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Schauspiel Frankfurt : Kette rauchen für die Kunst

„Back to the roots“: Antony Rizzi (rechts) ist wieder in Frankfurt in den Städtischen Bühnen zu sehen. Bild: Jiré E. Gözen

Antony Rizzi ist wieder da. Mit „I am a mistake“ nimmt sich der Frankfurter Tänzer und Performer einen Text von Jan Fabre vor. An zwei Abenden wird er im Schauspiel Frankfurt zu sehen sein.

          Alter Ballettsaal, vierter Stock, Städtische Bühnen Frankfurt am Main. Antony Rizzi, oft „Tony“ genannt, steigt für die Erinnerung nicht hinab, sondern hinauf, „back to the roots“. Dort hat er trainiert und geprobt, als er, mit gerade mal 19 Jahren, aus Boston in William Forsythes Ballett Frankfurt gekommen ist. Für Nostalgie hat Rizzi, der Tänzer, Choreograph, Performer, allerdings allenfalls im Rahmen des Stückes Platz, das er dort derzeit probt. Unter anderem, weil er für „I am a mistake“ das Rauchen gewöhnlicher Tabakzigaretten üben muss, eine Angewohnheit, die er vor Jahren abgelegt hat.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn in „I am a mistake“ von Jan Fabre, einem Text, den der belgische Vielfachkünstler vor Jahren verfasst hat, ist das Zigarettenrauchen wider alle Vernunft gewissermaßen ein Ausweis der Genialität des Künstlers. „Ich bin loyal zu der Lust, die versucht, mich umzubringen“, heißt es in „I am a mistake“. Das „mea culpa“ aus dem katholischen Schuldbekenntnis wird zum stolzen, arroganten Selbstzeugnis des Künstlers als „Fehler“, als bestmöglicher Fehler natürlich, wenn auch mit Selbstzweifeln. Jan Fabre selbst, mit dem Rizzi seit vielen Jahren zusammenarbeitet, hat sich, in unterschiedlichen Konstellationen, sogar mit Musik von Wolfgang Rihm, immer wieder an seinem provokationslüsternen Schuldbekenntnis versucht.

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          Fast 30 Zigaretten muss sich Rizzi während seiner Darbietung anzünden

          Jetzt aber kommt Antony Rizzi und macht, mit Fabres Segen, sein eigenes Ding aus dem Text, den er schon immer gemocht habe. An nur zwei Abenden wird es jetzt in den Kammerspielen am Schauspiel Frankfurt zu sehen sein, danach geht es an das Heidelberger Unterwegs Theater. Weshalb Rizzi den schätzungsweise 30 Zigaretten, die er sich im Lauf des Abends auf der Bühne anzünden muss, gefasst entgegensieht und im Alten Ballettsaal in die Tanzgeschichte hinabsteigt. Aber nicht in die eigene: „Ich probe Steptanz, das ist etwas, das ich schon immer lernen wollte.“

          Um das hinzukriegen, sagt Rizzi, der Vorzeigetänzer, müsse man „ein wirklich schlechter Tänzer“ sein: schwabbelig und locker, so dass man in alle Richtungen schlenkern könne. Als „schlechter, kleiner Fred Astaire“ sei er dann eben der Fehler, lacht Rizzi – und in der Rolle hat man ihn in Frankfurt, seiner Wahlheimat seit mehr als 30 Jahren, trotz vieler Performances und Rollenwechsel so noch nicht gesehen.

          Überhaupt hatte er sich in Frankfurt rar gemacht in den vergangenen Saisons – mit „Drugs kept me alive“, einem für ihn von Jan Fabre konzipierten Solo, war er gerade in Italien unterwegs, und weiterhin tourt er mit Fabres gigantischer 24-Stunden-Inszenierung „Mount Olympus“ durch die Welt, demnächst nach Russland und New York. Eigene Arbeiten, hatte er vor zwei Jahren gesagt, werde es nicht mehr geben. Aber man soll ja bekanntlich niemals nie sagen: Nächstes Jahr, verspricht Rizzi, wird er in Frankfurt ein neues Rizzi-Werk zeigen.

          I AM A MISTAKE Monolog mit Tanz, Schauspiel Frankfurt, Kammerspiele, 25. und 26. Mai jeweils 20 Uhr

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