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Sarah Connor in der Festhalle : Bleibt alles in der Familie

  • -Aktualisiert am

Deutsches Liederbuch: Sarah Connor auf der Bühne der Festhalle Bild: Marcus Kaufhold

Muttersprache, Vatersprache, egal, welche Sprache: Sarah Connor ist in der Frankfurter Festhalle zu Gast und begeistert ihre Fans.

          2 Min.

          Daniela kann ihr Glück kaum fassen. Ein selbstgezeichnetes Bild, das Sarah Connor bei der Auszeichnung mit dem Echo zeigt, hatte sie ihrem Idol unbedingt überreichen wollen. Nun hat es tatsächlich geklappt. Aufgeregt steht Daniela neben Sarah im Rampenlicht, kann kaum sprechen und hat auch noch Schwierigkeiten mit dem versagenden Smartphone, auf dem sie den heißersehnten Moment festhalten wollte. Ihre Schwester springt ihr schließlich mit dem Handy helfend bei.

          Connor scheint solche Augenblicke inniger Verehrung zu lieben. Immer wieder unterbricht die Sängerin in der mit rund 8500 Besuchern fast ausverkauften Frankfurter Festhalle ihre Show. Sie schreibt Autogramme in Poesiealben, erzählt minutenlang irgendwelche Geschichten, bei denen sie vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt, und lauscht den zahllosen Zwischenrufen der Fans. „Sarah, I love you!“ und „Sarah, ich liebe dich!“ hallen am häufigsten durch das Dunkel der Arena.

          Erstes deutschprachiges Album

          Für viele Konzertbesucher ist Connor nicht nur eine Künstlerin, sondern ein Familienmitglied aus der Ferne. Nach der Quotenrenner-Doku-Soap „Sarah & Marc in Love“, in der sie ihren ersten Ehemann, den Boybandsänger Marc Terenzi, vor laufender Kamera ehelichte, und nach ihrer Zeit als Jurorin dreier Staffeln der Castingshow „XFactor“ glauben nicht wenige Fans, die Tochter eines deutschen Fotomodells und eines Werbetexters aus New Orleans persönlich zu kennen. Genug Zeit zum Singen findet Connor in Frankfurt trotzdem. Glücklicherweise. Nach einer immerhin fünf Jahre langen Unterbrechung ist sie im vorigen Jahr verändert zurückgekehrt.

          Die Songs ihres mittlerweile zweimal mit Platin ausgezeichneten Albums „Muttersprache“ lotet die Sängerin nicht im Englisch vorangegangener Alben, sondern auf Deutsch aus. Entstanden war die Platte, nachdem Connor 2014 an der mehrteiligen Fernsehreihe „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ teilgenommen hatte. Da sang sie als ersten deutschen Song Gregor Meyles „Keiner ist wie du“. Stilistisch hat sich hingegen nicht viel verändert. In der Festhalle wird Connor von einem kompetenten Ensemble mit drei ausgezeichneten Harmoniesängerinnen unterstützt und singt sich stimmlich makellos durch eine Mischung aus Rock, Pop, Soul, Funk, Jazz und Balladeskem. „Halt mich“, fordert sie vehement zum Auftakt, danach gilt ihre Aufmerksamkeit dem „Anorak“. Stürmische Begeisterung entfacht „Deutsches Liebeslied“. Ihre im Publikum befindliche beste Freundin Pille grüßt sie mit „Meine Insel“. Zwischendurch flitzt sie immer mal wieder geschwind über den bis zur Hallenmitte ragenden Catwalk. Alle paar Songs trägt sie eine neue Jacke oder ein anderes Hemd.

          „Kiss“ und „Nothing Compares To You“ im Gedenken an Prince

          Dann geht es in ihrer Vatersprache weiter. Als Medley zusammenfassen lassen sich die Hits „French Kissing“, „Let’s Get Back to Bed – Boy!“, „Bounce“ und „From Zero to Hero“. Nicht fehlen darf danach der Durchbruchssong „From Sarah With Love“ aus dem Jahr 2001. In einer erstaunlich präzisen Zeitlupenversion verjazzt sie „Rock With You“ von den Jackson Five. In der Funk-Orgie „Working Day And Night“ brilliert die Band ohne die Chefin. Das obligatorische Akustikset auf dem Catwalk gerät anschließend abermals zur Zwischenruf-Gelegenheit für die Fans.

          Wieder zurück auf Deutsch ist Connor „Auf der Suche nach der großen Freiheit“, ehe sich die orgiastische Fremdgehklage „Kommst du mit ihr?“ als echter Höhepunkt des Abends erweist. Das Lied ist, so wird gemunkelt, Connors Ex-Mann Terenzi gewidmet, der sich nach einer Privatinsolvenz als Stripper betätigt. Gleich mehrere Überraschungen hält der Zugabenteil bereit. Nach einer vielversprechenden Version von Mother’s Finests Funk-Evergreen „Baby Love“ wird mit „Kiss“ und „Nothing Compares To You“ dem just gestorbenen Allroundgenie Prince gehuldigt. Noch einmal Einblick in allzu Privates gewährt Connor mit „Mein König“ – gewidmet ist der Song ihrem Manager und Lebensgefährten, dem Vater ihres dritten Kindes, Florian Fischer, einem ehemaligen Mitglied der Boygroup The Boyz.

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