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Amateurfußball : Dreieich statt Dubai

  • -Aktualisiert am

Bodenständig: Rudi Bommer führt die „Eintracht-Connection“ an. Bild: Picture-Alliance

Klangvolle Namen für den SC Hessen Dreieich. Der abstiegsbedrohte Klub aus der Hessenliga verpflichtet drei ehemalige Eintracht-Profis für die sportliche Leitung. Darunter ein SGE-Urgestein sowie ein ehemaliger Bundesligatrainer.

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          Das Ausland lockte. Rudi Bommer hätte Fußballtrainer in Dubai werden können. Oder er wäre in seiner Heimat Aschaffenburg bei der Viktoria in der Regionalliga Bayern geblieben. Dort betreute der Achtundfünfzigjährige seit Oktober die abstiegsgefährdeten Mainfranken sechs Spiele lang. Ein „Freundschaftsdienst“, wie er sagte. Umziehen muss Bommer – er baute vor sieben Jahren ein neues Haus in Aschaffenburg – jetzt nicht. Von Januar an trainiert er den Abstiegskandidaten SC Hessen Dreieich in der Hessenliga. Fünfte Liga, statt bezahlter Spitzenfußball. Aber Bommer, der Trainer bei 1860 München sowie in Duisburg und Cottbus war, sagt: „Ich muss nicht mehr alles machen. Mir persönlich muss die Aufgabe Spaß machen. Und das Konzept muss stimmen.“ Beides trifft offenbar zu. Der ehemalige Eintracht-Profi wird einen Vertrag bis Juni 2018 unterschreiben.

          Saisonziel ist der Klassenerhalt

          Bommer, der in Doppelfunktion auch Sportdirektor ist, löst einen früheren Eintrachtler ab. Vor knapp zwei Jahren hatte Thomas Epp den finanziell gut aufgestellten Klub in der Verbandsliga übernommen und schließlich den Aufstieg geschafft. Auch in der Hessenliga sollte die ordentlich verstärkte Mannschaft vorne mitspielen. Doch nun, nachdem der Mitaufsteiger Rot-Weiss Frankfurt als Tabellenführer 20 Punkte Vorsprung hat, heißt das „primäre Ziel“ Klassenverbleib des Zwölften. „Wir müssen die Sache stabilisieren.“ Bommer wird dabei unterstützt von seinem neuen Assistenztrainer und Teammanager Ralf Weber. Der war einst sein Mannschaftskollege bei Eintracht Frankfurt. Damit aber nicht genug der Eintracht-Power für den SC Hessen Dreieich: Neuer Vorstand Sport ist das Eintracht-„Urgestein“ Karl-Heinz Körbel. Den neuen Posten übt der 61-Jährige, unter dem Bommer einst Assistenztrainer bei der Eintracht war, ehrenamtlich aus. „Wir haben das Okay von der Eintracht bekommen“, sagt Bommer. „Der Charly wird auch nicht von der Eintracht abgezogen.“ Rekordspieler Körbel wird die von ihm gegründete Eintracht Frankfurt Fußballschule weiter leiten.

          Ihn verbindet mit dem Dreieicher Unternehmer und SC Hessen-Initiator Hans Nolte eine langjährige Freundschaft. Der 60-Jährige ist Mitinhaber der ortsansässigen „Hahn Air“ und Initiator der „Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH“, die den „Hahn Air Sportpark“ gebaut hat. Nolte, der Hauptsponsor, stand am Dienstag für ein Gespräch nicht zur Verfügung. Er und Körbel hätten ihn angesprochen, sagt Bommer. Der Fußballlehrer soll die Hessenliga-Mannschaft in die Regionalliga führen – nicht sofort, aber möglichst bald. „Es ist kein Muss“, sagt Bommer. „Wir werden keinen Gewaltakt vollziehen. Es geht um das gesamte Konzept.“ Nach seinen Worten handelt es sich bei dem Vorhaben um ein „Ausbildungsprojekt. Es soll ein Ausbildungsklub sein, in dem sich Kinder wohl fühlen“.

          Körbels Nachwuchskonzept soll in Dreieich umgesetzt werden

          Dazu komme der Jugend Fußballclub (JFC) Frankfurt „rüber“, wie es Bommer ausdrückt. „Wir wollen den Klub rüberholen.“ Präsident des JFC ist Körbel, Sportlicher Leiter der ehemalige Eintracht-Torhüter Oka Nikolov. Gemeinsames Ziel ist die Förderung von Talenten in der Region. Sechs Nachwuchsmannschaften nehmen in dieser Saison am Spielbetrieb teil. „Das ist sein Baby. Charly will eine Heimat haben für seinen Klub. Er will nicht irgendwo Plätze suchen müssen“, sagt Bommer. Körbel erachtet es als ideal, sein Nachwuchskonzept, das den geplanten Übergang von Talenten in den Seniorenbereich unterstützt, in Dreieich umzusetzen. „Die Voraussetzungen sind, nicht nur wegen des einzigartigen Sportparks, in mehrfacher Hinsicht geeignet, um ein ehrgeiziges Vorhaben zu verwirklichen“, sagt Körbel. Im besten Fall sollen die von Trainern wie dem früheren Eintracht-Profi Manfred Binz ausgebildeten Nachwuchsspieler irgendwann die erste Mannschaft des SC Hessen Dreieich verstärken.

          Diese sei eine „reine Amateurmannschaft“. Viermal Training pro Woche – daran will Bommer im neuen Jahr nichts ändern. Die Mannschaft soll aber mit Bedacht verstärkt werden. Schließlich will Bommer, der nun nicht die Koffer packen wird, seiner Trainerkarriere heimatnah einen weiteren Aufstieg hinzufügen.

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