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Wolfram Koch über Corona : Deutschland ist keine Kulturnation

  • -Aktualisiert am

Tatort-Kommissar: Der Schauspieler Wolfram Koch konnte auch während der Corona-Pandemie weiterarbeiten. Bild: HR/Bettina Müller

„Tatort“-Schauspieler Wolfram Koch findet den Umgang mit Kultur in der Pandemie fahrlässig. Hier schreibt er, warum gerade alles auf der Stelle steht – und er auf eine kreative Explosion hofft.

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          Wie es mir geht? Mir geht es gut. Bin gesund. Der Rest meiner Familie auch. Ich habe so viel Zeit wie selten zuvor mit meiner Familie verbracht, und wir haben uns auch noch gut verstanden. Vielleicht das Schönste. Konnte arbeiten, momentan ein Luxus in meinem Beruf. Hatte eine sehr schöne Probenzeit mit Herbert Fritsch, „Der Theatermacher“ am Schauspiel Frankfurt. Wann eine Premiere vor Publikum stattfindet, liegt in den Sternen. Außerdem konnte ich zwei „Tatorte“ drehen. Aber für die Theater ist es eine Katastrophe. Trotz gut überlegter Hygienemaßnahmen wurden die Theater geschlossen. Anderes blieb geöffnet. Andere Werte. Ich habe im letzten Jahr nur neun Theatervorstellungen gespielt. Andere Auftritte, Lesungen, wurden alle abgesagt. Teilweise gibt es Ausfallhonorare, meist gar nichts. Übliche Klischees und Fragen wie „Haben Sie denn nichts zur Seite gelegt?“, „Warum arbeiten Sie auch freischaffend...?“. Fragen, die in die Richtung gehen „Was machen Schauspieler vormittags...?“.

          Von den neun Vorstellungen habe ich fünf in Luxemburg gespielt. Die Regierung dort sagt, wenn die Menschen keine Kultur erleben, werden sie auch anders krank. Die wenigen Zuschauer, die ins Theater dürfen, sind absolut glücklich darüber. Dankbar.

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