass die Männer wussten, dass etwas geschehen soll, dann aber doch überrascht wurden und reagierten.

Schon um 16 Uhr wurde eine Kolonne Hells Angels in Kutten in der Frankfurter Innenstadt gesehen. Wie Späher hätten sie das Gebiet rund um den Friedrich-Stoltze-Platz umrundet, sich dann aber zurückgezogen – bis auf die Männer, die sich ins Café setzten. Dass sie diejenigen gewesen sind, die auf das Auto schossen, daran gibt es inzwischen keinen Zweifel mehr. Die Frage ist jedoch, ob sie nicht ursprünglich die Opfer sein sollten, dass es eigentlich der Plan der türkischen Hells Angels war, auf die Männer im Café zu schießen. Und dass die Rocker dort nur schneller waren. Auch die Männer in dem Wagen hatten Waffen dabei. Eine lag später auf dem Kopfsteinpflaster neben der Fahrertür.

Schon kurz nach der Tat durchsuchte die Polizei nicht nur mehrere Objekte, sondern sicherte sie auch. Dem Vernehmen nach sollen auch die beiden Opfer im Krankenhaus streng bewacht werden. Die Angst vor einem Rockerkrieg, der immer weitere Opfer nach sich zieht, ist groß. Bei den Hells Angels zählten vor allem Rache und Ehre, heißt es in Ermittlerkreisen. Und nach der Machtdemonstration an Christi Himmelfahrt ist es nur eine Frage der Zeit, bis zurückgeschlagen wird.

Weitere Themen

Topmeldungen

Neue Raumfahrtbegeisterung : Und jetzt der Mars?

Fünfzig Jahre nach der ersten Mondlandung herrscht neue Raumfahrtbegeisterung. Zuletzt ging es vor allem um Pragmatismus und Risikominimierung – das ändert sich nun dank des privaten Raumfahrtsektors.
Grenzsituation: Im Coworking-Center „BLOK-O“ in Frankfurt/Oder zielt man auch auf Nutzer aus dem benachbarten Polen.

Coworking : Freie Sicht und schnelles Internet

Arbeitsplätze fürs Coworking sprießen seit einiger Zeit auch wieder abseits der Metropolen aus dem Boden. Bringen die stadtmüden Hipster wieder Leben in die Provinz?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.