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Desaster beim Schulumbau : Vier statt zwei Jahre – und kein Ende

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Sanierung ohne Ende: Die Arbeiten an der Merianschule dauern an. Bild: Jonas Wresch

Die 2016 begonnene Sanierung des Altbaus der Merianschule in Frankfurt gerät immer wieder ins Stocken. Nun sorgt eine weitere Verzögerung für heftige Kritik und Ärger.

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          Die Merianschule im Nordend gilt manchen als Paradebeispiel dafür, wie städtische Bemühungen, neue Schulgebäude zu schaffen und bestehende zu modernisieren, aus dem Ruder laufen können. Und zum Ärger von Lehrern, Schülern und Eltern kann das Schulhaus nun offenbar auch nach den Sommerferien nicht wie geplant genutzt werden. Die Grundschule, deren altes Gebäude an der Burgstraße für rund 24 Millionen Euro saniert und um eine Mensa erweitert wird, musste wegen der umfangreichen Arbeiten schon 2016 ausgelagert werden. Für die rund 300 Schüler wurde nördlich des Günthersburgparks, auf einem ehemaligen Betriebshof des Grünflächenamtes, ein Container-Dorf errichtet. Zwei Jahre sollte der abgelegene Ersatzstandort an der Wetteraustraße genutzt werden. Zur besseren Erreichbarkeit wurde extra ein Shuttle-Bus für die Kinder eingerichtet.

          Die städtischen Planer konnten ihre Zusagen aber nicht halten: Vier statt zwei Jahre dauert für Lehrer und Schüler mittlerweile das Provisorium an, die jetzt vor der Umschulung stehenden Viertklässler haben ihre gesamte Grundschulzeit im Container-Dorf verbracht. Doch das Sanierungsvorhaben, das bisher schon von Insolvenzen und Kündigungen einzelner Baugewerke geprägt war, zieht sich nach Angaben des Sprechers von Bau- und Immobiliendezernent Jan Schneider (CDU) weiter hin. Der für die Fassadenarbeiten zuständigen Baufirma sei gekündigt worden, weil sie unzuverlässig gewesen sei und es anhaltend Verzögerungen und Schwierigkeiten gegeben habe. Derzeit bemühe sich das Amt für Bau und Immobilien um einen Ersatz. Die ausgesetzten Arbeiten an der Fassade führten jedoch dazu, dass auch nachfolgende Arbeiten wie der Innenausbau sich verzögerten. Der eigentlich für die Sommerferien avisierte Rückzug müsse möglicherweise auf die Herbstferien verschoben werden.

          Lehrer, Schüler und Eltern der Merianschule reagieren entsetzt. Die gesamte Planung der Schule sei darauf ausgerichtet, dass der Unterricht zum neuen Schuljahr wieder in den Räumen des sanierten Schulhauses beginnen könne, sagt Schulleiterin Brigitte Schulz. Mit der Umsetzung des neuen Ganztagsprofils sei schon im Jahr 2019 begonnen worden. Die im „Pakt für den Nachmittag“ vorgesehenen Angebote hätten am Interimsstandort aber nur teilweise realisiert werden können. Nach Ansicht der Vorsitzenden des Schulelternbeirats, Angelika Kurz, sollten die Schüler endlich wieder kürzere Schulwege und gesünderes Essen bekommen. Während Mahlzeiten in der neuen Mensa frisch zubereitet werden könnten, müssten sie in der Containeranlage geliefert und warmgehalten werden. Die Verschiebung des Rückzugs sei nicht hinnehmbar.

          Schulleitung und Elternschaft drängen nun auf eine Fertigstellung bis zu den Sommerferien, und der Sprecher des Baudezernats beteuert: „Wir versuchen alle Hebel in Bewegung zu setzen, können aber nichts versprechen.“ Unterstützung erhält die Schule vom Ortsbeirat 3 (Nordend). Die Fraktionen fordern ebenfalls, die Sanierung endlich zu beenden. Sie haben dabei ein anderes ambitioniertes Projekt im Blick: die schon vor Jahrzehnten ins Auge gefasste Erweiterung des Günthersburgparks nach Norden. Für die würde die von den Schulcontainern derzeit blockierte Fläche nämlich benötigt.

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