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Schauspieler Hans Zürn : „Ich habe viel Glück gehabt“

Mit Stoltze-Versen: Im Juni tritt Hans Zürn wieder vor ein Frankfurter Publikum. Bild: Cornelia Sick

Als Volksschauspieler versteht er sich nicht. Aber das Frankfurter Volkstheater war ohne ihn undenkbar. Zum 80. Geburtstag von Hans Zürn.

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          Er kocht nicht mehr, seit er allein ist. Aber er surft. Hans Zürn beginnt den Tag vor seinem Computer und lässt sich auf der Website „Operissimo“ von den Wogen des Belcanto emportragen: Anna Netrebko und wieder Anna Netrebko. Eigentlich wollte er selbst einmal Opernsänger werden. Mit Anfang dreißig hat er bei Gerthy Haindl, der Mutter des Malers und Bühnenbildners Hermann Haindl, Gesangsunterricht genommen. Den Papageno, Figaro und Almaviva hatte er damals im Repertoire - und das hohe C. Diese Zeiten sind lange vorbei. Aber auf der Bühne des einstigen Frankfurter Volkstheaters hat der Schauspieler immer wieder bewiesen, dass ein lyrischer Bariton in ihm steckt.

          Claudia Schülke
          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch wenn er nicht mehr kocht - er isst noch immer gern. Am liebsten bei den „Zwölf Aposteln“, wo es deftige Hausmannskost gibt. Dann fährt er mit seinem „Ferrari“ vor. Aber kaum hatte er den Rollator von Freunden geschenkt bekommen, stürzte er und brach sich den Oberschenkel. Nach dem Krankenhausaufenthalt im vorigen Mai und einer geriatrischen Reha, die er wie eine Geisterbahn erlebte, weiß er die Küche in seinem Kiez besonders zu schätzen. Nur: „Jetzt werde ich 80 und bin in äußerster Bredouille.“ An seinem Geburtstag hat er nämlich immer für seine Freunde gekocht. Allerdings gibt es da auch noch die Enkel von den neun Geschwistern seines Vaters. „Ich muss das alles koordinieren“, seufzt der Schauspieler und greift zu einem Glas Weißwein.

          Wie er den „langen Atem“ lernte

          Zürn ist waschechter Frankfurter. Als Sohn eines Schreiners wurde er 1936 in Sossenheim geboren. Zur Schule ging er in Höchst, wo seine Eltern das Gasthaus „Zum Goldenen Adler“ übernahmen. „Opa war mein Vorbild“, erinnert er sich. Sein Vater war im Krieg und kehrte erst 1947 aus französischer Gefangenschaft heim. „Mein bester Kumpel war meine Mutter.“ Sie hätte ihn gern als Anwalt gesehen, sein Vater dachte eher an die Farbwerke. Aber Zürn schrieb sich nach dem Abitur am Leibniz-Gymnasium für Philosophie und Germanistik an der Frankfurter Goethe-Universität ein. Nach einem Jahr hatte er genug von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Er zog nach München, wo er anstelle der Uni die Theater besuchte und sich von Schauspielern wie Hans Christian Blech manches abschaute.

          Als er 1963 nach Frankfurt zurückkehrte, hatte er längst seine große Liebe zur Oper entdeckt und mit Covent Garden vergeblich angebändelt. Er sprach in der hiesigen Operndramaturgie vor, konnte aber mit den Theoretikern hinter dem Schreibtisch nicht warm werden. Als Englisch-Dolmetscher auf einer Baustelle fühlte er sich wohler. An der Landesbühne Rhein-Main, dem späteren TAT, hospitierte er als Regie-Assistent und nahm, um der Aufführungspraxis näher zu kommen, Unterricht bei der renommierten Sprecherzieherin Charlotte Grantz-Söden, bei der sich Schauspieler wie Boy Gobert und Doris Schade die Klinke in die Hand gaben. Bei ihr lernte er den „langen Atem“. Und er lernte, schonend mit seiner Stimme umzugehen. Regisseur wurde er nicht. Dafür fühlte er sich zu „unpädagogisch“.

          Nach Heppenheim zu den Sommerfestspielen

          Zudem hatte er das pantomimische Fach noch nicht ausprobiert. Als Pantomime also debütierte Zürn 1967 im Stück „Terra of Oklahoma“ bei Marcel Schilb in der „Katakombe“. Gleich darauf spielte er eine Hauptrolle in der dramatisierten Fassung des Tucholsky-Romans „Schloss Gripsholm“. Am meisten Spaß hatte er schon damals an musikalisch-literarischen Programmen. Die Schwaben warben ihn ab. In Reutlingen trat er zum ersten Mal als einer der beiden Ganoven in dem Musical „Kiss me Kate“ auf, eine Rolle, die er noch zweimal spielen sollte: in Bruchsal und in Claus Helmers „Komödie“. „Das fand ich toll von Helmer“, freut sich der Schauspieler noch heute.

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