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Sanierung des Peterskirchhofs : Eine Perle, die wieder glänzt

Grundsaniert: Auf dem Peterskirchhof begruben die Frankfurter viele hundert Jahre lang ihre Toten. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Peterskirchhof ist saniert worden. Zwischen den Gräbern großer Frankfurter, die zu den ältesten in ganz Deutschland gehören, sollen auf der neugestalteten Grünfläche nun tausend Blumen blühen.

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          Yan weiß genau Bescheid. „Hier liegt Goethes Mutter und da drüben Goethes Vater“, sagt der zwölfjährige Schüler der Liebfrauen-Grundschule und deutet quer über den Pausenhof. Mit einem Freund erholt er sich gerade auf dem Sockel eines barocken Epitaphs hinter dem Grab der Familie Textor, in dem Frau Aja zu ewiger Ruhe gebetet wurde. Und ja, dort hinten, in der südwestlichen Ecke des sanierten Peterskirchhofs, liegt ihr Ehemann Johann Caspar Goethe in seinem Familiengrab neben der Liebfrauen-Kita.

          Claudia Schülke

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) freut sich über das quirlige junge Leben rund um die Gräber, die zu den ältesten in ganz Deutschland gehören. Gemeinsam mit Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hat Becker, der auch Kirchendezernent ist, nun den grundsanierten Peterskirchhof wiedereröffnet und ein Informationsschild zur Geschichte dieses Kleinods enthüllt.

          „Bis zu sieben übereinander“

          Kirchhof, nicht Friedhof, weil die Frankfurter im frühen 15. Jahrhundert ihre Toten um die Kirche herum begruben. 1382 war dort – zwischen der heutigen Bleichstraße im Norden und der Stephanstraße im Süden – die gotische Peterskapelle gebaut und 1417 zur Peterskirche ausgebaut worden. Wann der erste Tote neben der Peterskirche begraben wurde, weiß nicht einmal Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts. Sie weiß aber, dass bis zur Schließung des Kirchhofs und der Eröffnung des Hauptfriedhofs 1828 etwa 50.000 Menschen bei St.Peter begraben worden sind: „Bis zu sieben übereinander.“ Viele Pesttote wurden hier im 17. Jahrhundert beigesetzt. „Bis zu 6000 Beerdigungen jährlich gab es“, ergänzte Becker. Große Namen wie Merian, Passavant, Bethmann, Cronstetten zieren die Epitaphe. „Eine Perle der Innenstadt, ein stadthistorisches Gedächtnis, aber die jüdischen Mitbürger waren ausgegrenzt“, so Hartwig.

          Der größte Teil des Kirchhofs fiel Bauarbeiten zum Opfer. Als die Erde für die Diamantenbörse ausgehoben wurde, sollen Italiener und Spanier ihre Spaten weggeworfen haben, weil es sie vor den vielen Schädeln gruselte. Nur ein Drittel des Kirchhofs ist übriggeblieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände mit Trümmermaterial verfüllt. Dann verkam es zum Drogenumschlagplatz und zur Übernachtungsstätte für Wohnsitzlose. Im Goethejahr 1999 erinnerte sich die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) an den Kulturschatz im Hinterhof. Drei Jahre später wurden die Trümmer abgetragen, die alten Mauern und Grabmäler freigelegt, die Treppenanlage und die Wege zur Kirche wiederhergestellt. 2004 bis 2016 wurde die Kirche umgebaut und der Kirchturm saniert. Dann begannen die Konservierungsarbeiten an den Epitaphen.

          Die Grünanlage wurde erst 2017 grunderneuert. Nach den letzten Arbeiten in diesem März konnte Dezernentin Heilig sie jetzt präsentieren. 700.000 Euro hat die Neugestaltung der 9000 Quadratmeter gekostet. Allein 600 Quadratmeter Natursteinwege wurden verlegt, 4000 Quadratmeter Rasen wurde eingesät. Vier Maulbeerbäume wurden gesetzt, eine uralte Maulbeere steht noch neben dem Grab von Frau Aja. Drei Beete mit weißen Narzissen und Akeleien, davon eines vor der Diamantenbörse und eines vor der längst sanierten Kreuzigungsgruppe außerhalb der Mauer, wurden ebenfalls angelegt, 5000 Zwiebeln gesteckt und tausend Bodendecker gepflanzt. Fünf Parkbänke laden ein zum Verweilen, vier Abfallbehälter sollen die erneuerte Ruhe-Oase sauber halten.

          Nun muss nur noch Sankt Peter mitspielen, damit sich nach dem feuchten Intermezzo der Totenacker dank Sonne in einen Elfentanzplatz verwandelt: „Die Auferstehung macht, dass ich den Tod nicht acht“, ließ sich Johann Hieronymus von Glauburg auf seinen Grabstein meißeln.

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