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Schiersteiner Brücke : Bohrpfahlgründung vom Ponton aus

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Fest gemauert in der Erden: Neben der alten Schiersteiner Brücke haben die Arbeiten für den Neubau begonnen. Bild: Kaufhold, Marcus

Die Arbeiten zum Neubau der Schiersteiner Brücke zwischen Wiesbaden und Mainz haben begonnen. Bis zu 33 Meter lange Pfähle sollen für ein festes Fundament sorgen.

          Wer einen Blick auf die Baustelle am Schiersteiner Rheinufer wirft, fühlt sich womöglich ein wenig an den amerikanischen Film „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ erinnert. Denn Vieles ist riesig: Mannshohe, tonnenschwere Rohrsegmente sind ebenso zu sehen wie gigantische Bohrköpfe, deren Bestimmung es ist, sich in die Erde zu fressen. Dass alles eine Nummer größer ist, hat seinen Grund: Denn hier entsteht nicht irgendein Bauwerk, sondern der Neubau der Schiersteiner Brücke, eines der wichtigsten Verkehrsprojekte der Region.

          Wie berichtet, ist die gegenwärtige Rheinquerung zwischen Wiesbaden und Mainz marode und dem starken Verkehr, vor allem dem großen Lastwagenaufkommen, nicht mehr gewachsen. Daher will man zunächst stromabwärts direkt neben der alten Schiersteiner Brücke eine neue Querung errichten. Diese soll dann von 2016 an vorerst den gesamten Verkehr übernehmen, während parallel dazu die alte Brücke abgerissen und durch eine zweite, neue Querung ersetzt wird. Wenn die Arbeiten 2019 beendet sind, steht für jede Fahrtrichtung jeweils ein neuer Brückenteil zur Verfügung. Statt wie heute auf vier Fahrstreifen, geht es künftig auf sechs Spuren über den Rhein; überdies wird es dann Standspuren geben.

          Auf Hinterlassenschaften des Weltkriegs abgesucht

          Seit drei Wochen laufen die Gründungsarbeiten für die erste der beiden neuen Brücken, wie Projektleiter Hans-Martin Theis von Hessen Mobil berichtet. Dabei stellt man die tief im Erdboden ruhenden Pfähle her, die später das Gewicht der mächtigen Brückenpfeiler tragen sollen. Insgesamt sind laut dem Bauingenieurs 15 Pfeiler nötig, drei davon werden im Rhein stehen, drei auf der in der Flussmitte gelegenen Rettbergsaue. Dabei arbeiten sich die Trupps von der hessischen auf die rheinland-pfälzische Seite vor. Die Pfahlgründungen für zwei Pfeiler an Land sind laut Theis schon fertig, derzeit lauf die Gründung des dritten Land- und den ersten Rheinpfeilers.

          Zum Einsatz kommen dabei zwei spezielle Bohrpfahlgeräte, die auch von der über die Brücke verlaufenden Autobahn 643 zu erkennen sind. Eines der turmartigen Gebilde steht an Land, das andere schwimmt auf einem Ponton auf dem Fluss. Vor der Pfahlgründung im Rhein hat laut Theis ein Schiff das Flussbett auf Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg abgesucht. Und tatsächlich brachte die Kampfmitteluntersuchung drei Verdachtspunkte. „Doch das war nur Schrott, darunter ein alter Anker.“

          Die Arbeiten gehen zügig voran

          Sind die Bohrpfahlgeräte in Aktion, dann treiben sie zusammen mit ihrem Bohrkopf ein Rohrsegment in den Boden; gleichzeitig gelangt Erde nach oben. Die einzelnen Rohrsegmente werden im Boden so lange aufeinandergesetzt, bis die gewünschte Tiefe erreicht ist. In das Rohr kommt dann ein Bewehrungskorb aus Stahlgeflecht. „Der Stahl fängt später die Zugkräfte auf“, sagt Theis. Im nächsten Schritt füllen die Arbeiter den Hohlraum von unten mit Beton, zugleich werden die Rohrsegmente wieder entfernt. Wichtig sei, so Theis, dass sich der Beton mit dem Erdreich verzahne.

          Die Maße der im Boden versenkten Betonpfähle muten gigantisch an: Ihr Durchmesser beträgt 1,80 Meter, die Länge 33Meter; die Pfähle im Rheinbett sind 20Meter lang. Für die Landbrückenpfeiler sind je acht, für die Flussbrückenpfeiler sogar 22 Pfähle nötig. Sind die Stützen gesetzt, wird über den Köpfen der Pfähle eine bis zu 3,50 Meter dicke Betonplatte gegossen, auf der später der Brückenpfeiler steht; die Platte soll den Druck des Pfeilers auf die Bodenpfähle verteilen.

          Die Arbeiten gehen zügig voran, pro Tag schaffen die im Schichtbetrieb arbeitenden Männer der Baufirma Bögl laut Theis etwa anderthalb Pfähle. Wenn die neue Brücke 2016 fertig ist, folgt der Abriss der alten Rheinquerung und der Bau der zweiten Brücke. Sie wird, zumindest zum Teil auf den vorhandenen, alten Stützen ruhen: Denn die Pfeiler im Rhein lassen sich den Angaben zufolge für die neue Brücke ertüchtigen. Ihre marode Vorgängerin wird derweil jedes Vierteljahr von Brückenprüfern kontrolliert. Am Montag steht die Reparatur einer gerissenen Schweißnaht an, wie Bauoberleiter Sebastian Krahle von Hessen Mobil berichtet. Auch für größere Schäden haben die Bauleute vorgesorgt: So steht eine Notfallkonstruktion bereit, um den stählernen Unterbau zu stabilisieren.

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