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Satiremagazin „Titanic“ : „Wir müssen jetzt erst recht Witze machen“

Bild: Titanic

Das Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ist für die Berufskollegen bei der „Titanic“ in Frankfurt kein Grund für Unruhe oder Zensur. „Jetzt erst recht“, sagt der Chefredakteur.

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          Der Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris mit mindestens zwölf Toten hat die Redaktion des Frankfurter Satiremagazins „Titanic“ schockiert. Man sehe aber für sich selbst keine Bedrohung, sagte Chefredakteur Tim Wolff am Mittwoch. Man werde wie gewohnt weiterarbeiten und über politische Themen Witze machen.

          Jeder wird aufs Korn genommen: Ein Papst-Titelbild des „Titanic“-Magazins durfte nach einer Beschwerde aus Rom nicht mehr verkauft werden.
          Jeder wird aufs Korn genommen: Ein Papst-Titelbild des „Titanic“-Magazins durfte nach einer Beschwerde aus Rom nicht mehr verkauft werden. : Bild: dpa
          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der „Titanic“ habe es ebenfalls Mohammed-Karikaturen gegeben, auch der Islam sei mehrfach satirisches Thema gewesen, wenn auch nicht so oft wie in „Charlie Hebdo“. In Frankreich finde ohnehin eine lebhaftere Auseinandersetzung über den Islam statt. „In Deutschland lieferten die Muslime einfach zu wenig Stoff für Satire“, glaubt Wolff. Die Titanic müsse und werde sich in der nächsten Ausgabe mit dem Terrorakt in Paris auseinandersetzen. Es gelte, eine professionelle Distanz zu bewahren: „Wir müssen jetzt erst recht Witze machen.“

          Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) teilte mit, er verurteile den Anschlag auf das Schärfste. Er sei ein Angriff auf die französische Gesellschaft und die darin verwurzelten demokratischen Werte. Er hoffe, dass es den Sicherheitsbehörden gelinge, die Täter schnell zu ermitteln. Erhöht wurden in Hessen die Sicherheitsvorkehrungen nach dem Anschlag nicht. „Den hessischen Behörden ist die anhaltende hohe abstrakte Gefährdung bekannt“, hieß es im Ministerium. Die Sicherheitsstandards befänden sich nach wie vor auf einem hohen Niveau.

          Der Vorsitzende des hessischen Ausländerbeirats, Enis Gülegen, bezeichnete die Tat als „abscheulich und widerwärtig“. Gewalt dürfe niemals ein Mittel der politischen oder religiösen Auseinandersetzung sein. Die Täter hätten den Muslimen massiv geschadet.

          Indes verbreitetet sich ein satirischer Tweet, den die Frankfurter Redaktion am Mittwoch veröffentlichte, rasend schnell in den sozialen Medien. In ihrem „Liveticker in eigener Sache“ weisen die Journalisten unter anderem auf den Zeitpunkt ihrer Redaktionskonferenz hin, die eine Gelegenheit für Terroristen böte, „die gesamte deutsche Lügenpresse“ auszulöschen.

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