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Thorsten Schäfer-Gümbel : Der Mann der langen Linien

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Neu aufgestellt: Thorsten Schäfer-Gümbel (rechts) will mit Generalsekretärin Nancy Faeser und Manfred Schaub die Partei zurück an die Macht führen. Bild: Michael Kretzer

SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel setzt auf soziale Gerechtigkeit und hofft, dass Schwarz-Grün in Wiesbaden nur ein Betriebsunfall ist.

          Wenn Thorsten Schäfer-Gümbel über die Strategie der hessischen SPD spricht, richtet er den Blick weit nach vorn - über das aktuelle politische Tagesgeschäft, über die Kommunalwahl im Frühjahr 2016 und über die Bundestagswahl im darauf folgenden Jahr hinaus. Von „langen Linien“ ist dann die Rede, in denen die Partei arbeiten müsse, um die Meinungsführerschaft in Hessen bis zur nächsten Landtagswahl Ende 2018 zurückzugewinnen und nach dann fast 20 Jahren Opposition im ehemals sozialdemokratischen Erbhof Hessen endlich wieder Politik mitgestalten zu können.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit 2009 steht Schäfer-Gümbel an der Spitze der Landes-SPD, die zuletzt 1999 an der Regierung war. Bei der Landtagswahl im September vergangenen Jahres führte der 45 Jahre alte Politikwissenschaftler die Sozialdemokraten zwar aus dem tiefen Tal heraus, in das sie nach dem Scheitern von Andrea Ypsilantis Plänen für eine von der Linkspartei tolerierte rot-grüne Landesregierung gefallen war: 30,7 Prozent, nach erniedrigenden 23,7 Prozent fünf Jahre zuvor. Beinahe hätte es für TSG, wie er von Parteifreunden genannt wird, sogar zum Bild des „Phoenix aus der Asche“ gereicht. Hätten sich nur gut 4000 von 3,2 Millionen Wählern anders entschieden, wären sowohl Linkspartei als auch FDP an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, und eine rot-grüne Mehrheit im Landtag wäre möglich gewesen mit Schäfer-Gümbel als Ministerpräsident.

          „Opposition ist Mist“

          Der Parteichef räumt eigene Fehler bei den letztlich gescheiterten Sondierungsgesprächen mit der CDU nach der Landtagswahl ein. Die, gemessen an ihren knapp 60.000 Mitgliedern, noch immer deutlich stärkste Partei in Hessen verpasste dabei die Chance, als Juniorpartner der Union mitregieren zu können. Rückblickend glaubt Schäfer-Gümbel zwar zu wissen, dass die Grünen von der CDU von Anfang an als der geeignetere, weil kleinere und „einfachere“ Partner eingeschätzt worden seien; doch das sehen einige seiner an den Sondierungsrunden beteiligten Parteifreunde anders. Manche Vertreter der SPD-Linken scheinen indes sogar zufrieden, dass der Kelch einer großen Koalition mit der „erzkonservativen“ Hessen-CDU an ihnen vorübergegangen ist.

          Schäfer-Gümbel ist anderer Ansicht, konnte seine Genossen in der Bündnisfrage vor einem Jahr aber nicht schnell genug einen. „Opposition ist Mist, aber Jammern hilft nicht“, gab er daraufhin als Parole aus. Die 30,7 Prozent erklärte der Mittelhesse flugs zu einem „Super-Zwischenergebnis“ auf dem langen Weg zurück zur Macht. Eine Mehrheit der Mitglieder schien das ebenso zu sehen. Bei einem Parteitag zehn Wochen nach der Wahl wurde der gescheiterte Spitzenkandidat mit 94,9 Prozent eindrucksvoll im Parteivorsitz bestätigt.

          Aussitzen bei der CDU

          2017, hofft Schäfer-Gümbel, der auch stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender ist, werden die Sozialdemokraten wieder den Kanzler oder die Kanzlerin stellen. Das, so glaubt er, wäre die geeignete Basis für einen Erfolg auch in Hessen im Jahr darauf. Dazu müsse die SPD allerdings deutlich machen, dass der Koalitionsvertrag mit der Union in Berlin nicht das Parteiprogramm sei, müsse das kritische Bürgertum, die Handwerker und Selbständigen wieder auf ihre Seite bringen. Eine bessere Welt sei nicht im Bündnis mit der CDU und der CSU zu erreichen. „Wir sind die Partei der Arbeit und der sozialen Gerechtigkeit“, wird er nicht müde zu betonen. „Die einzige Gerechtigkeit in der Politik von Schwarz-Grün“, fügt er mit Blick auf die hessische Koalition hinzu, „ist die Selbstgerechtigkeit.“

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