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Schäfer-Gümbels Image-Rezept : Am liebsten scharf, richtig scharf

  • -Aktualisiert am

Hört gern Musik und bevorzugt asiatisches Essen: Thorsten Schäfer-Gümbels Imagekampagne soll ihm zum Posten des Ministerpräsidenten verhelfen. Bild: dpa

Der SPD-Kandidat Thorsten Schäfer-Gümbel will hessischer Ministerpräsident werden. Dazu hat er eine Imagekampagne gestartet - und offenbart darin persönliche Vorlieben.

          Der Vater war Lastwagenfahrer, die Mutter verdiente als Putzfrau ein paar Mark zusätzlich für die Familie, von den vier Kindern konnte aus finanziellen Gründen nur eines Abitur machen und studieren: Thorsten Schäfer-Gümbel, der Mann, der sich jetzt anschickt, hessischer Ministerpräsident zu werden. Mit einer großangelegten Imagekampagne will der 43 Jahre alte Gießener sich und sein Programm in den nächsten Wochen noch bekannter machen.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In einer Broschüre, von der in den nächsten Tagen 1,5 Millionen Exemplare in Hessen verteilt werden sollen, präsentiert sich der auch unter dem Kürzel „TSG“ firmierende Schäfer-Gümbel am Küchentisch mit seiner Frau Annette, lässt einen politischen Weggefährten und seine älteste Schwester von seinen Stärken berichten und offenbart persönliche Vorlieben in einem „ABC mit TSG“. Konsequenz und Durchsetzungsvermögen werden Schäfer-Gümbel da bescheinigt. Er habe schon vor Jahren zu seiner Frau gesagt: „Der wird mindestens Minister“, erzählt der Gießener SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Merz, und Regina Serwuschok, die Schwester, beschreibt den Bruder als zielstrebig und verantwortungsbewusst.

          Vorliebe für die asiatische Küche

          Im Porträt von A bis Z erfährt der Leser, dass der Kandidat vor wichtigen Reden über Kopfhörer Musik hört - Depeche Mode, Adele, Evanescence, Unheilig oder Silbermond - und dass er eine besondere Vorliebe für die asiatische Küche hat. „Am liebsten scharf, richtig scharf.“

          Mit dem Sport hingegen hat es Schäfer-Gümbel nicht so sehr. Wenn überhaupt, dann geht er joggen - auf langen Strecken. Als Zuschauer immerhin kann er sich für Rollstuhl-Basketball und auch für Fußball begeistern. Die Lieblingsmannschaft des SPD-Ministerpräsidentenbewerbers für Hessen ist Bayern München, aber das verschweigt er im „ABC mit TSG“ dezent.

          Keine „Homestorys“

          Dafür erfährt der Leser, dass der Sozialdemokrat mit der markanten Brille es bedauert, nicht Tango tanzen zu können, dass er das Buch „Der Herr der Ringe“ mit auf eine einsame Insel nehmen und gern mit Jodie Foster oder Barack Obama („in dieser Reihenfolge“) ein Bier trinken würde. Schäfer-Gümbels Offenheit hat aber auch Grenzen: Bilder seiner drei Kinder gibt es in der Werbebroschüre nicht und soll es in den Monaten bis zur Landtagswahl auch nirgendwo geben. Er wolle Svenja, Gregor und Charlotte nicht für seine politischen Ziele „instrumentalisieren“, stellt der Kandidat klar. Deshalb stehe er den Medien auch nicht für „Homestorys“ zur Verfügung.

          Die SPD setzt, beflügelt durch die jüngste Umfrage, die eine rot-grüne Mehrheit ergab, aufs Ganze. Knapp zwei Millionen Euro stünden für den Wahlkampf zur Verfügung, sagt Generalsekretär Michael Roth. Themen sind gutbezahlte Arbeit, Bildung, soziale Gerechtigkeit und preiswerter Wohnraum, die Wählern unter anderem in ganzseitigen Anzeigen im Magazin „Der Spiegel“ nahegebracht werden sollen. Auf der Titelseite der Schäfer-Gümbel-Imagebroschüre prangt der Slogan für die Kampagne zur Landtagswahl am 22.September: „Gerechtigkeit macht stark“. Über den Spruch hat Christoph Weirich, der Pressesprecher der hessischen CDU, herausgefunden, dass es sich um das Motto eines österreichischen Pensionistenverbandes und der oberöstereichischen Sozialdemokraten handelt.

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