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Schauspielhaus Frankfurt : 23.588 Stimmen für Wiederaufbau

Es war einmal: Die Bürgerinitiative wünscht sich das Schauspielhaus in der Optik von 1902. Bild: Institut für Stadtgeschichte

Die Frist für das Bürgerbegehren zur Rekonstruktion des Frankfurter Schauspielhauses ist abgelaufen. Das Quorum scheint zwar erreichbar. Aber es gibt auch rechtliche Hindernisse.

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          Bis zu 23.588 Frankfurter unterstützen das Bürgerbegehren zur Rekonstruktion des 1902 errichteten Schauspielhauses am Willy-Brandt-Platz. So viele Unterschriften hat die Bürgerinitiative Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt nach eigenen Angaben innerhalb der vierwöchigen Frist gesammelt, die am Donnerstag abgelaufen ist. Zwar werden ungültige Unterschriften noch aussortiert. Die Initiative rechnet aber damit, dass mehr als drei Prozent der Wahlberechtigten, also 15.064 Personen, den Aufruf unterzeichnet haben. Diese Schwelle muss erreicht werden, damit das Bürgerbegehren in einen Bürgerentscheid münden kann.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Wahlamt prüft nun, ob die Unterschriften gültig sind. Wie der Vorsitzende der Bürgerinitiative Tobias Rüger erläutert, liegt die Fehlerquote nach Auskunft des Amtes – der Verein hatte in den vergangenen Wochen bereits viele Unterschriften abgegeben – bei rund 20 Prozent. Dank des Überschusses sei man aber selbst dann noch „im grünen Bereich“. Rüger ist überrascht über den hohen Zuspruch, der die Erwartungen übertroffen habe. „Die Römer-Koalition muss das Bürgerbegehren nun ernst nehmen und ohne schuldhaftes Zögern den Bürgerentscheid einleiten. Dafür eignet sich die anstehende Kommunalwahl am 14. März 2021 vorzüglich“, fordert die Initiative.

          Römer-Koalition lehnt eine Rekonstruktion ab

          Dass dieser Termin erreicht werden kann, ist allerdings unwahrscheinlich. Damit ein Bürgerentscheid bis zur Kommunalwahl vorbereitet werden kann, müssten die Stadtverordneten schon in der Januar-Sitzung einen Beschluss fassen. Doch die Abläufe sind komplex. „Das Bürgerbegehren wird nun ganz normal auf Zulässigkeit geprüft“, sagt der Sprecher des zuständigen Dezernats. Bei den vergangenen Bürgerbegehren „Radentscheid“ und „Mietentscheid“ vergingen jeweils einige Monate bis zu einer Entscheidung. Denn außer der schieren Anzahl an Unterschriften wird vom städtischen Rechtsamt auch untersucht, ob der Bürgerentscheid rechtlich und inhaltlich zulässig ist. Der Mietentscheid wurde unter anderem abgelehnt, weil die Fragestellung unpräzise war. „Die Formulierung muss möglichst eindeutig und klar sein, damit der demokratische Wille der Bürgerinnen und Bürger unverfälscht ohne Auslegungsspielräume gebildet werden kann“, hieß es zur Begründung. Der Vorschlag zur Kostendeckung wurde ebenso bemängelt wie Verstöße gegen Bestimmungen der Gemeindeordnung und des Gesellschaftsrechts.

          Die Römer-Koalition lehnt eine Rekonstruktion ab und hat dies auch am 3. September so beschlossen. Die Stadtverordneten hatten einer Magistratsvorlage zugestimmt, die verschiedene Neubauoptionen für die Städtischen Bühnen zum Inhalt hatte, und dabei eine Rekonstruktion des historischen Schauspielhauses, dessen Bauteile hinter der Fassade der Doppelanlage liegen, ausdrücklich ausgeschlossen. Gegen diesen Beschluss wendet sich das Bürgerbegehren.

          „Einen nachhaltigen, zukunftsfähigen Spielbetrieb garantieren“

          Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hält nichts von einer Rekonstruktion. Die bestehende Beschlusslage sei das Ergebnis eines komplexen demokratischen Prozesses, der durch umfangreiche Prüfungsverfahren, umfassende Untersuchungen der vorhandenen Bausubstanz und öffentliche Diskussionsveranstaltungen sowie eine intensive politische Debatte begleitet worden sei. Der Vorschlag einer Rekonstruktion des Schauspielhauses habe keine Mehrheit gefunden: „Auch für das Schauspiel gilt es, einen nachhaltigen, zukunftsfähigen Spielbetrieb zu garantieren. Die damit verbundenen Anforderungen wie beispielsweise der Platzbedarf oder die Bühnentechnik sind mit den vor über 100 Jahren gängigen Theaterstandards nicht vereinbar.“ Gleiches gelte für den Raum für das Publikum: Zeitgemäße Bühnenbauten gäben dem angrenzenden Stadtraum, etwa über offene Foyers und allgemein zugängliche Erdgeschossbereiche, öffentlichen Raum zurück.

          Hartwig betont zudem, dass von dem ursprünglichen Bau laut der Untersuchung der Stabsstelle Zukunft der Städtischen Bühnen überhaupt nur noch rund 25 Prozent der Rohbausubstanz vorhanden seien. Dabei handele es sich vornehmlich um die Fundamente und tragende Wände der unteren Geschosse. Der Erhalt der originalen Baudekoration, also der schmückenden Elemente des Gebäudes, liege bei weniger als zehn Prozent, da das Gebäude im Krieg weitgehend zerstört wurde. „Im Falle einer Rekonstruktion müsste das Gebäude aus der Kaiserzeit folglich nahezu komplett neu nachgebaut werden, ohne dass die heutigen Anforderungen des Schauspiels auch nur annähernd abgebildet würden“, meint die Dezernentin.

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