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Demo gegen IS-Terror : Schauriges Stück, friedlicher Protest

Gespieltes Grauen: Theateraufführung als Teil einer Demonstration gegen den „Islamischen Staat“ in Mainz. Bild: Michael Kretzer

Terroristen mit ihrer eigenen Symbolik kritisieren: In Mainz haben Christen aus Syrien und dem Irak die Propaganda-Videos des IS nachgestellt. Es war ein Protest gegen den Terror und für mehr deutsche Hilfen.

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          Wer regelmäßig Fernsehnachrichten schaut, hat dieses Bild in den vergangenen Monaten mehr als einmal sehen müssen: Schwarz maskierte und bewaffnete Männer, Terroristen der Organisation „Islamischer Staat“ (IS), führen ihre in orangefarbene Overalls gekleideten Gefangenen vor, denen der Tod droht.

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Am Samstagnachmittag fand so eine schaurige Inszenierung, die mit einer nachgestellten Hinrichtung der vermeintlichen Opfer auf dem Gutenbergplatz endete, mitten in Mainz statt: als Straßentheaterstück, aufgeführt von Angehörigen der Jugendorganisation „Save Our Souls“.

          Schutztruppe für Syrien und Irak gefordert

          Es war Teil des Programms einer mehrstündigen Großkundgebung vor dem Staatstheater. Zu ihr hatte der Zentralverband der Assyrischen Vereinigungen in Deutschland aufgerufen. Nach Polizeiangaben haben mehr als 1000 Personen teilgenommen und an die anhaltende Verfolgung christlicher Minderheiten in Syrien und dem Irak erinnert.

          Von der Weltgemeinschaft und den Vereinten Nationen forderten Redner verschiedener christlicher Gruppierungen, darunter Assyrer, Aramäer und Chaldäer, dem Grauen ein Ende zu bereiten: Sie forderten, Schutztruppen nach Syrien und in den Irak zu schicken, eine Schutzzone etwa für die Minderheiten in der Ninive-Ebene einzurichten und auch den Bewohner im Khabour zu helfen.

          Auch soll Deutschland ihrer Ansicht nach christliche und yezidische Minderheiten durch Waffenlieferungen und Ausbilder in die Lage versetzen, sich künftig selbst besser verteidigen zu können.

          Hunderttausende Christen seien allein im vergangenen Sommer von den IS-Kämpfern vertrieben worden, so die Redner. Und in diesem Jahr hätten die Terroristen damit begonnen, in einem „barbarischen Akt“, mit Hämmern und Presslufthämmern, die jahrtausendealten Kulturschätze der assyrischen Geschichte zu zerstören.

          Die Spirale der IS-Gewalt werde immer größer, die Gegenmaßnahmen der internationalen Gemeinschaft seien kaum erkennbar, so der zentrale Vorwurf der Demonstranten, denen sich auch einige CDU-Politiker wie Johannes Gerster, der Kreisvorsitzende Wolfgang Reichel und die ehemalige Bundestagsabgeordnete Ute Granold angeschlossen hatten.

          Unter den Teilnehmern war auch der FDP-Politiker Tobias Huch, der sich schon seit längerem mit Hilfsprojekten für Menschen in den Kurdengebieten einsetzt. Zuletzt war der Unternehmer in die Schlagzeilen gekommen, weil er bei einem Besuch im Nordirak eine für IS-Terroristen bestimmte Granate mit einem „bombigen Spruch“ beschriftete, ehe sie von Perschmerga-Kämpfern abgefeuert wurde. Für den von Huch im Januar unter der Überschrift „Interview mit Isis“ dazu auf Facebook präsentierten Film von der Front wurde er stark kritisiert.

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