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Sarotti-Gelände in Hattersheim : Baubeginn nach langem Stillstand

Zähes Ringen: Schon seit 2010 wird in Hattersheim über die Herrichtung des Werkstattgebäudes als Museum diskutiert. Bild: Cornelia Sick

In Hattersheim wird ein früheres Sarotti-Werksgebäude zum Museum hergerichtet. Für den Geschichtsverein ist das allerdings zu spät.

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          Nach jahrelangem Stillstand geht es mit der Sanierung des Werkstattgebäudes auf dem früheren Sarotti-Gelände in Hattersheim voran. Das denkmalgeschützte Gebäude soll bis September nächsten Jahres mit einem Anbau versehen und bezugsfähig dem Geschichtsverein als Museum übergeben werden. Dies hat Selim Balcioglu gestern versprochen, der jetzt für die Rio-Nero-Projektgesellschaften als Geschäftsführer das Projekt vorantreibt. Der neue Mann in der Projektleitung ist in der Stadt kein Unbekannter: Er baut dort gerade das „House-of-Finance“-Center und sitzt als SPD-Abgeordneter in der Stadtverordnetenversammlung.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Die Arbeiten im Werkstattgebäude seien in vollem Gang, sagte Balcioglu. Ein Reinigungs-Spezialunternehmen müsse die Innenräume von Taubendreck befreien, danach gehe die Renovierung im Bestandsgebäude zügig voran. Der Bauantrag für den Anbau werde parallel gestellt, berichtete er. Nach mehreren Wechseln von Geschäftsführern und Projektbeteiligten auf der Investorenseite würden die Pläne nochmals verändert. Der Glasanbau soll demnach deutlich kleiner ausfallen als bislang geplant. Statt eines großen Restaurants werde es ein kleines Museumscafé geben, für das es aber noch keinen Betreiber gebe.

          Beschwerden wegen Glasflächen

          Die baulichen Veränderungen würden notwendig, da ein Nachbar wegen möglicher Spiegelungen der ursprünglich geplanten großen Glasflächen Beschwerde bei der Kreisbaubehörde eingereicht habe, erläuterte Balcioglu. Die erforderlichen Umplanungen müssten neu genehmigt werden.

          Die gesamte Investitionssumme bezifferte er auf bis zu 3,8Millionen Euro. 800.000 Euro seien noch aus dem Zuschuss des Nestlé-Konzerns für das Bauprojekt vorhanden. 200.000 Euro wurden laut Balcioglu schon für Vorbereitungen, Restaurierung der alten Fenster und Planungen ausgegeben.

          Für den Geschichtsverein, der das Museum im Werkstattgebäude betreiben wird, bedeutet die abermalige Verzögerung einen erheblichen Mehraufwand, erläuterte dessen Vorsitzender und frühere SPD-Bürgermeister Hans Fransen. Eine abermalige Fristverlängerung für die erteilten Zuschüsse des hessischen Museumsverbandes in Höhe von 120.000 Euro sei leider nicht möglich. Der Zuschuss müsse nun neu beantragt werden. Wie lange sich das hinziehe, könne er nicht abschätzen, sagte Fransen. Vor 2021 sei jedoch nicht mit der Museumsöffnung zu rechnen. Dadurch entstünden weitere Lagerungskosten. Glücklicherweise stehe die Stadt an der Seite des Vereins, der schon viele Jahre auf den Museumsbau warte. Schon seit 2010 wird in der Stadt über die Einrichtung des Museums im Werkstattgebäude diskutiert.

          Projekt von Anfang an zäh

          Er sei sehr froh, dass es mit dem Museum endlich weitergehe und damit ein wichtiges Projekt in der Stadt vorangetrieben werde, sagte gestern der Erste Stadtrat Karl Heinz Spengler (Freie Wähler). Denn das Projekt gestaltete sich von Anfang an sehr zäh. Die zum Jahresende 2018 im Vertrag zwischen Bauherren und Stadt vereinbarte Frist für eine schlüsselfertige Übergabe verstrich, ohne dass irgendeine Bautätigkeit auf dem Areal zu erkennen gewesen wäre.

          Dass sich mit dem Projekt kein Geld verdienen lasse, gestand Balcioglu gestern unumwunden ein: Der Investor sehe das Projekt als Teil eines Gesamtpakets. Gewinne seien lediglich zu erzielen, wenn das 3500 Quadratmeter große angrenzende Areal in einem wirtschaftlichen Mix aus Wohn- und Gewerbegebiet vermarktet werden könne. Offenbar sind Stadtverwaltung und Investor derzeit aber noch uneins, wie hoch der Anteil des schwerer zu vermarktenden Gewerbeanteils auf diesen Flächen sein soll. Nach Angaben eines Sprechers der Stadt Hattersheim gibt es keinerlei Koppelgeschäft. Es gebe für das Mischgebiet schon einen rechtskräftigen Bebauungsplan, dessen Vorgaben gälten. Ganz anders bewertet Balcioglu die Ausgangslage: Zum Anteil der Gewerbeflächen gebe es keine konkrete Vorgaben, hier verfüge die Stadt über große Spielräume, sagte er.

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