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Kommentar zu DVB-T2 : Scharfe Bilder und andere Sachen

Jetzt müssen neue Geräte her: DVB-T2 kommt Bild: dpa

Das Antennenfernsehen verabschiedet sich. Von Mitternacht an bleibt der Fernsehbildschirm schwarz, weil er nicht mit dem neuen Standard DVB-T2 HD kompatibel ist. Jetzt müssen neue Geräte her.

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          Ein Standard geht, der nächste kommt. So ist das in der Welt der Technik. Auf einmal gibt die Musikanlage kein Digitalradio mehr wieder, weil sie dafür statt DAB nun DAB + können müsste. Nun trifft es das Antennenfernsehen. Von morgen Mitternacht an bleibt der Fernsehbildschirm schwarz, weil er nicht mit dem neuen Standard DVB-T2 HD kompatibel ist.

          Jetzt müssen neue Geräte her. Die meisten Nutzer dürften vorgesorgt haben – an Information hat es nicht gemangelt. Freilich, für die eine oder andere sprichwörtliche Oma aus Bornheim, die immer dann als Opfer des Fortschritts herhalten muss, wenn es kompliziert wird, dürfte der Mittwoch ein schwarzer Tag werden. Spätestens wenn sie morgen Mittag einen Sendersuchlauf starten muss, um ARD und ZDF neu zu starten.

          Programmiert ist weiterer Ärger, dann nämlich, wenn es nach einer Gratis-Testphase für die verschlüsselten Privatsender im Juni heißt: Bitte zahlen! Dann haben die Antennennutzer hoffentlich den richtigen Receiver mit „Freenet“-Logo gekauft, wie das Bezahlfernsehen unverschämterweise heißt. Andernfalls brauchen sie zusätzlich noch ein Modul (80 Euro) zum Entschlüsseln.

          Es wundert nicht, dass dem einen oder anderen Gebührenzahler bei so viel Gängelei die Lust aufs Fernsehen vergeht. Acht Prozent der Zuschauer, die bisher Antennenfernsehen genutzt haben – in Deutschland noch 3,4 Millionen Haushalte –, wollen auf Fernsehen künftig ganz verzichten, ergab eine Umfrage.

          Das muss nicht weh tun. Die Ex-Zuschauer könnten stattdessen amerikanische Serien streamen und merken, wie spannend Fernsehen sein kann. Oder sie lesen einfach wieder ein Buch. Oder gehen abends mit dem Liebsten oder der Liebsten spazieren – und anschließend auf ein Bier um die Ecke. Soll schon so manche Blockade gelöst haben. Vielleicht erinnern sich Paare bei der Gelegenheit auch daran, dass es außer scharfen Fernsehbildern auch noch anderen schönen Zeitvertreib gibt.

          Die Älteren erinnern sich, dass neun Monate nach dem legendären Stromausfall in New York in den Geburtskliniken die Hölle los war. Gut so. Wer Kinder und Enkel hat, kann sie um Hilfe bitten, wenn der technische Fortschritt bewältigt werden muss.

          Petra Kirchhoff
          (hoff.), Rhein-Main-Zeitung

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