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Schauspiel Frankfurt : Abschied von den Publikumslieblingen

Reeses „Eine Familie“: Nach Berlin gehen Corinna Kirchhoff (Dritte von links), daneben Oliver Kraushaar und Constanze Becker, vorn sitzend Sascha Nathan. Bild: Birgit Hupfeld

Last Minute: Das Ensemble des Schauspiels Frankfurt sitzt auf gepackten Koffern. Sechs von ihnen berichten, wie es für sie nach der Spielzeit weitergeht – und wie es in Frankfurt war.

          Erst 44 Jahre alt und schon Nestor. Oliver Kraushaar ist das dienstälteste Mitglied im Ensemble des Frankfurter Schauspiels. Im Jahr 2002 hatte ihn die damalige Intendantin Elisabeth Schweeger nach Frankfurt geholt, ihr Nachfolger Oliver Reese hat ihn 2009 übernommen. „Hoffentlich habe ich niemanden gelangweilt in diesen 15 Jahren“, sagt der Schauspieler mit der unverwechselbar sonoren Stimme jetzt, da er schon fast auf gepackten Koffern sitzt.

          Claudia Schülke

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gern erinnert sich Kraushaar an die Arbeiten mit Regisseur Jürgen Kruse, etwa „Seid nett zu Mr. Sloane“. Schon 75 Mal war er in Moritz Rinkes Stück „Wir lieben und wissen nichts“ in der Uraufführung von Oliver Reese zu sehen, die noch immer auf dem Spielplan steht. Auch in Strindbergs „Totentanz“, einem Horror-Pas-de-deux mit seiner Frau Constanze Becker, ist er noch zu sehen.

          Dreimal in dasselbe Stück

          Kein Wunder, dass sich der scheidende Intendant nicht von seinem erfolgreichen Bühnenpaar trennen will. Reese nimmt die beiden mit ans Berliner Ensemble. Von „großem Erbe“ spricht Kraushaar: „Da wird man berufen.“ Mit seiner Frau und den beiden Kindern Ludwig und Alma, sechs und drei Jahre alt, zieht der gebürtige Bayer, der in Hamburg ausgebildet wurde, im Sommer nach Berlin-Wilmersdorf, wo er schon eine passende Grundschule für seinen Älteren gefunden hat. Vermissen wird er den Frankfurter Grüngürtel, den er sich mit seiner Familie erwandert und erradelt hat: „10 000 Kilometer mit dem Fahrrad und 1000 Kilometer zu Fuß“, schätzt Kraushaar. Ein Frankfurter Kochbuch hat er sich auch zugelegt, um in Berlin nicht zu verhungern.

          Constanze Becker, die unvergessene Frau John und preisgekrönte Medea, wird vor allem den Main vermissen, an dessen Ufern sie gern entspannt, aber auch ihre Texte gelernt hat: „Ich liebe Städte mit Flüssen.“ Auch ihr ist der Grüngürtel ans Herz gewachsen. Wie das Publikum: „Da ist eine Beziehung entstanden. Man kennt sich so.“ Zumal manche Zuschauer auch dreimal in dasselbe Stück gingen. Als Medea hat sie 60 Mal auf der Bühne gestanden, und die Penthesilea habe sie auch gern gespielt.

          Familie in Dresden zu Hause

          „Wir haben hier etwas draus gemacht.“ Genau das, was ihr vorschwebte, als sie 2009 nach Frankfurt kam. Mittlerweile sei es „gemütlich geworden“ in Frankfurt, sagt die Schauspielerin, die 1978 in Lübeck geboren wurde und an der Hochschule Ernst Busch in Berlin ausgebildet wurde. Jetzt will sie am Berliner Ensemble Tanz- und Bewegungtheater ausprobieren und – wie im Frankfurter „Macbeth“ oder bei Falk Richter – „mit Körperbildern Sprachbarrieren überwinden.“

          Geht nach Dresden: Viktor Tremmel

          So richtig gemütlich fand es Viktor Tremmel in Frankfurt dagegen nicht. „Das ist keine kinderfreundliche Stadt“, hatte der Familienvater vor vier Jahren geklagt. Umso glücklicher ist er nun, da er nach Dresden zurück ziehen kann. Vom dortigen Staatstheater war er vor acht Jahren nach Frankfurt gekommen. In Dresden sind seine Frau, die mehrfach ausgezeichnete Kindertheaterautorin Esther Rölz, und seine beiden Kinder, Franz-Caspar und Fanny, 13 und sieben Jahre alt, zu Hause.

          Alle Lieblinge versammelt

          Dennoch wird ihm etwas fehlen: „Die Weltoffenheit.“ Angst vor Pegida habe er zwar nicht, aber „das internationale Flair“ werde er schon vermissen, gibt er zu. Nach beeindruckenden Tourneen nach Japan und Kopenhagen als Bote in der „Medea“, nach dem „Macbeth“ und zwei Reese-Inszenierungen, die er genoss, freut sich Tremmel auf bekannte, aber auch auf neue Gesichter: „Das erfrischt.“ Denn auch in Dresden beginnt mit Joachim Klement eine neue Intendanz.

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