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Schauspieler und Abgeordneter : Ein Münchner sorgt für „atmosphärische Störungen“

  • -Aktualisiert am

Streitfall: Neu-Abgeordneter Charles Huber zankt sich mit der Darmstädter CDU, für die er in den Bundestag eingezogen ist; links Abgeordnete Monika Grütters (CDU) Bild: Reuters

Darmstadts CDU und ihr skurriler Streit mit dem Bundestagsabgeordneten Charles Huber verlängern den Wahlkampf. So beklagt sich der Schauspieler („Der Alte“), er habe „fast allein“ um Wähler werben müssen.

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          Karl-Heinz Huber, der im öffentlichen Umgang seinen Künstlernamen Charles M. Huber bevorzugt, kann nicht über mangelndes Medieninteresse klagen. Schon lange vor der Bundestagswahl haben sich für den Kandidaten der Darmstädter CDU auch die „Süddeutsche Zeitung“ und „Die Welt“ interessiert. Das war nicht nur mit seiner Münchner Herkunft und seiner Vergangenheit als Schauspieler, Buchautor und CSU-Mitglied zu erklären. Wer auf die Wahlkarte Deutschlands schaut, der sieht in der ganzen Rhein-Main-Region nur einen „roten“ Wahlkreis - die Nummer 186 in Darmstadt. 2009 konnte hier die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) mit dem einmalig knappen Vorsprung von 45 Stimmen das Direktmandat holen. Es war also zu vermuten, dass es am 22. September in Darmstadt abermals spannend werden würde.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Zypries hat am Sonntag mit gut 2500 Stimmen Vorsprung gewonnen, und dieses Resultat muss Huber, der ja für den Wahlkampf seinen Wohnsitz von München nach Seeheim-Jugenheim verlegt und sein CSU-Parteibuch gegen das der CDU getauscht hat, so enttäuscht haben, dass er nicht nur der städtischen Wahlveranstaltung fernblieb, sondern in der Nacht auch nach einer Erklärung suchte. Offensichtlich fand er sie vorformuliert in einem Artikel der „Süddeutschen Zeitung“ vom 17. September. Zumindest ist dort in dem Beitrag eines Journalisten, der den 56 Jahre alten CDU-Bewerber einige Zeit durch den Wahlkreis begleitet hatte, im Kern alles aufgeführt, was Huber am Montag nach der Wahl dem „Darmstädter Echo“ sagte: Er habe seinen Wahlkampf „fast allein“ machen müssen, CDU-Mitglieder und -Anhänger hätten sich zu einer „Erststimmen-Kampagne für Zypries“ verabredet und auf einer Podiumsdiskussion der Darmstädter Zeitung habe er „keinen Beifall“ bekommen. Nur das Wort „Sabotage“ und den Vorwurf von „Abmachungen mit dem politischen Gegner“ hat Huber selbst in die Welt gesetzt.

          Medieninteresse zwiespältig

          Möglicherweise wäre die daraus resultierende bizarre Situation für die CDU, die sich gehalten sah, öffentlich die Äußerungen ihres aus München importierten Kandidaten zurückzuweisen, gar nicht entstanden, hätte Huber schon am Wahlabend gewusst, dass er trotz Niederlage in den Bundestag einziehen würde. Unerwartet reichte nämlich sein Platz 19 auf der Landesliste aus. Das aber wurde erst am Montagnachmittag bekannt. Für Darmstadts CDU ist das anhaltende Medieninteresse an Huber inzwischen zwiespältig. Zwar hatte eine Findungskommission unter Vorsitz der Landtagsabgeordneten Karin Wolff genau aus diesem Grund dem Münchner, der auf seine Herkunft im Titel seiner Autobiographie „Ein Niederbayer im Senegal“ demonstrativ verweist, die Kandidatur in Südhessen angeboten.

          Entdeckt hatte sie ihn angeblich auf Facebook, wo er die „Initiative integres Deutschland“ angestoßen hatte. Nun aber nehmen die Schuldzuweisungen an die CDU und die Artikel darüber kein Ende.

          Gestern hat Huber im „Darmstädter Echo“ Unterstützung von Robert Nawrath bekommen, einem ehemaligen Kreisvorstands-Mitglied der CDU aus Seeheim-Jugenheim. Er wird mit den Worten zitiert, Huber habe „definitiv sehr wenig Rückendeckung“ gehabt. Nawrath verweist außerdem auf einen namentlich nicht genannten CDU-Kreistagsabgeordneten: Der habe ihm gesagt, er werde seine Erststimme Zypries geben, und ihm, Nawrath, nahegelegt, ebenso zu handeln. Mit Verweis auf Nawrath sagte Huber gestern dieser Zeitung, der Verdacht der Sabotage bestehe für ihn weiter: „Ich sehe mich bestätigt. Das nehme ich nicht zurück.“ Dass er die Wahlveranstaltung der Stadt nicht besucht habe, begründete er mit deren Charakter als „Showveranstaltung“. Sonst wolle er sich zu der ganzen Angelegenheit nicht weiter äußern. „Wir werden das jetzt intern klären.“ Er strebe eine gemeinsame Erklärung mit den beiden Kreisverbänden von Stadt und Land an.

          Es ist zu vermuten, dass damit die südhessische Verlängerung des Wahlkampfes zu ihrem Ende kommt. Der Darmstädter CDU-Kreisvorsitzende Ctirad Kotoucek betonte am Mittwoch jedenfalls nochmals, dass ein klärendes Gespräch gesucht werde, und auch der Vorsitzende der Landkreis-CDU, Manfred Pentz, sprach von einem baldigen Treffen, um die entstandene „atmosphärische Störung“ zu beheben. Bei der Äußerung Nawraths, von dem er im Wahlkampf nichts gesehen habe, handele es sich jedenfalls um eine „absolute Einzelmeinung“.

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