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Forschung stark betroffen : Sanofi will in Frankfurt ein Zehntel der Stellen abbauen

Abwärts: Das Geschäft mit Diabetesmitteln aus Höchst steht unter Preisdruck. Deshalb hat Sanofi am Standort in der Forschung schon Stellen gekappt, nun folgen weitere Bild: Sanofi

Der Arzneimittelhersteller Sanofi steht an seinem großen Standort in Frankfurt abermals vor Personalabbau. Hunderte Stellen sollen wegfallen. „Prozentual besonders stark trifft es die Forschung“, heißt es beim Betriebsrat.

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          Seit dem Niedergang der Preise für Diabetesmittel von Sanofi aus Frankfurt-Höchst baut der Arzneimittelhersteller dort Stellen ab. Erst vor einem Jahr wurde das Aus für mehr als Hundert Arbeitsplätze in der zunehmend von Digitalisierung geprägten zentralen Forschung und unterstützenden Abteilungen bekannt. Nun legt der Konzern aus Paris nach: Wie das Management der Belegschaft mitteilte, sollen in Deutschland bis Ende 2022 weitere 800 Stellen wegfallen, wenn auch ohne Kündigungen. Deutschland, das heißt bei Sanofi außer Frankfurt auch Berlin. Dort sitzt eine große Marketing- und Vertriebseinheit des Unternehmens.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allerdings kommt die Hauptstadt in der anstehenden Abbaurunde offenbar weitestgehend ungeschoren davon. „Marketing und Vertrieb in Berlin baut nicht ab, dort geht es eher um Verschiebungen von Personal“, heißt es beim Betriebsrat. Allerdings habe Sanofi in Berlin 2019 ebenfalls die Zahl der Arbeitsplätze gesenkt. Für das traditionsreiche Werk im Westen Frankfurts, in dem ehedem die Hoechst AG ihren Sitz hatte, bedeutet das nichts Gutes. „Der Standort Frankfurt wird stark schrumpfen.“ Noch zählt das Werk etwa 7200 Beschäftigte.

          Im November hatte Sanofi noch mit der Nachricht überrascht, rund 200 Arbeitsplätze aufbauen zu müssen. Diese Notwendigkeit traf das Unternehmen jedoch unvorbereitet. Denn die amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA hatte ihm mitgeteilt, die Produktion und Fertigung von Diabetesmitteln genauso einzustufen wie jene von Antikörpern, wie sie Sanofi am Ort in der Zellkulturanlage produziert. Die Folge: Ein erhöhter Aufwand für Qualitätskontrolle und -sicherung.

          „Deutschland überproportional betroffen“

          Wie es in Frankfurt-Höchst nun weiter heißt, werden alle Teile des Unternehmens vom geplanten Stellenabbau betroffen sein. „Prozentual besonders stark trifft es die Forschung.“ Sie sollen um ein Fünftel verringert werden. Gleiches gelte für unterstützende Funktionen wie Laborarbeitsplätze (Support). Auch in Produktion und Fertigung sollen demnach Stellen wegfallen, aber prozentual nicht so viele. Die Rede ist von 6,5 Prozent.

          Zu bedenken ist dabei: Sanofi wird in Höchst in absehbarer Zeit ohnehin Hunderte Kolleginnen und Kollegen verlieren. Die Rede ist von 600 bis 700 Beschäftigten. Denn der Konzern möchte mit der Herstellung chemischer Arzneiwirkstoffe befasste Betriebe, darunter auch solche in Frankfurt, in einem neuen Unternehmen bündeln und dieses an die Börse bringen. „Nach dem Abbau im Jahr 2019 in den Support-Funktionen und der Forschung ist das schwer zu verkraften“, verlautet aus der Arbeitnehmervertretung.

          Ende vergangener Woche hatte der Landesleiter von Sanofi in Frankreich mitgeteilt, 1700 Arbeitsplätze stünden in dem Konzern auf der Kippe, 1000 davon in Frankreich. In Frankfurt heißt es aber nun: Die Franzosen machten zwar eine Menge Wind, müssten aber nach dem Stand der Dinge nur auf 550 Jobs künftig verzichten. Da der Konzern dort drei Mal so viele Beschäftigte zähle wie in Frankfurt und Berlin, betreffe der geplante Abbau Deutschland überproportional.

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